Na, wenn das mal nicht eine Umsetzung der eBay-„MICH-Seiten“-Idee auf amazonisch ist. Während eBay die Mich-Seiten bereits 2015 abgeschaltet hat (dafür gibt es jetzt die Händlerrepublik), führt Amazon sie nun 2018 ein. Sie heißen ‚Amazon Storefront‚ und dort können sich Händler präsentieren. Verbraucher können in verschiedenen Kategorien nach den Händlerpräsenzen suchen. Allerdings sind Amazons Händlerpräsentationen umfangreicher. Begleitet wird der Start durch eine umfangreiche TV-Kampagne.

Amazon aus klein mach groß

Dieser Spot startet aktuell in der TV-Werbung. „Die Hälfte der bei Amazon verkauften Produkte kommt von kleinen und mittleren Unternehmen wie diesen“, so Amazon.

Was leisten die Amazon Storefronts?

Ihr könnt euch auf diesen eigenen Seiten mit Videos und einem eigenen Kurzporträt vorstellen. Imagewerbung also. Dazu könnt ihr euch in verschiedene Kategorien einsortieren lassen, aus denen Verbraucher auswählen können. Präsentiert werden eure Storefronts in einem rotierenden Bannerkarussell. Das Programm startet heute in Deutschland, Amerika und England. Bereits 25 Kategorien sind verfügbar, in denen mehr als tausend Händler mit über 100.000 Produkten gepusht werden. Damit dürften also auch einige unter euch sein, die diese Möglichkeit bereits wahrnehmen und für den Start von Amazon ausgewählt worden sind. Bisher steht die Möglichkeit nur eingeladenen Händlern zur Verfügung.

Was ist die mögliche Intention hinter den Storefronts?

Amazon geht auf Kuschelkurs mit Händlern und Verbrauchern. Ja, und das ist gut so, denn Verbraucher haben nicht selten kritisiert, dass sie nicht erkennen können, wer hinter dem jeweiligen Amazon-Account steckt. Händler kritisierten den Marktplatz gleichfalls, dass sie ihre Individualität nicht ausspielen können. Mit Amazon Storefronts scheint der Handelsriese nun eine smarte Lösung anzubieten.

„Wir wollen damit Unternehmertum stiften und Gründern Mut machen, ihre Produkte auch online einem größeren Publikum anzubieten“, sagte Amazon-Deutschlandchef Ralf Kleber.

Der amerikanische Handelsriese tut gut daran, den Händlern Raum zur Entfaltung zu geben. Ob sich das nun direkt auf die Sales auswirkt, darf treffend bezweifelt werden. Jedoch wird dadurch eines erreicht: Amazon wird ein Stück weit netter. Und das ist dann wohl auch die Absicht hinter der Kampagne.

Klares Bekenntnis zu den Marketplace-Händlern

„Deutsche KMUs, die ihre Produkte über Amazon Marketplace verkaufen, haben im Jahr 2017 Rekordumsätze im Export in Höhe von mehr als 2,1 Milliarden Euro erzielt. Mehr als 70 Prozent exportieren ihre Produkte bereits an Kunden in aller Welt.“

Amazons neue Initiative unterstützt das Bemühen, gerade kleinen und mittleren Händlern eine Chance zu geben, sich auf Amazon Marketplace zu positionieren. Und auch der stationäre Handel bleibt nicht auf der Strecke.

„[…] 25% des deutschen Onlinehandels werden über Amazon Marketplace getätigt. Knapp 50% davon von stationären Händlern![…]“, berichtet Stephan Tromp Stellv. Hauptgeschäftsführer beim Handelverband (HDE)

Top oder Flop?

Ist diese Kampagne nur heiße Luft oder hat sie Substanz? Die Frage ist schnell beantwortet: Well done Amazon. Damit helft ihr nicht nur den Verbrauchern die gerne auch bei erlebbaren Händlern kaufen möchten, sondern auch den Händlern die ihre Identität so nicht ganz aufgeben müssen. Und das ist wichtig.

Ich finde diese Initiative gut. Amazon geht auf Kuschelkurs und demonstriert nachhaltig, dass gerade kleine und mittlere Händler auf Amazon Marketplace einen großartigen Ort finden, ihre Ware auch anzubieten. Und diese Chance sollten auch rein stationäre Händler erkennen und wahrnehmen.