Die eBay Trendstudie ist ja schon großartig. Ich stehe ja richtig auf Innovationen und Trends, deren Modelle in der Praxis schon angewendet werden. Eine Menge der 31 vorgestellten Fallbeispiele sind interessant und ich bin mörderisch gespannt, was sich denn tatsächlich alles durchsetzen wird.

Nicht alle Trends und Ideen lassen sich aber für den kleinen und mittleren eBay-Händler umsetzen. Daher kommentiere ich nur die Trends, die in meinen Augen jetzt schon anwendbar sind. Den kompletten Trendreport könnt ihr hier downloaden. Zunächst die eBay Pressemitteilung:

EBay stellt gemeinsam mit Trendone den „Omnichannel Trendreport“ vor.

Auch 2016 steht im Zeichen des Omnichannel-Handels: Um den Kunden ein maßgeschneidertes Einkaufserlebnis bieten zu können, werden Unternehmen ihre verschiedenen Kommunikations- und Absatzkanäle auch zukünftig immer stärker miteinander vernetzen. Der „Omnichannel Trendreport“ von Trendone für eBay beleuchtet aktuelle E-Commerce-Trends und stellt insgesamt 31 Unternehmen vor, die mit ihren Cases in den Bereichen M-Commerce, Local Commerce, Shipping & Returns, Customer Journey sowie Social Commerce einen spannenden Ausblick in die Zukunft des Handels geben. Zusätzlich zu den hier ausgewählten Cases steht der gesamte Report im eBay-Pressebereich unter presse.ebay.de bereit.

Online/Offline Convergence

Mit einem Klick das Lieblingsprodukt nachzubestellen ist durch physische Kauf-Buttons, wie etwa vom deutschen IT-Unternehmen Braintags, gar kein Problem. Der sogenannte „re-Button“ ist frei konfigurierbar und erlaubt es, sogar ganze Einkaufslisten in beliebigen Onlineshops nachzubestellen. Als Käufer über den Onlineshop den echten Laden zu besuchen – das ist beispielsweise bei Dawsons möglich, einem britischen Einzelhändler für Musikinstrumente. Online-Kunden werden per Smart Glasses mit Mitarbeitern vor Ort verbunden und live durch das Sortiment geführt. So kann man sich bequem von Zuhause aus beraten lassen und bestellen. Eine weitere wichtige Entwicklung liegt darin, Onlineshopping auch offline verfügbar zu machen – der Online-Kosmetikhändler Birchbox hat in New York sein erstes stationäres Geschäft eröffnet und bietet den Kunden auch dort eine maßgeschneiderte Lösung an. Per iPad können Kunden mithilfe einer speziellen App Angaben zu ihrem Hauttyp, ihrer Haarfarbe sowie ihrem persönlichen Stil machen und bekommen umgehend passende Produktvorschläge für ihre individuelle Birchbox geliefert.

M-Commerce

Im Bereich M-Commerce lassen sich zahlreiche Trends erkennen, die das Einkaufen über eine App, per Direktnachricht oder über eine eigene Plattform ermöglichen. Der US-Einzelhändler Nordstrom ermöglicht es seinen Kunden ab sofort, per SMS einzukaufen. Nach der Registrierung kann per Chat geshoppt werden – wer etwa den perfekten Schuh sucht, bekommt vom Verkaufspersonal passende Vorschläge per SMS. Um den Kauf abzuschießen muss nur noch mit einem individuellen Code bestätigt werden. Um das mobile Shoppingerlebnis mit dem Point of Sale zu verbinden hat sich das Kaufhaus Macy’s eine besondere Aktion zum Black Friday ausgedacht: Besucher, die am Gewinnspiel teilnehmen wollten, mussten zunächst die App downloaden und eine Filiale besuchen. Dort wurden die App-Nutzer per Beacon erkannt und erst dann für das Gewinnspiel freigeschaltet.

Local Commerce

Auch im lokalen Handel wählen einige Unternehmen einen spielerischen Ansatz, um Kunden zu gewinnen: Die Plattform Hypeist beispielsweise veranstaltet in New York Schnitzeljagden, mit denen Aufmerksamkeit für exklusive, oftmals limitierte Produkte erregt werden soll. Bilder der zu findenden Schätze werden samt Hinweisen zum Fundort auf einem dazugehörigen Instagram-Account gepostet. Das haitianische Start-up Vendedy verbindet über seine App Nutzer mit unabhängigen Straßenhändlern weltweit. So kann der Kunde, im Urlaub ebenso wie zu Hause, einzigartige Produkte finden und unkompliziert über das Smartphone bezahlen. Wer eigene Entdeckungen in die App hochlädt, kann zudem Belohnungspunkte sammeln.

