Die ersten Hochrechnungen sagen einen Austritt Englands aus der EU voraus. Was bedeutet das aber nun für die deutschen Onlinehändler? Laufen sie jetzt in das tiefe Tal der Tränen oder geht gerade die Sonne über dem deutschen Onlinehimmel auf?

Veränderung der Wettbewerbslandschaft

Zumindest die Onlinehändler, die wenig ins UK verkaufen und eher auf den Heimatmarkt fokussiert sind, dürfen sich freuen. Auch wenn die tatsächlichen Umstände noch nicht bekannt sind, so darf zumindest kolportiert werden, dass nach einem Austritt Großbritanniens aus der EU, der Warenimport, also der Verkauf an deutsche Konsumenten, schwieriger und teurer wird.

Und die Zahlen sprechen Bände

Zu Beginn des Jahres hatte ich ja die Verteilung ausländischer und deutscher Händler auf Amazon und eBay untersucht. Auf amazon.de sind 20.61% englische Händler aktiv, auf eBay sind es immerhin noch 19.48%.

Der deutsche Onlinehändler wird wohl nicht traurig sein

Der deutsche Onlinehändler wird wohl nicht traurig sein

Da scheint der Brexit auf den ersten Blick den deutschen Händlern in die Karten zu spielen. Aber auch auf den 2. Blick dürfte das Verlassen der EU Einfluss auf die CBT-Aktivitäten britischer Onlinehändler haben. Profiteure sind vor allem dann deutsche Onlinehändler, die selbst nur in geringem Umfang den Onlinemarkt im UK bedienen und auch keine Waren von der Insel beziehen.

Aber auch der Export wird es nicht leicht haben

Wer international handelt, kennt die Fallstricke und Herausforderungen beim Versand an Konsumenten in Drittländern. Und nichts anderes wird England dann sein. Warum versenden wir Händler so ungern in die Schweiz oder nach Norwegen? Genau, der Papierkram. Keiner hat so recht Lust drauf und auch unsere Transaktionsdienstleister beherrschen nicht immer das CBT (=Cross Border Trade) perfekt. Da werden wohl eBay und Amazon ihre Programme zur Förderung des internationalen Handelns teilweise neu schreiben. Nicht zuletzt dürften sich aber auch die rechtlichen Rahmenbedingungen ändern. Welche Belehrungen, Rechtstexte werden zukünftig gelten?

Und das Gemeine kommt zum Schluss?

Na, wer von euch betreibt sein Unternehmen mit einer englischen Limited? Wird dieses rechtliche Konstrukt überhaupt noch möglich sein? Und welche neuen steuerlichen Herausforderungen werden sich ergeben? Diese „bittere Pille“ könnte für viele Ltd.-Betreiber den Wechsel in eine andere Unternehmenform bedeuten.

Auch für eBay & PayPal wird das eine Herausforderung werden

Gerade eBay und PayPal, die viele Services nach UK ausgelagert haben, wird der wohl wahrscheinliche Brexit Folgen haben. Viele Abteilungen werden von GB aus betrieben. Und wer eBay in den letzten Monaten verfolgt hat, weiß, dass dort mal wieder eine „Umstrukturierungsrunde“ im Gange ist. Mal wieder sollten ganze Abteilungen und Verantwortungen nach England ausgelagert werden. Ob da eBay nicht umdenken wird? Zu begrüßen wäre es.

Bei Konsumenten war England beliebt

Laut einer Studie von PayPal war Großbritannien das drittbeliebteste Land in dem deutsche Konsumenten eingekauft haben. Das wird sich wohl ändern. Experten sagen eine Preissteigerung zwischen 3 und 10% voraus. Na ja, zumindest die deutschen Händler dürften über eine solche Entwicklung nicht traurig sein.