Der deutsche Onlinehandel hat das erste Quartal 2026 mit einem Umsatzwachstum von 3,6 Prozent abgeschlossen. Das geht aus der aktuellen Verbraucherbefragung des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel Deutschland (bevh) hervor, die heute veröffentlicht wurde. Der Gesamtumsatz mit Waren im E-Commerce lag im ersten Quartal bei rund 20,4 Milliarden Euro – verglichen mit 19,7 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Der Verband sieht die Entwicklung positiv, warnt jedoch gleichzeitig eindringlich vor den möglichen Folgen einer Mehrwertsteuererhöhung.

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Langer Erholungstrend setzt sich fort

Die Umsatzdaten der bevh-Verbraucherbefragung für das erste Quartal, in denen der Krieg im Nahen Osten und die verschärfte Energiekrise berücksichtigt sind, zeigen ein insgesamt stabiles Ausgabenwachstum von 3,6 Prozent auf rund 20,4 Mrd. Euro im Vergleich zum Vorjahresquartal (alle Angaben inkl. USt., nicht inflationsbereinigt).

Die nachstehende Grafik zeigt die Entwicklung im historischen Vergleich besonders deutlich: Im ersten Quartal 2023 lag das Wachstum noch bei minus 15,0 Prozent, im zweiten Quartal 2023 bei minus 12,2 Prozent, im dritten Quartal 2023 bei minus 13,9 Prozent. Seitdem hat der Markt kontinuierlich aufgeholt. Ab dem zweiten Quartal 2024 kehrte das Wachstum in den positiven Bereich zurück. Seit dem ersten Quartal 2025 bewegen sich die Wachstumsraten stabil zwischen 2,1 und 3,8 Prozent. Das erste Quartal 2026 reiht sich mit 3,6 Prozent in diesen Korridor ein.

Umsatzveränderungen nach Quartalen – Onlinehandel Deutschland Q1 2023 bis Q1 2026, Quelle: bevh/BEYONDATA
Umsatzveränderungen nach Quartalen (Quelle: bevh/BEYONDATA )

Verband warnt: Mehrwertsteuererhöhung gefährdet Erholung

„Die krisenbedingt nachlassende Konsumlaune konnte den Onlinehandel bisher nicht herunterreißen. Das kann jedoch der Bundesregierung gelingen“, warnt Christoph Wenk-Fischer, Hauptgeschäftsführer des bevh. Explodierende Energiepreise, aggressive und oft unfaire Wettbewerber aus Drittstaaten sowie Abhängigkeit von US-amerikanischen Tech-Unternehmen würden die Branche bereits belasten. Den Unternehmen fehle der Spielraum, weitere Belastungen aufzufangen.

„Weniger Subventionen verbunden mit Bürokratieabbau wären die sinnvolle Alternative und ein Signal für Verantwortungsbewusstsein und Staatsmodernisierung“, so Wenk-Fischer weiter. Das derzeit stabile, aber vorsichtige Wachstum sei bei den in Regierungskreisen diskutierten Plänen zur Mehrwertsteuererhöhung in höchster Gefahr.

Lebensmittel und Drogerie: Stärkste Zuwächse

Der Einkauf von Waren des täglichen Bedarfs verlagert sich strukturell weiter in den Onlinehandel. Umsätze mit Lebensmitteln (+12,3 Prozent) und Drogerieartikeln inkl. Kosmetik (+10,1 Prozent) machten im ersten Quartal einen deutlichen Sprung im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Online-Apotheken konnten das kräftigste Umsatzwachstum mit Medikamenten (+9,8 Prozent) seit Einführung des E-Rezepts verbuchen.

„Versandapotheken werden zur Infrastruktur eines digitalen Gesundheitswesens mit eigenen Gesundheitsdienstleistungen und neuen Wegen für eine effizientere medizinische Versorgung. Das bringt die Anbieter in eine einzigartige Wachstumsstellung innerhalb des Onlinehandels“, erklärt Wenk-Fischer.

Ungewöhnlich früh blüht dieses Jahr das Warencluster Freizeit auf: Hobby & Freizeitartikel verzeichneten ein Umsatzwachstum von 6,2 Prozent, Baumarktartikel und Blumen von 5,0 Prozent. Für Stabilität sorgte auch der Modehandel, der bei Bekleidung um 3,6 Prozent und bei Schuhen um 3,7 Prozent zulegte. Schlusslicht waren Unterhaltungsmedien: Bücher, E-Books und Hörbücher stagnierten bei 0,2 Prozent.

Marktplätze wachsen am stärksten

Onlineshops (Pureplayer), die im Weihnachtsgeschäft noch starke Ergebnisse lieferten, kamen zu Jahresbeginn nur auf ein Plus von 0,6 Prozent. Etwas aufholen konnten hingegen die Onlineverkäufe stationärer Händler (Multichannel) mit einem Umsatzplus von 3,9 Prozent. Am stärksten wuchsen auch in diesem Quartal die Umsätze auf Online-Marktplätzen: 5,2 Prozent.