Shipping & Returns

Produkte genau dorthin liefern zu lassen, wo man sich gerade aufhält – das ist mit der von DDB Brussels für den Mobilfunkprovider BASE entwickelten Anwendung „PhoneAddress“ möglich. Diese weist dem Smartphone des Nutzers eine Adresse zu, die ständig aktualisiert wird. So ist es möglich, Bestellungen an den aktuellen Aufenthaltsort liefern lassen und sogar nach der Bestellung noch mal die Location zu wechseln. Unkomplizierte Retouren, egal in welchem Onlineshop die Produkte gekauft wurden: Mithilfe des Abonnements „Return Saver“ der Clarus Marketing Group können Nutzer zu einem jährlichen Festpreis beliebig viele im Internet gekaufte Artikel innerhalb der USA zurücksenden. Nutzer müssen lediglich den Versandaufkleber von „Return Saver“ ausdrucken und das Paket in einer FedEx-Filiale oder -Station abgeben.

Customer Journey

Das Start-up Gorilly aus San Francisco verbindet auf seiner Plattform Nutzer mit den Personen, die die Produkte teilnehmender Anbieter bereits gekauft haben. Der Interessent kann so das Produkt beim sogenannten „Product Gorilly“ in seiner Nähe anschauen – wenn er es anschließend kauft, wird der „Product Gorilly“ mit einer Provision belohnt. Den Produktpreis individuell verhandeln kann man mithilfe der E-Commerce-Plattform Greentoe. Der Nutzer gibt den Wunschpreis an und Greentoe leitet das Angebot an ein Netzwerk autorisierter Händler weiter. Sobald das Angebot akzeptiert wird, kann der Händler durch die auf der Plattform hinterlegten Zahlungsdetails das Produkt direkt verschicken.

Social Commerce

Kleidung in der richtigen Konfektionsgröße und Farbe zu verschenken ist mit dem Unternehmen Loop Commerce ganz einfach. Bei Onlineshops, die den „E-gift“-Button von Loop Commerce in ihr Angebot integriert haben, kann der Nutzer ein Kleidungsstück aussuchen und bezahlen. Der Beschenkte erhält daraufhin einen Link, über den dieser die Konfektionsgröße und den Look nach seinen Wünschen definieren kann. Anschließend wird das Geschenk nach Hause geliefert. Bei der ebenfalls aus den USA stammenden Online-Plattform Yappee können Influencer Freunden ihre Lieblingsunternehmen weiterempfehlen. Davon profitieren alle: Yappee kann nach der Empfehlung auch die Freunde der Influencer über die Plattform kontaktieren und die geworbenen Freunde sowie der Influencer selbst erhalten Zugang zu exklusiven Angeboten.

Weitere Informationen sowie alle 31 Cases des Trendreports finden Sie hier: presse.ebay.de

Meine Trends für euch aus dem Report:

PHYSISCHER KAUF-BUTTON FÜR ALLE ONLINESHOPS. Als Alternative zu Amazons Dash-Button hat das deutsche IT-Unternehmen Braintags eine Lösung vorgestellt, bei der Kunden durch Drücken eines Knopfes Artikel direkt in beliebigen Onlineshops bestellen können. Für alle großen E-Commerce-Shopsysteme können Entwickler bei Braintags API-Schnittstellen hinterlegen. Über diese Schnittstellen lässt sich konfigurieren, welche Art von Bestellung durch das Drücken des Knopfes ausgelöst wird. Der „re-Button“ ist dadurch frei konfigurierbar und erlaubt es, nicht nur einzelne Produkte, sondern auch ganze Einkaufslisten per Knopfdruck nachzubestellen.

Ich frage mich schon eine ganze Zeit, wann denn endlich ein frei programmierbarer Knopf als Gegenstück zu Amazons Dash-Button kommt. Hier ist er nun. Er schreit geradezu danach, im B2B Umfeld eingesetzt zu werden. Vor allem dort, wo Verbrauchsmaterialien ständig nachbestellt werden müssen. Onlinehändler die Stammkunden mit wiederkehrenden identischen Bestellungen haben, sollten sich mit dem re-Button beschäftigen. Der Link zurAnbieterseite. Mit 15 € Kosten pro Button, sollte er auch schon massentauglich sein.

