Gestern erreichte mich eine Mail von einem Amazon Marketplace Händler. Er leitete eine Mail an mich weiter, die er vom Amazon Account-Betreuer erhalten hatte:

„Sehr geehrter Herr XXXXXX,

vielen Dank für das Gespräch heute Morgen. Wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu dürfen, dass Amazon im Rahmen der Erweiterung des mitteleuropäischen Versandnetzwerks Versandzentren in Polen und der Tschechischen Republik für Händler öffnen wird, die Versand durch Amazon nutzen.

Alle Umsätze werden weiterhin auf Amazon.de sein, lediglich die Lagerung eines Teils Ihres Produktportfolios wird in Polen und Tschechien stattfinden.

Heute möchten wir Sie dazu einladen, an unserem Pilotprojekt teilzunehmen. Dadurch profitieren Sie nicht nur von einem auf drei Länder verteilten Lagerbestand, sondern erhalten außerdem während der ersten 12 Monate pro Monat einen Nachlass von 0,05 EUR pro versandter zulässiger Einheit [1] auf die Gebühr für Pick & Pack (beschränkt auf die Anzahl eingegangener zulässiger Einheiten) sowie einen einmaligen Nachlass in Höhe von 4.800 EUR, wenn in den nächsten 12 Monaten 8.000 zulässige Einheiten in Ihren deutschen Bestandspool eingehen und daraus versandt werden.

Im Anhang dieser E-Mail finden Sie die Allgemeinen Geschäftsbedingungen für unser Pilotprojekt. Bitte geben Sie mir bis spätestens nächsten Mittwoch Bescheid, ob Sie teilnehmen möchten, da die Teilnehmerzahl begrenzt ist. Lesen Sie die Bedingungen bitte sorgfältig durch und antworten Sie auf diese E-Mail mit „Ich akzeptiere die Allgemeinen Geschäftsbedingungen für das Pilotprojekt“. Bitte beachten Sie, dass der englische Text der Allgemeinen Geschäftsbedingungen maßgebend ist und die deutsche Übersetzung nur als Hinweis dient. Es entstehen keine Nachteile, wenn Sie nicht teilnehmen wollen, außerdem können Sie die Teilnahme jederzeit aufkündigen.

Bei Rückfragen können Sie sich gerne an mich wenden.

Hinweis: Falls Sie sich für die Teilnahme an unserem Pilotprojekt entscheiden, werden Ihre Produkte in ganz Deutschland sowie in Polen und später im Jahr auch in der Tschechischen Republik gelagert und von dort aus versandt. Aus der Lagerung Ihres Bestands in weiteren Ländern neben dem Land Ihrer primären Marketplace-Site können sich zusätzliche umsatzsteuerrechtliche Pflichten für Ihr Unternehmen ergeben. Sie sind verantwortlich für die Einziehung und Zahlung all Ihrer Steuern, die Einreichung aller relevanten Meldungen wie Umsatzsteuer-, Intrastat- und zusammenfassenden Meldungen sowie die Ausstellung von Umsatzsteuerrechnungen/-gutschriften, soweit erforderlich. Amazon kann die Registrierung nicht für Sie vornehmen und auch keine steuerliche Beratung anbieten. Vergewissern Sie sich, dass Sie bei Seller Central Ihre EU-Umsatzsteuer-Identifikationsnummer angegeben haben, da dies eine Voraussetzung für die Teilnahme am Pilotprojekt ist.

Freundliche Grüße,

XXX XXXXXXX

New Accounts Manager

Amazon Development Center Germany GmbH | Krausenstrasse 38 | D-10117 Berlin

Tel.-Nr.: +49 30 30306X XXX | E-Mail: [email protected]

Sitz: München | Geschäftsführer: Ralf Kleber | Amtsgericht München, Registernummer: HRB 12 96 99 | USt-ID: DE 176 943 476″

Aus dieser Mail geht hervor, dass Amazon es sich einiges kosten lassen möchte, ihre FBA Händler in das benachbarte Ausland zu locken. 4.800 Euro als Einmalzahlung und die zusätzliche Rabattierung der Pick & Pack Gebühr, dürfte bei einigen Händlern wirken.

Im Vendor Bereich ist es ja schon länger üblich, die Waren nach Polen zu liefern. Und das natürlich frachtfrei. Für Hersteller ist das nicht lustig, zumal Amazon sich nicht sehr verhandlungsbereit zeigt.

Warum macht Amazon das nun? Ich denke ein Grund ist, dass hier die Vendoren und Händler als Versuchskaninchen missbraucht werden. Amazon möchte schauen, ob sich die Kosten senken lassen. Und natürlich wird das auch eine Reaktion auf die latenten Streiks sein. Klar, ganz wird Amazon nicht auf Standorte in Deutschland verzichten können und wollen. Same Day Delivery ist und bleibt ein großes Thema.

Und wie sollten sich die Händler verhalten? Naja, solange Amazon „noch höflich anfragt“ würde ich empfehlen NICHT das Angebot anzunehmen.

Wie Amazon in der Mail erwähnt, ergeben sich steuerliche Aspekte. Die geänderten AGB habe ich nicht gelesen. Aber ich vermute die beinhalten nichts wirklich Gutes für die Händler.

Die Subvention und direkte Zuwendung durch Amazon mag ja erst einmal verlockend klingen, aber unter dem Strich, dürften da die Kosten höher sein als der Nutzen!

Meine Meinung:

Amazon ist nicht Dein Freund. eBay ein bisschen. Und genau das bestätigt mir diese Mail von Amazon. Partnerschaft sieht anders aus. Denn aus der Mail wird nicht klar welchen Vorteil denn nun der Marketplace-Händler haben soll. In meinen Augen keinen. Im Gegenteil, wie sieht es denn mit den Rücklieferkosten aus dem Lager aus? Da gibt es ja eh schon jetzt einen sehr überraschenden Passus in den Amazon AGB.

Also was machen? Ablehnen! Verhandlungsmacht haben die wenigsten Vendoren und Händlern.

Stefan Grimm von restposten.de hat einmal gesagt:

„Du sollst nur drohen, wenn du einen Flugzeugträger hast“

Und da hat Stefan recht.