Nicht nur eure Kunden bewerten euch, sondern auch eure Mitarbeiter, Bewerber und Ex-Angestellte. Die Feedbacks sind öffentlich und teilweise sehr detailreich formuliert. Sie sind Bestandteil eurer öffentlichen Wahrnehmung bei zukünftigen Mitarbeitern, Lieferanten, Banken und Partnern. Daher solltet ihr auch diese Reputation immer im Auge behalten.

Wie werdet ihr bewertet?

Ihr sucht Plattformmanger, SEOs oder Marktplatzfacharbeitende? Dann seid ihr nicht alleine, denn gut ausgebildete Mitarbeitende sind Mangelware. Und was glaubt ihr, machen potenzielle Mitarbeiter? Sie schauen auf den einschlägigen Bewertungsportalen nach, wie ihr so bewertet werdet. Kommt ihr da gut weg? Dabei ist es noch nicht einmal entscheidend, dass ihr wirklich schlecht bewertet worden seid.

Kritik an kununu.de

Hier sind 10 Kriterien die für Mitarbeitende wichtig sind:

  • Weiterbildungsmöglichkeiten
  • Karrierechancen
  • Sicherheit
  • Betriebsklima
  • Homeoffice – Guter Standort
  • Unternehmenskultur
  • Freiheit – Selbstverwirklichung des Mitarbeiters
  • Kommunikation auf allen Ebenen eures Unternehmens
  • Mitteilung von Zielen
  • Work-Life-Balance
  • Urlaub & Überstundenausgleich
  • Gesellschaftliches Engagement des Unternehmens

Okay, das sind jetzt 12 geworden. Entsprechend ist es auch wichtig, dass genau diese Aspekte von aktuellen oder ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf den Bewertungsportalen erwähnt werden. Für euch als Unternehmer sollten die Kriterien aber auch eine Aufforderung sein, sie zu erfüllen und darüber zu kommunizieren. Erzählt euren Mitarbeitern was ihr tut und wie ihr im Vergleich zum Wettbewerb dasteht. Das ist wichtig.

So besser nicht!

Bewertung eines Koblenzer Beratungsunternehmen

Hier ein Beispiel wie ihr auf gar keinen Fall bewertet sein solltet Schaut euch einmal diese Bewertungen auf kununu.de an. Die letzte Bewertung ist aus dem Februar 2021. Hier bewarb sich jemand auf eine Stelle als Social Media Manager:

»Die Stellenausschreibung und Auflistung der Aufgaben war überhaupt nicht zutreffend. Im Gespräch wurde gesagt, dass die meisten dort genannten Punkte nicht zu den Aufgaben der Stelle gehören. Die tatsächlichen Aufgaben konnten allerdings auch nicht eindeutig beschrieben und benannt werden. Außerdem war der ›Personaler‹ (der eigentlich nicht in dem Bereich arbeitet, was auch sehr deutlich zu erkennen war) sehr unprofessionell. Im Gespräch fragte er nach den ›persönlichen Zielen‹ und machte nach meiner mehrmaligen Nachfrage sehr deutlich, dass eigentlich gefragt wurde, ob ich (weibliche Bewerberin) bald schwanger werden möchte. Sehr unangebracht und unangenehm.

Außerdem wird darauf hingewiesen, dass es nicht unüblich ist, dass die Chefs ihre MitarbeiterInnen vor den anderen KollegInnen anschreien und auch bei kleinen Fehlern ausrasten. Dies wurde als ›normal‹ und ›angebracht‹ verkauft, da die Chefs ja ›Genies‹ seien und man den respektlosen Umgang damit rechtfertigen könne, da es ja um viel Geld gehe. Fragwürdige Art, seine Wertschätzung für die MitarbeiterInnen zu zeigen.«

Natürlich müsst ihr nicht jede Bewertung akzeptieren. Ist sie jedoch wahr und entspricht sie den Tatsachen, dann habt ihr als Unternehmen wenig Chancen sie weg zu bekommen. Dazu sagt der Haus- und Hofanwalt aus Koblenz: »[…] wir helfen Unternehmen dabei lästige Kununu-Bewertungen entfernen zu lassen.« Es darf also vermutet werden, dass diese Bewertung über die Koblenzer Consulting-Bude authentisch ist.

Was könnt ihr als Unternehmer also machen, damit ihr nicht mit solchen negativen Bewertungen wie die Koblenzer Coaching-Firma belohnt werdet? Eigentlich ein ›no brainer‹: Seid gut zu euren Mitarbeitern und incentiviert, dass sie euch in den Arbeitgeberportalen bewerten.

Bewertungen können zu Problemen mit Banken & Lieferanten führen

In einem Verfahren vor dem Landgericht Stade und dann am OLG Celle ging es unter anderem genau um die Frage, ob Arbeitgeber Bewertungen durch Arbeitnehmer kreditgefährdend sein können und ob damit das Bewertungsportal die persönlichen Daten des Bewertenden herausgeben muss. Das OLG Celle bejahte das in seinem Beschluss (OLG Celle, 07.12.2020 – 13 W 80/20). Das bedeutet Zweierlei. Als Arbeitnehmer solltet ihr nur wahre Tatsachen bewerten und als Arbeitgeber euch wehren, wenn ihr falsche Dinge über euch lest.