PER WEBPLATTFORM DEN ECHTEN LADEN BESUCHEN Das Unternehmen Whisbi aus Barcelona bietet einen Service an, über den sich Onlineshop-Nutzer mit einem Verkaufsassistenten aus dem entsprechenden stationären Geschäft verbinden lassen können. Hierfür drücken sie einen einzelnen Knopf auf der Seite und geben ihre Telefonnummer ein, woraufhin sie direkt von einem Verkäufer aus dem jeweiligen Geschäft kontaktiert werden. Der Verkäufer trägt hierbei eine Google Glass oder eine Epson Moverio oder nutzt die Kamera seines Android-Smartphones, um den Kunden in einem unidirektionalen Video durch den Laden zu führen. Hier präsentiert er Produkte und erklärt, welche auch online bestellt werden können.

Eine großartige Idee für alle Händler, die gleichzeitig auch ein lokales Geschäft haben oder aber ihren Kunden ein hohes Serviceniveau bieten möchten. Dieser Trend lässt sich mit ein paar Kniffs und Tricks ohne weitere Investitionen umsetzen. Hier könnte YouNow, Periscope oderYouTube’s Live-Streaming helfen.

SHOPPEN PER SMS Der US-Einzelhändler Nordstrom ermöglicht es seinen Kunden ab sofort, per SMS einzukaufen. Der unter dem Namen „TextStyle“ eingeführte Service ist in allen Filialen in den USA verfügbar. Um „TextStyle“ nutzen zu können, muss sich der Kunde bei dem mobilen, textbasierten Kundenservice „Next“ registrieren und der Option „TextStyle“ zustimmen. Erst dann können ausgewählte Artikel, dargestellt als Foto oder Produktbeschreibung, per Sofortnachricht eingekauft werden. Die vom Verkaufspersonal ebenfalls per SMS empfohlenen Produkte können unter Angabe des Schlagworts „kaufen“ erworben werden. Bestätigt wird der Einkauf mit einem individuellen Code.

Warum denn nicht? Auch diese Idee lässt sich nahezu kostenlos für jeden Onlinehändler umsetzen. Bereits registrierten Kunden kann man eine Mobilnummer zur Kommunikation per SMS oder WhatsApp zur Verfügung stellen. Und schon steht der Service und es kann über WhatsApp oder SMS verkauft oder kommuniziert werden. Viele Newsletterprogramme bieten auch SMS an. Ich halte es für falsch, so etwas nicht auch einmal mit einem kleinen, ausgewählten Kundenkreis auszuprobieren.

INVENTAR ONLINE EINSEHEN Der japanische Sportartikelhersteller Mizuno hat angekündigt, auf dem US-Markt zukünftig eine Lösung von Shopatron einzusetzen, um Kunden Sportartikel bei lokalen Anbietern finden zu lassen. Shopatrons „Finderbot“-Technologie sendet dabei in Echtzeit Anfragen an jene Einzelhändler, die ihr Inventar nicht online bereitstellen, und verbindet deren Antworten mit den Inventardaten der restlichen Läden, die Mizuno-Artikel führen. Nutzer finden so innerhalb von 20 Sekunden das gewünschte Produkt und können es noch am selben Tag im Laden abholen.

Für Onlinehändler könnte das eine grandiose Idee sein, wenn Hersteller einen solchen Service über ihre Onlinepräsenzen anbieten würden. Denkbar wäre das für eine Vielzahl von Fachhändlern. Aber leider wird es wohl so sein, dass sich dieser Trend hier in Deutschland nur sehr schwer durchsetzen wird. Schade dass unsere deutsche Industrie so lahmarschig ist!

PER APP PRODUKTANGEBOTE VON STRASSENHÄNDLERN FINDEN Das haitianische Start-up Vendedy verbindet über seine Smartphone-Applikation Nutzer mit unabhängigen Straßenhändlern weltweit. Die teilnehmenden Verkäufer sollen auf diese Weise eine größere Reichweite und Zugriff auf eine größere Anzahl von Kunden erhalten. Die Kunden wiederum bekommen die Möglichkeit, im Urlaub oder zu Hause einzigartige Produkte zu finden und die Zahlung bequem per Smartphone zu tätigen. Dafür durchsuchen sie den Katalog nach interessanten Produkten an bestimmten Orten und erhalten Belohnungspunkte, wenn sie Fotos von ihren eigenen Entdeckungen auf der Straße in die App hochladen.

