Von den Baulig-Brüdern, Markus und Andreas Baulig, wurde dieser auf Wortfilter veröffentlichte Artikel angegriffen. Zunächst kam eine einstweilige Verfügung, ohne vorherige Abmahnung (sic!). Das darauffolgende Verfahren (1. Instanz) verloren die Bauligs. Sie gingen in Berufung( 6 U 2050/19 | 16 O 228/19 LG Koblenz). Hier kam es ebenfalls so, wie es kommen sollte: Sie waren in wesentlichen Punkten unterlegen. Vertreten wurden die Bauligs durch Rechtsanwalt Kläner aus Koblenz. Nun sind weitere Rechtsmittel nicht mehr möglich.

Die einstweilige Verfügung und der Streitwert

Ohne vorherige Abmahnung erhielt ich sie. Bemerkenswert ist der Streitwert. Dazu aber später. Hieraus ergab sich dann der erste Prozess, den die Bauligs nicht gewonnen haben.

(Quelle: Auszug aus der einstweiligen Verfügung)

Das Verfahren wurde vor dem Landgericht Koblenz verhandelt. Meine Gegner sind also in Berufung gegangen. Zuständig war nun das OLG, ebenfalls in Koblenz.

Sitzungsprotokoll des Berufungsverfahren

Auch das Berufungsverfahren sah nicht gut für die Bauligs aus. Der vorsitzende Richter war wohl kein Freund des – so bezeichnete er es – »[…] (zweifelhaften) Mentoring-Programms […]«. Im Ergebnis wertete der Senat alle von den Bauligs gerügten Äußerungen richtig.

(Quelle: Auszug aus dem Sitzungsprotokoll der Berufungsverhandlung)

»Im Hinblick auf die zweite Äußerung (Experten warnen vor zweifelhaften Praktiken …) geht der Senat von einer wahren Tatsachenbehauptung aus, auch wenn die Experten Seegers und Dr. Gerhards ihre Äußerung nicht ausdrücklich auf die Kläger persönlich bezogen haben. In dem Blogbeitrag des Verfügungsbeklagten sind die Verfügungskläger als Geschäftsführer der Baulig Consulting GmbH genannt. Unstreitig hat die Baulig Consulting GmbH das Mentoring-Programm konzipiert. Deswegen erscheint es dem Senat zulässig, die Verbindung zu den Klägern als Geschäftsführern ihrer GmbH herzustellen«, so der 6. Zivilsenat.

(Quelle: Auszug aus dem Sitzungsprotokoll der Berufungsverhandlung)

Und weiter: »Bei der beanstandeten vierten Äußerung handelt es sich um ein Werturteil, das nach Auffassung des Senats die Grenzen der Schmähkritik nicht überschreitet. Es ist auch eine polemische, scharfe Kritik zulässig, solange die sachliche Auseinandersetzung nicht völlig in den Hintergrund tritt gegenüber einer persönlichen Herabsetzung des Betroffenen, der sozusagen an den Pranger gestellt wird. Ein solcher Fall liegt hier nicht vor, weil die Kritik an dem Programminhalt weiterhin im Vordergrund steht. Der Programminhalt als solcher ist auch von Klägerseite nicht in Abrede gestellt worden.«

Gemeint war diese Äußerung im Wortfilter-Beitrag: »Die Bauligs sind mit Sicherheit nur die Spitze des Eisbergs und ein Paradebeispiel für unseriöses, verantwortungsloses und gefährliches Coaching.«

(Quelle: Auszug aus dem Sitzungsprotokoll der Berufungsverhandlung)

Danach erklärte Rechtsanwalt Kläner: »[…] Auf die Hinweise des Senats nehme ich die Berufung im Hinblick auf folgende beanstandete Äußerungen zurück: a) Andere Experten warnen vor den zweifelhaften Praktiken von […] und Baulig mit deutlichen Worten …« sowie b) »Die Bauligs sind mit Sicherheit nur die Spitze des Eisbergs und ein Paradebeispiel für unseriöses, verantwortungsloses und gefährliches Coaching.« Zack! Damit waren die wichtigen Aussagen des Artikels in Stein gemeißelt.

Aber es wurden auch zwei Formulierungen untersagt: »Die erste Äußerung, wonach die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz von einer Täuschung der Baulig-Brüder spreche, dürfte eine falsche Tatsachenbehauptung darstellen, die nicht von der Meinungsfreiheit geschützt ist. Sie ist insoweit unzutreffend, als die Stellungnahme der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz nicht bezogen war auf ein Verhalten der beiden Kläger, sondern auf ein Verhalten des Mitarbeiters Valon Rexhaj. Es ist nicht ersichtlich, dass die Kläger persönlich das Verhalten dieses Mitarbeiters angeordnet oder geduldet Seite 2 hätten; es kann auch eine individuelle Fehlleistung des Mitarbeiters vorliegen.«

Dem stimme ich zu. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass das Verhalten eine Verfehlung des Mitarbeiters war. Es ging hier um einen Passus in der ursprünglichen Reportage, dass zunächst kein Widerrufsrecht eingeräumt worden ist.

