Nach der Gründerszene Kritik an dem Format >Die Höhle der Löwen<  berichtet Torsten Schreiber, Founder von Africa Greentec über seine eigenen Erlebnisse mit der Produktionsfirma.

Torsten ist ein altgedienter eBay Platin Seller gewesen, bis er 2011 sein Leben und seinen unternehmerischen Schwerpunkt radikal verlagerte. Er ist Gründer des Sustainable Start-up Africa GreenTec. Sein Unternehmen stellt Solartainer her, die in Afrika ganze Dörfer mit erneuerbarem Strom versorgen. Mit seiner Geschäftsidee hat er bereits viele Preise und viel mediale Aufmerksamkeit erreicht, z. B. in einer großen ZDF-Reportage „Die Solarstrommacher.“ Mehr als 22 Solartainer versorgen zehntausende Menschen in Afrika mit nachhaltiger Energie, sein Social Startup beschäftigt 80 Mitarbeiter in Deutschland und Afrika. Torsten selbst betreibt auch das Portal social-startups.de, welches schon seit 7 Jahren über nachhaltige Start-ups berichtet.

Torstens Kritik & Anregung

Ich war bereits vor fünf Jahren, also vor der Ausstrahlung der ersten Staffel, mit den Produzenten von Die Höhle der Löwen in engem Kontakt. Wir haben sogar bereits Dreharbeiten durchgeführt. Die soziale, ökologische Ausrichtung unserer Projekte sahen die Produzenten 2014 dann nicht für „fernsehtauglich“ an.

Mit jeder ausgestrahlten Sendung danach war mir mehr klar, dass es sich nicht um eine moderne Form von Start-up-Finanzierung handelt, sondern um eine reine Fernsehshow, bei der es nicht zuletzt um Imagepflege für die „Löwen“ geht. „Von den Gründern verlangen die Juroren stets viel Mut. Wie wäre es, statt Ausreden selbst einmal die Angst zu überwinden und sich auf unbekanntem Terrain zu bewegen?“ fragt der Autor Frank ThelenJudith WilliamsJochen Schweizer ErlebnisseRalf Dümmel FanpageGeorg Kofler und Carsten Maschmeyer.

Denn trotz der enormen Medienwirkung und der Reichweitepotenz dieser „Löwen“ setzte der Sender auf merkwürdige Start-ups, statt selbst die Chance zu nutzen, wirklich „gute Projekte“ zu suchen, die man mit den eigenen Möglichkeiten fördern könnte. Gleiches gilt auch für die Investing- Crowdfunding-Plattformen, die wie bei Höhle der Löwen den großen Trend und die dringende Notwendigkeit von Impact-Investing völlig verpassen und statt dessen lieber auf schnelle Exits und hohe Renditen setzen.

Exemplarisch der Kommentar von Georg Kofler zu #SunCrafter, der sieht „zwar den Impact, nicht jedoch den Investment-Case“. Und überhaupt: „Geschäfte in Afrika zu machen, das ist mir zu unübersichtlich.“

Hätten die Herren wirklich Ahnung, hätten sie die aktuelle Weltbank-Studie gelesen, die das Wachstumspotenzial von Solarlösungen für den globalen Süden im Bereich von vielen Terawatt sieht. Unternehmen wie SunCrafter sind daher die großen Cases von morgen. Ähnliche Unternehmen wie BBOXX haben gerade 150 Mio. € an Eigenkapital eingesammelt. Nicht im Fernsehen, sondern von den großen Energieriesen wie Shell, Total und BP und dem Mitsubishi-Konzern.

Impact ist kein kurzfristiges Investment – sondern schweißt unsere Welt zusammen. Da braucht man einen langen Atem und Mut, Teil des bevorstehenden Wandels zu sein und seine Kohle endlich mal sinnvoll einzusetzen, statt immer nur auf kurzfristige Renditen zu schielen.

Global ändert sich nicht nur aufgrund der zunehmenden sozialen Ungerechtigkeit und den Folgen des Klimawandels der Kapitalstrom. Große familyoffices beschäftigen sich intensiv mit Impact-Investing, denn die Lenkungswirkung von Geldströmen ist eine wichtige Säule im Kampf gegen den Klimawandel und die von uns verursachten Folgen, insbesondere im globalen Süden. Geld und Vermögen bedingt auch Verantwortung, liebe „Löwen“.

Sony Pictures Television & Die Höhle der Löwen täten gut daran sich hier mit dem Trend nachhaltig orientierter Unternehmen auseinanderzusetzen und diese gezielte zu fördern. Es gibt genügend Akteure im Bereich Sustainable Entrepreneurship wie den Bundesverband Social Entrepreneurship (kurz SEND e.v.), die euch gerne mit Rat und Tat zur Seite stehen!

Gute Kritik

Eine gute Kritik und ein großartiger Gedankenanstoß. Es ist nicht verwerflich, mit einer grünen und nachhaltigen Geschäftsidee Geld zu verdienen. Das widerspricht sich nicht. Im Gegenteil!

„Ich habe die E-Commerce Welt 2011 verlassen, die „Platin-Powerseller“-Tage sind lange vorbei und ich bin eigentlich auch froh“, so Torsten gegenüber Wortfilter.

Viele Geschäfts- und Handelsmodelle werden sich in den kommenden Jahren verändern, auch wegen der weiter fortschreitenden Globalisierung des Handels. Das bedeutet gerade der europäische E-Commerce wird Herausforderungen gegenüberstehen und Fragen gestellt bekommen. Auf diese müssen Antworten gefunden werden. Folgt Torsten und lest seinen Blog social-startups.de, lasst euch inspirieren und findet so eigene Ideen, wie ihr euer Business weiterentwickeln könnt.

Es kann, darf und soll also auch zurecht an Formaten Kritik geübt werden, die mit zu wenig Mut und Vision in die Zukunft blicken [wollen].