Das bedeutet für Onlinehändler konkret: Wer ausschließlich auf den eigenen Shop setzt, wächst derzeit deutlich langsamer als der Markt. Der Kanal Marktplatz ist das Wachstumssegment – ob das dauerhaft so bleibt, hängt auch davon ab, wie sich die Plattformgebühren und der Wettbewerbsdruck durch asiatische Anbieter weiterentwickeln.

Temu, Shein, AliExpress: Wachstum verlangsamt sich – aber bleibt massiv

Die drei größten Plattformen chinesischer Herkunft kamen in den ersten drei Monaten dieses Jahres auf ein Umsatzplus von 12,9 Prozent. Das ist deutlich weniger als im Vergleichszeitraum ein Jahr zuvor (+33,9 Prozent). Temu, Shein und AliExpress wachsen in Deutschland aber noch immer viermal so schnell wie der gesamte Onlinehandel.

Mit einem Gesamtumsatz von 990 Mio. Euro im ersten Quartal konnten die drei Plattformen ihren gemeinsamen Marktanteil am Gesamtumsatz des Onlinehandels von 4,5 Prozent im Vorjahr auf aktuell 4,9 Prozent ausbauen. Fast jeder zwanzigste Euro im deutschen Onlinehandel fließt bereits zu diesen drei Anbietern.

Umsatzentwicklung nach Segmenten – Q1 2026 vs. Q1 2025

(alle Angaben in Mio. Euro, inkl. USt.; Quelle: bevh/BEYONDATA )

KategorieQ1/2025 (Mio. €)Q1/2026 (Mio. €)Veränderung
Bekleidung3.4493.573+3,6 %
Haus- & Heimtextilien465474+2,0 %
Schuhe918953+3,7 %
Bücher / E-Books / Hörbücher797798+0,2 %
Bild- & Tonträger / Downloads831837+0,8 %
Elektronikartikel & Telekommunikation2.7332.784+1,9 %
Computer / Zubehör / Spiele / Software1.6761.698+1,3 %
Hobby & Freizeitartikel780828+6,2 %
DIY & Blumen706742+5,0 %
Möbel, Lampen & Dekoration1.4121.459+3,4 %
Haushaltswaren & -geräte1.7021.731+1,7 %
Drogerie874962+10,1 %
Lebensmittel9691.088+12,3 %
Schmuck & Uhren224228+1,5 %
Auto & Motorrad / Zubehör315323+2,5 %
Spielwaren374383+2,4 %
Bürobedarf220224+1,8 %
Medikamente423465+9,8 %
Tierbedarf558572+2,5 %
Sonstiges244252+3,2 %
Waren im E-Commerce gesamt19.67120.374+3,6 %
Waren & Dienstleistungen gesamt22.80823.672+3,8 %
Digitale Dienstleistungen2.8283.020+6,8 %

Umsatzentwicklung nach Versendern – Q1 2026

(alle Angaben in Mio. Euro, inkl. USt.; Quelle: bevh/BEYONDATA )

VersendertypQ1/2025 (Mio. €)Q1/2026 (Mio. €)Veränderung
Multichannel-Versender (MCV)2.4302.525+3,9 %
Online-Handel Pureplayer u. a. (IPP, APV, SHC)5.6335.666+0,6 %
Online-Marktplätze (OMP)10.87611.441+5,2 %
Herstellerversender (HEV)595600+0,8 %
Teleshopping (TVS)108124+14,6 %
Nicht zuzuordnen2918−37,7 %

Zur Methodik

In der wöchentlichen Verbraucherbefragung „Interaktiver Handel in Deutschland“ werden von Januar bis Dezember insgesamt 40.000 Privatpersonen aus Deutschland im Alter ab 14 Jahren zu ihrem Ausgabeverhalten im Online- und Versandhandel befragt. Die heute vorgestellten Zahlen basieren auf der Auswertung des Zeitraums vom 1. Januar bis 31. März 2026. Die Studie wird durch die BEYONDATA GmbH durchgeführt. Die vollständige Pressemitteilung des bevh ist unter bevh.org abrufbar.

Einordnung

Die Zahlen zeigen ein Bild, das sich seit Mitte 2024 stabilisiert hat: Der Onlinehandel wächst moderat, die Erholung nach dem Einbruch 2023 hält an. Die größten Wachstumstreiber sind nicht mehr klassische Produktkategorien wie Elektronik oder Mode, sondern Alltagsgüter – Lebensmittel, Drogerie, Medikamente. Das ist eine strukturelle Verschiebung, keine kurzfristige Delle.

Die Warnung des bevh vor einer Mehrwertsteuererhöhung trifft einen realen Punkt: Bei Gewinnmargen im Onlinehandel, die ohnehin unter Druck stehen – durch Plattformgebühren, Rücksendekosten, asiatische Konkurrenz – gibt es wenig Spielraum für weitere Belastungen. Ob die Bundesregierung diesen Spielraum trotzdem nutzt, entscheidet sich in den kommenden Wochen.

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