(Quelle: Auszug aus dem Sitzungsprotokoll der Berufungsverhandlung)

»Im Hinblick auf die dritte Äußerung (… haben Andreas Baulig und sein Bruder laut Bericht mehrere 100.000 € verdient) geht der Senat von einer falschen Tatsachenbehauptung aus, insoweit dürfte ein Unterlassungsanspruch bestehen. Es ist erstinstanzlich unstreitig gewesen, dass die Verfügungskläger nicht an der Gesellschaft Alpha Empire Music GmbH des Rappers Kollegah beteiligt sind und nur Honorare im mittleren fünfstelligen Bereich erhalten haben.« Hier habe ich schlampig gearbeitet. Da gibt es auch nichts schön zu schreiben. Mein Fehler, meine Konsequenz.

Und schon waren die Bauligs in wesentlichen Punkten unterlegen

Aber es kam ja noch schöner. Das Ding mit dem Streitwert: »Darüber hinaus wird in Aussicht genommen, den Streitwert für das Berufungsverfahren auf 20.000 € festzusetzen und die landgerichtliche Wertfestsetzung entsprechend abzuändern.«

Von durch die Gegenseite angenommenen ursprünglichen 100.000 € blieben nur noch 20.000 € übrig. Das ist fast nichts.

Gestartet wie ein Tiger, gelandet wie ein Bettvorleger

Die Ankündigungen der Baulig waren großmäulig. Von einigen Veranstaltungen war zu hören, dass sie Wortfilter – bzw. meine Person – ›zerstören‹ wollen. Ob das stimmt, kann ich nicht sagen, nur die nackten Fakten sehen nach diesen Verfahren anders aus:

  • Bauligs waren in wesentlichen Punkten unterlegen!
  • Der Artikel ist nach wie vor online!
  • Wesentliche Formulierungen wurden durch die Gerichte bestätigt!
  • Ansprüche nach dem UWG (Wettbewerberstellung) bestehen nicht!
  • Die Richter bezeichnen das Coaching als ›(zweifelhaftes) Mentoring-Programm‹!

Da scheint der Plan der Baulig-Brüder – sofern sie denn einen hatten – nicht aufgegangen zu sein. Aber anstatt sich nun mit der Kritik auseinanderzusetzen und daraus zu lernen, wird es nochmal richtig skurril.

Lügen haben kurze Beine

Gestern erschien in der Wortfilter Facebook-Gruppe folgendes Posting von Andreas Baulig. Es war die Reaktion auf ein Posting auf der marksteier.bloggt-Facebookseite, welche zu Wortfilter gehört.

(Quelle: Facebook-Gruppe)

Der Plan war wohl, nach dem Löschen des Postings, ein wenig zu faken. Die Vermutung liegt nahe, dass Andreas Baulig das Posting selbst gelöscht hat, um mir dann später vorzuwerfen, ich hätte es selbst entfernt.

(Quelle: Mittlerweile gelöschter Post von Andreas Baulig)

Darauf deuten die – mittlerweile gelöschten – Postings von Baulig hin. Da hat er aber wohl die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Zum einen wurde der Ursprungspost gesichert und zum anderen lassen sich Moderatorenaktionen sicher im Gruppenbackend dokumentieren. Lügen haben kurze Beine!

(Quelle: Logdatei der Moderatoren aus der Facebook-Gruppe. Es ist zu sehen: Niemand der Mods oder Admins hat gelöscht. War es Baulig selbst?)

Die zweifelhaften Praktiken des Andreas Baulig & seiner Company

Journalistische Kritik muss erlaubt sein, gerade dann, wenn es den Anschein hat, dass Akteure zu sehr über das Ziel schießen und das eigene Reputationsmanagement eher wie ›ein unter Druck setzen‹ wirkt. Um so mehr freut es mich, dass die kritische Auseinandersetzung mit den Baulig Brüdern und deren Coaching-Programm nach wie vor erscheinen darf und dass die wesentlichen Aussagen nicht erfolgreich angegriffen werden konnten.

»Andere Experten warnen vor den zweifelhaften Praktiken von […] und Baulig mit deutlichen Worten …« und »Die Bauligs sind mit Sicherheit nur die Spitze des Eisbergs und ein Paradebeispiel für unseriöses, verantwortungsloses und gefährliches Coaching« möchte ich daher wiederholen.

Was können Indizien für unseriöse Coaches sein?

Mit Sicherheit ist es wichtig, jedes Angebot und jeden Coach differenziert zu betrachten. Jedoch scheint es eine Handvoll Merkmale zu geben, mit denen sich die meisten Coaches schmücken. Auch die Bauligs? Prüft es!

  • Die dicke Uhr scheint sichtbares Symbol für vermeintlichen Erfolg. Wohl ein Muss …
  • Das dicke Auto, zumindest bei vielen zu erkennen …
  • Emotionalisierte Ansprache anstatt Sach- und Fachthemen …
  • Kurz: Einen auf dicke Hose machen.
  • Manipulatives Marketing …
  • Wenig Fachinhalte …

Hier noch ein Lesetipp. Marcel beantwortet die Frage >Alles über nervige Coaching Werbung und wie du sie loswirst<

Was fällt euch noch ein?

Das letzte Wort!

»Die Bauligs sind mit Sicherheit nur die Spitze des Eisbergs und ein Paradebeispiel für unseriöses, verantwortungsloses und gefährliches Coaching.«

(Edit: Die Screenshots und Text sind geändert. Ich habe zwei Abmahnungen erhalten)