Spanische und französische Behörden haben im Januar und Februar 2026 die nach eigenen Angaben bislang größte Parfüm-Fälscherfabrik Europas zerschlagen. Über 1,2 Millionen gefälschte Parfüms im Wert von mehr als 94 Millionen Euro wurden beschlagnahmt – ein Fall, der zeigt, wie professionell und industriell Markenpiraterie bei Parfüm-Fälschungen heute funktioniert.
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Koordinierte Razzien und unterirdische Anlagen
Beamte der spanischen Steuerbehörde Agència Tributària, der katalonischen Polizei Mossos d’Esquadra und des französischen Zolls haben in mehreren koordinierten Razzien in der Region Katalonien eine unterirdische Produktionsanlage für gefälschte Luxusparfüms ausgehoben. Die Ermittlungen begannen im Oktober 2025, nachdem der französische Zoll rund 2.600 gefälschte Parfümflaschen in Kartons mit der Aufschrift „très fragile“ abgefangen hatte – versendet mutmaßlich aus der Region Girona in Nordspanien.
Ende Januar 2026 wurden bei der Kontrolle von drei Transportern mit rumänischen Kennzeichen weitere 6.955 Plagiate sichergestellt. Die Spur führte in zwei miteinander verbundene Lagerhallen im Raum La Selva – und dort wartete eine Überraschung: keine bloßen Warenlager, sondern eine vollständige Untergrundfabrik.
Industrielle Fälschungsproduktion: 4 Millionen Flaschen pro Jahr
Die Anlage in den zwei verbundenen Gebäuden verfügte über sieben Produktionslinien mit einer geschätzten Kapazität von mehr als vier Millionen Flaschen pro Jahr. Die Fahnder stellten sicher:
- 7 Abfüllmaschinen, 3 Verschließmaschinen, Verpackungs- und Druckbereich
- Druckplatten und Logos von mehr als 50 Luxusmarken
- 150.000 Liter Rohmaterial für die Parfümproduktion
- Flaschen, Verschlüsse, Sprühköpfe, Kartons, Etiketten
- Elektronische Alarmgeräte und Preisschilder
In einem angrenzenden Ausstellungsraum waren Plagiate von mehr als 50 verschiedenen Luxusmarken ausgestellt – quasi ein Showroom für Fälschungen. Ein weiteres Lager in Girona enthielt allein 872.850 fertige Parfümflaschen sowie 119 Tanks à 1.000 Liter denaturierten Alkohol.
Verteilzentrum für ganz Europa
Anfang Februar folgten weitere Razzien. Polizeibeamte kontrollierten drei Lastwagen, fanden rund 10.000 gefälschte Parfümflakons und stießen auf ein Lagerhaus in Arbúcies, das als internationales Verteilzentrum diente. Dort wurden knapp 350.000 weitere Plagiate sowie umfangreiches Logistik-, Verpackungs- und Etikettierungsmaterial beschlagnahmt.
Insgesamt wurden sieben Personen festgenommen, gegen elf weitere wird wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Organisation, Schmuggel und Verstößen gegen gewerbliche Schutzrechte ermittelt. Die Ermittlungen dauern an, weitere Festnahmen sind laut Behörden nicht ausgeschlossen.
Kein Kavaliersdelikt
Die Fälschungen, die in solchen Fabriken produziert werden, landen nicht nur im Straßenhandel – sie finden ihren Weg auch auf Marktplätze wie Amazon, eBay oder Kaufland. Qualitativ können sie täuschend echt wirken, Verpackung und Flakon professionell produziert. Wer als Händler ungeprüft bei dubiosen Großhändlern einkauft, riskiert nicht nur Abmahnungen und Markenrechtsklagen, sondern im schlimmsten Fall auch strafrechtliche Konsequenzen.
Konkrete Empfehlungen für Händler:
- Lieferkette prüfen: Bezieht ihr Parfüms nur von autorisierten Distributoren oder direkt vom Hersteller.
- Misstrauen bei Kampfpreisen: Angebote deutlich unter dem Marktpreis sind ein Warnsignal.
- Echtheitszertifikate anfordern: Besonders bei Luxusmarken sollten Händler entsprechende Nachweise einfordern und archivieren.
- Zolldatenbank nutzen: Der europäische Zoll bietet Händlern Möglichkeiten, Schutzrechte anzumelden und so aktiv gegen Fälschungen vorzugehen.
94 Millionen Euro – und das ist nur einer von vielen Fällen
Der Fall aus Katalonien ist spektakulär, aber kein Einzelfall. Die EU-Behörden ziehen Jahr für Jahr über 100 Millionen Fälschungen aus dem Verkehr – Parfüms und Kosmetik gehören dabei regelmäßig zu den meistbeschlagnahmten Kategorien. Solange die Nachfrage nach Luxusprodukten zu Schnäppchenpreisen bleibt, bleibt auch der Anreiz für kriminelle Netzwerke.





