Trend Lounge : „Der Verkauf entsteht durch Content“ – TikTok-Shop aus Sicht von Mitgründer Eugen Kobert
Social Commerce ist nicht bei allen Händlern angekommen. Viele Händler überlegen, ob TikTok Shop wirklich ein relevanter Verkaufskanal ist, aber es gibt Seller, die seit Jahren erfolgreich verkaufen.
Einer dieser Händler ist Trend Lounge . Das Fashion-Unternehmen wurde von Milena Reinsdorf und Eugen Kobert gegründet und gehört zu denen, die früh auf Livestream-Commerce und TikTok-Content gesetzt haben. Produkte werden nicht nur im Shop verkauft, sondern in Videos und Livestreams feilbieten.
Wortfilter hat mit Mitgründer Eugen Kobert darüber gesprochen, wie TikTok Shop als Vertriebskanal funktioniert, welche technische Infrastruktur dahinter steckt und warum Content im Social Commerce wichtiger ist als klassische Produktlistings.
Eugen: „Wir haben schon 2023 im Livestream verkauft“
Wortfilter: Seit wann verkauft ihr über TikTok und was war der Auslöser?
Eugen Kobert: „Wir haben schon 2023 im Livestream verkauft – lange bevor TikTok Shop gestartet ist.“
Wortfilter: War TikTok von Anfang an als Verkaufskanal geplant?
Eugen Kobert: „Das ist passiert 😊“
Eugen: „Der Verkauf entsteht durch Videos“
Wortfilter: Was unterscheidet TikTok aus deiner Sicht von Amazon oder eBay?
Eugen Kobert: „Der größte Unterschied zu Plattformen wie Amazon, eBay oder klassischen Onlineshops ist aus meiner Sicht ganz klar der Content- und Entertainment-Faktor. Auf TikTok wird nicht einfach nur ein Produkt gelistet und verkauft – der Verkauf entsteht durch Videos und Livestreams.
Wir machen zum Beispiel sehr viele Livestreams, in denen wir Produkte vorstellen und direkt verkaufen. Das Format ist vom Prinzip her fast vergleichbar mit Teleshopping – nur moderner und interaktiver.
Die Zuschauer sitzen zu Hause auf dem Sofa und schauen sich den Stream an. Aber damit das funktioniert, muss man die Leute unterhalten und echten Mehrwert bieten. Ein Livestream darf nicht langweilig sein, sonst schalten die Zuschauer sofort weiter.
Viele unterschätzen das. Ein Livestream zu hosten ist deutlich mehr als nur Produkte zu zeigen – man braucht Energie, Storytelling und Unterhaltung.“
Authentischer Content schlägt perfekte Videos
Wortfilter: Der Verkauf auf TikTok ist stark contentgetrieben.
Eugen Kobert: „Der Großteil der Verkäufe entsteht über Videos, die im Feed ausgespielt werden. Interessanterweise funktionieren dabei oft nicht die perfekt produzierten Videos, sondern eher authentischer Content, der sich natürlicher anfühlt. Man muss kreativ sein und verstehen, wie man Aufmerksamkeit erzeugt.“
Wortfilter: Der entscheidende Unterschied zu klassischen Marktplätzen?
Eugen Kobert: „Dort sucht der Kunde aktiv nach einem Produkt – auf TikTok entdeckt er Produkte nebenbei durch Content.“
Technisch läuft alles über Shopify
Wortfilter: Wie ist TikTok bei euch technisch angebunden?
Eugen Kobert: „Bei uns läuft im Grunde alles zentral über Shopify. Shopify ist unser Kernsystem, dort steuern wir Produkte, Bestände und viele Prozesse.
