Laut einer aktuellen Analyse von Marketplace Pulse dominiert Amazon den US-amerikanischen Marktplatz-Markt 2026 weiterhin mit großem Abstand – während sich drei fundamental verschiedene Geschäftsmodelle dahinter in einem engen Wettbewerb befinden. Die Zahlen zeigen, wie unterschiedlich E-Commerce-Erfolg heute aussehen kann.
Inhaltsverzeichnis
- Amazon: 300 Milliarden Dollar – siebenmal so viel wie eBay
- eBay: Stabilität durch Fokus auf Enthusiasten und Second-Hand-Mode
- Temu: 22 Milliarden Dollar – weder Marktplatz noch Händler
- TikTok Shop: 68 Prozent Wachstum trotz politischem Chaos
- Walmart: 15 Milliarden Dollar – und Werbung wächst sechsmal schneller als der Umsatz
- Shopify: Kein Marktplatz – aber de facto die Nummer zwei im US-E-Commerce
- Die weiteren fünf: Wayfair, SHEIN, Etsy, Whatnot und Target Plus
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Amazon: 300 Milliarden Dollar – siebenmal so viel wie eBay
Amazon bleibt der unangefochtene Platzhirsch im US-Marktplatzgeschäft. Mit einem geschätzten Drittanbieter-Umsatz von 300 Milliarden USD ist der Abstand zur Konkurrenz nicht mehr aufzuholen: Das ist siebenmal so viel wie eBay und rund zwanzigmal so viel wie die nächsten Verfolger. Besonders bemerkenswert: Amazons KI-Shopping-Assistent Rufus soll 2026 allein 12 Milliarden Dollar an zusätzlichen Umsätzen generiert haben. Selbst wenn nur die Hälfte davon in den USA stattfand, wäre Rufus damit auf Platz sieben der größten US-Marktplätze – gleichauf mit SHEIN, Etsy und Whatnot. Amazon Haul umfasst bereits über eine Million Artikel unter 10 Dollar in 25 Märkten und generiert geschätzt 2 Milliarden Dollar in den USA. Amazons Experimente laufen auf dem Niveau ganzer Unternehmen.

eBay: Stabilität durch Fokus auf Enthusiasten und Second-Hand-Mode
eBay hält Platz zwei mit 39 Milliarden USD GMV – und ist nach einer Phase der Stagnation wieder gewachsen. eBay hat den direkten Wettbewerb um neue Saisonware bewusst aufgegeben und fokussiert sich stattdessen auf Enthusiasten und Pre-loved-Fashion. Die Plattform hat eine Obergrenze akzeptiert, um dafür Stabilität zu gewinnen – in einem Segment, das Amazon selbst nicht besonders anstrebt.
Temu: 22 Milliarden Dollar – weder Marktplatz noch Händler
Temu erzielte 2025 22 Milliarden USD GMV in den USA – leicht unter dem ursprünglichen Ziel von 24 Milliarden. Das Geschäftsmodell lässt sich schwer einordnen: Temu operiert auf einem Spektrum zwischen vollständigem Konsignationsgeschäft und semi-verwalteten Programmen, bei denen Verkäufer eigene Lager in den USA betreiben. Die Abschaffung der De-minimis-Regelung hat diese Entwicklung beschleunigt. Weder reiner Retailer noch reiner Marktplatz – Temu ist beides gleichzeitig.
TikTok Shop: 68 Prozent Wachstum trotz politischem Chaos
TikTok Shop erreichte 2025 15 Milliarden USD GMV in den USA – ein Plus von 68 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Plattform navigierte in dieser Zeit durch regulatorische Unsicherheiten und ungeklärte Eigentümerschaftsfragen. Content-first-Discovery ist das Alleinstellungsmerkmal: Nutzer kaufen, was sie beim Scrollen entdecken – kein gezieltes Suchen, kein Preisvergleich.
Walmart: 15 Milliarden Dollar – und Werbung wächst sechsmal schneller als der Umsatz
Walmart Marketplace kommt ebenfalls auf 15 Milliarden USD GMV – etwa 10 Prozent des gesamten E-Commerce-Geschäfts von Walmart. Die Plattform hat inzwischen über 200.000 Verkäufer. Walmarts Werbeumätze wachsen sechsmal schneller als der eigentliche Verkaufsumsatz – ein Muster, das Amazon jahrelang vorgemacht hat.
Shopify: Kein Marktplatz – aber de facto die Nummer zwei im US-E-Commerce
Shopify taucht in diesem Ranking nicht auf – es ist weder Marktplatz noch Retailer. Aber die Zahlen sind zu bedeutend, um sie zu ignorieren: Shopify kontrolliert 14 Prozent des US-E-Commerce. Das globale GMV von Shopify entspricht inzwischen 66 Prozent von Amazons Marktplatz-GMV – 2020 waren es noch 40 Prozent. Stattdessen repräsentiert Shopify die dezentralisierte Alternative: Händler besitzen ihre Storefronts, ihre Kundenbeziehungen und ihre Markenidentität.
Die weiteren fünf: Wayfair, SHEIN, Etsy, Whatnot und Target Plus
Jenseits der Top 5 haben fünf weitere Plattformen Milliarden-Marktplätze aufgebaut – jede in ihrer Nische:
- Wayfair – 10 Milliarden USD im Bereich Home & Living.
- SHEIN Marketplace – 6 Milliarden USD, entspricht 24 Prozent des US-GMV von SHEIN.
- Etsy – 6 Milliarden USD im Handmade- und Vintage-Segment.
- Whatnot – 6 Milliarden USD über Live-Auktionen.
- Target Plus – 1 Milliarde USD mit einem bewusst kuratierten Modell.