Hört sich nicht nur geil an, sondern ist es auch. Diese Plattform mit App ist eine grandiose Lösung für Händler, die auch ab und an mal Trödelmärkte besuchen. Ob sich diese App bei den Konsumenten durchsetzen wird bleibt abzuwarten. Hier in Europa habe ich so meine Zweifel. Aber eine Möglichkeit wäre der Einsatz und die Bewerbung für bestimmte Events.

ONLINE-EINKAUF IN KIEZLÄDEN Das Projekt „Kiezkaufhaus“ ist eine Initiative für den lokalen Einzelhandel in Wiesbaden, die von der Digitalagentur Scholz & Volkmer initiiert wurde. Über eine Plattform haben Kiezläden die Möglichkeit, ihr frisches Warenangebot online zu präsentieren und zu verkaufen. Bestellt der Kunde vor 14 Uhr, wird die Ware noch am selben Tag von Fahrradkurieren nach Hause geliefert. Die Plattform bietet darüber hinaus ein besonderes Online-Einkaufserlebnis. Die bildbasierte Inszenierung der Waren erweckt den Eindruck, man stünde tatsächlich direkt vor dem Regal des jeweiligen Ladens.

Ein ähnlicher Service wird auch von Edeka angeboten. Natürlich ist es für jeden Händler mit oder ohne stationären Geschäft möglich, in seinem Nahbereich einen solchen Service anzubieten. Die etwas Älteren unter uns erinnern sich vielleicht noch daran, dass solche Services gerade in kleinen Ortschaften üblich waren. Super fände ich es allerdings auch, wenn große Plattformen, wie zum Beispiel eBay, eine solche Möglichkeit der Lieferung anbieten würden.

PREISE VON LOKALEN HÄNDLERN PER APP VERGLEICHEN Mit der App „Grsp“ können beim Shoppen Ladenpreise schnell mit den Angeboten anderer Händler in der Umgebung verglichen werden. Via Text- und Spracheingabe oder durch das Abfotografieren des Artikels oder Barcodes können Suchanfragen aufgegeben werden, woraufhin eine Karte mit den Angeboten aus der näheren Umgebung erscheint. Zusätzlich können die Nutzer Artikel speichern und Freunde oder andere „Grsp“-Nutzer um ihre Meinung zu bestimmten Produktangeboten bitten. Die Gefragten können die etwa als Geburtstags- oder Weihnachtsgeschenke vorgeschlagenen Artikel per Daumenwisch bewerten und dabei automatisch selbst neue Produkte entdecken.

Ich glaube nicht, dass diese App an und für sich erfolgreich sein wird. Allerdings ist die Funktionalität großartig. Diese ließe sich zum Beispiel sehr gut in Angebote lokaler Plattformen integrieren.

PRODUKTE VOR DEM ONLINE-KAUF ERLEBEN Die vom in San Francisco ansässigen Start-up Gorilly lancierte Plattform verbindet Nutzer mit Personen, die Produkte teilnehmender Anbieter bereits erstanden haben, damit die Nutzer das jeweilige Produkt noch vor dem Kauf persönlich sehen können. Interessierte finden auf der jeweiligen Produktseite einen „Product Gorilly“ in ihrer Umgebung, den sie kontaktieren können. Beim Treffen erhält der Nutzer einen Code, den er direkt auf der Webseite des jeweiligen Herstellers eingibt, wenn er sich für den Kauf entschieden hat. Der „Product Gorilly“ wird daraufhin mit einer Provision belohnt

Das ist mal das Thema Produktrezensionen weitergedacht. Gerade Händler von Markensortimenten könnten durchaus einen solchen Service für sich nutzbar machen. Entweder als standalone oder aber es findet sich eine große Plattformen, die diese Idee umsetzt.

In dem Trendreport werden noch eine Vielzahl an Trends, die ich nicht kommentiert habe, vorgestellt. D. h. nicht, dass diese uninteressant sind, ganz im Gegenteil, nur sind sie in meinen Augen nicht sofort für einen Onlinehändler nutzbar. Spannend finde ich, dass sich sehr viele Trends rund um den Connected-Commerce entwickeln. Ich bin gespannt, wie diese von den Konsumenten angenommen werden.

Und? Könnt ihr euch vorstellen, etwas davon umzusetzen?