Der TikTok Shop ist über die TikTok-Shop-App direkt mit Shopify verbunden. Darüber werden Produkte synchronisiert und Bestellungen verarbeitet. In der Anfangsphase war das System allerdings noch unausgereift. Die ersten Versionen hatten viele Kinderkrankheiten. Inzwischen hat sich das aber richtig gut verbessert.“
Infrastruktur läuft stabil – auch bei Livestream-Verkäufen
Auch bei stark nachgefragten Livestreams bleibt die Infrastruktur laut Kobert stabil. „Insgesamt läuft das System bei uns extrem stabil, auch bei Livestreams mit vielen Verkäufen gleichzeitig.“
Ein Problem könne allerdings bei sehr schnellen Abverkäufen auftreten. „Wenn während eines Livestreams mehrere Verkäufe pro Sekunde stattfinden, kann es durch einen kurzen Synchronisations-Delay zwischen TikTok Shop und Shopify passieren, dass Bestellungen noch angenommen werden, obwohl der Bestand bereits auf null steht.“ Solche Fälle seien jedoch selten.

TikTok-Käufe sind oft impulsiv
Wortfilter: Das Kaufverhalten unterscheidet sich teilweise von klassischen Shops?
Eugen Kobert: „Viele Käufe entstehen sehr impulsiv während eines Videos oder Livestreams. Wenn das Produkt gut präsentiert wird und der Content überzeugt, kaufen die Leute oft direkt.“
In besonders erfolgreichen Livestreams erreicht TrendLounge laut Kobert Conversion-Raten von bis zu 20 %. Der Host spiele dabei eine entscheidende Rolle.
Eugen Kobert: „Energie, Unterhaltung und Produktpräsentation machen einen großen Unterschied.“
Videos bringen Reichweite – Livestreams Umsatz
Trend Lounge nutzt drei Content-Formate: normale TikTok-Videos, Videos mit TikTok Shop-Einblendungen, Livestream-Shopping. Die Rollen der Formate sind klar verteilt.
Eugen Kobert: „Die größte Reichweite entsteht meistens über normale TikTok-Videos, weil der Algorithmus sie stark an neue Zielgruppen ausspielt. Die meisten Verkäufe kommen bei uns tatsächlich aus Livestreams. Für viele Händler funktionierten jedoch Videos mit Produkt-Einblendung besser. Sie sind skalierbarer und weniger aufwendig als Livestreams.“
Community statt anonymer Kunden
Wortfilter: Wie schaut das mit der Community aus?
Eugen Kobert: „Ein Nebeneffekt von Social Commerce ist die Nähe zur Community. Viele Zuschauer tauchen regelmäßig in den Streams auf. Man erkennt die Leute wieder und lernt sie mit der Zeit kennen. Einige Kunden kommen sogar persönlich vorbei. Teilweise kommen Kundinnen sogar zur Warenabholung oder zum Lager-Shopping.“
TikTok ist ein Content-Kanal
Für Händler fasst Kobert TikTok deshalb so zusammen: „TikTok ist ein Content-Kanal. Wer dort verkaufen will, muss bereit sein, regelmäßig Content zu produzieren. Und ich würde den Weg jederzeit wieder gehen. Wenn ich heute noch einmal bei null anfangen würde, würde ich sofort wieder auf TikTok Shop setzen.“
Sein Rat an Händler: Lieber jetzt anfangen als später.
Einordnung
Content kann heute eigentlich jeder machen. Und wenn nicht, hilft euch inzwischen KI dabei – mit Hooks, Themenvorschlägen, Skripten und allem drum und dran. Bevor ihr also eure Listings auf Amazon oder eBay bis ins letzte Detail totoptimiert, solltet ihr überlegen, ob ihr nicht lieber Zeit in einen guten Content-Kanal investiert.
TikTok Shop funktioniert. Und zwar nicht nur im Fashion-Bereich. Auch Autoteile, Werkzeuge oder klassische Me-too-Produkte funktionieren. Seien wir ehrlich: Viele von euch haben einfach Angst vor Content – und noch mehr Angst davor, vor der Kamera zu posen.
Nehmt euch trotzdem die Zeit. Es ist ja nicht so, dass der E-Commerce im Moment boomt, oder?





