Mobile Barrieren im Alltag: Warum fast zwei Drittel der Deutschen auf dem Smartphone scheitern – und was Händler daraus lernen müssen

Eine aktuelle Umfrage des Accessibility-Spezialisten AccessiWay in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsunternehmen Civey zeichnet ein ernüchterndes Bild der mobilen Nutzung digitaler Angebote in Deutschland.

Knapp 64,3 Prozent aller Smartphone-Nutzer stoßen demnach regelmäßig auf digitale Barrieren – beim Online-Shopping, in Apps oder auf Behördenportalen. Mobile Nutzung ist Alltag, aber für viele läuft es nicht reibungslos.

Bemerkenswert: Die Probleme betreffen nicht nur ältere Menschen oder Nutzer mit Einschränkungen. Selbst unter den sogenannten Digital Natives zwischen 18 und 29 Jahren berichten rund 60 Prozent von Schwierigkeiten bei der mobilen Nutzung.

Fasse den Artikel im Bullet-Stil zusammen.


Werbung, Layout und Mini-Buttons als größte Hürden

Die häufigsten Barrieren sind hausgemachte Designfehler:

  • Schwer schließbare Werbefenster und Pop-ups: 39,4 Prozent
  • Überladene, unübersichtliche Layouts: 21,2 Prozent
  • Zu kleine Buttons und Bedienelemente: 19,5 Prozent
  • Schlecht lesbare Schriftgrößen: 17,3 Prozent

Kurz gesagt: Viele mobile Seiten sind technisch erreichbar, aber praktisch schlecht nutzbar.

Für Unternehmen ist das kein UX-Problem, sondern ein fetter Umsatzfaktor. Jeder abgebrochene Kaufprozess auf dem Smartphone bedeutet verlorene Conversion. Hinzu kommt eine neue rechtliche Dimension: Seit Juni 2025 verpflichtet das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz Unternehmen, digitale Angebote barrierefrei zu gestalten – bei Verstößen drohen Bußgelder von bis zu 100.000 Euro. Eine eigene Marktüberwachungsstelle der Länder steht bereits in den Startlöchern.


Mobile Probleme ziehen sich durch alle Altersgruppen

Die Detailauswertung der Umfrage zeigt, wie flächendeckend das Thema ist:

  • Über 65-Jährige: 68,2 Prozent berichten von Barrieren
  • Studierende: 65,2 Prozent
  • 18–29-Jährige: 59,8 Prozent
  • 30–39-Jährige: selbst hier noch 43,7 Prozent

Während jüngere Nutzer besonders unter überladenen Layouts und fehlender mobiler Optimierung leiden, kämpfen ältere Menschen zusätzlich mit zu kleinen Schriften und Buttons.

Das Fazit der Studienautoren ist klar: Mobile Barrierefreiheit ist kein Nischenthema, sondern ein zentraler Qualitätsfaktor digitaler Angebote.

Faktenbox: Mobile-Simulatoren – was das ist und wofür Händler sie brauchen

Mobile-Simulatoren helfen dir am Desktop zu prüfen, wie dein Shop oder deine Angebote auf Smartphones und Tablets aussehen und bedienbar sind. Sie simulieren typische Bildschirmgrößen, Viewport, Rotation und teilweise Touch-Interaktionen. Für Händler sind sie der schnellste Reality-Check: Am Laptop sieht oft alles gut aus – mobil scheitern Kunden an Layout, Pop-ups, Buttons und Schriftgrößen.

Kostenlose Tools & Plugins (praxisbewährt)
  • Chrome DevTools (Device Toolbar) – im Browser integriert, ideal für Layout-/Viewport-Checks, Rotation, Netzwerk-Drosselung. Validierung: sehr zuverlässig für Darstellung/Breakpoints, ersetzt aber kein echtes Gerät.
  • Firefox „Responsive Design Mode“ – ebenfalls integriert, schnelle Größenwechsel, Touch-Simulation, gutes Debugging. Validierung: stark für Responsive-Tests, Hardware-Realität bleibt begrenzt.
  • Window Resizer (Chrome-Extension) – klickbarer Wechsel zwischen Auflösungen. Validierung: gut als Schnelltest für Breakpoints, keine echte Touch-/Gerätesimulation.
  • Mobile Simulator – Responsive Testing Tool (Chrome-Extension) – Geräte-Profile in separater Ansicht. Validierung: gut für schnelle Sichtprüfung, keine Performance-/Safari-iOS-Realität.
  • LT Browser (Basis kostenlos) – komfortabler Side-by-Side-Responsive-Check. Validierung: präziser als einfache Resizer, echte Geräte/Browser-Farmen meist nur in Pro-Versionen.
Wofür reicht ein Simulator?
  • Lesbarkeit (Schriftgrößen, Bildtexte)
  • Buttons/Bedienflächen
  • Pop-ups & Cookie-Banner
  • Checkout-Flow (Sichtprüfung)
  • Breakpoints & Darstellungsfehler
Wofür reicht er nicht?
  • echtes iOS-Safari-Verhalten
  • Performance auf schwacher Hardware
  • reales Touch-Feeling (Scroll/Zoom)
  • Browser-spezifische Rendering-Bugs
Praxis-Regel: Simulator ist Pflicht – aber mindestens einmal pro Woche zusätzlich auf einem echten Smartphone prüfen (Startseite, Kategorie, Produktseite, Warenkorb, Checkout).

Die Einordnung für Händler: Das eigentliche Problem sitzt vor dem Laptop

So eindrucksvoll die Zahlen sind – die wichtigste Erkenntnis für den Handel ist erstaunlich banal:

Die meisten Händler arbeiten täglich am PC oder Laptop.
Sie pflegen dort ihre Produkte.
Sie prüfen dort ihre Angebote.
Sie bewerten dort ihre Shops.

Und genau dort sehen die meisten Seiten auch ordentlich aus.

Wenn auf dem Desktop alles gut wirkt, entsteht schnell der Eindruck: „Passt schon.“

Tut es oft nicht.

Ich habe das zuletzt sehr deutlich bei einem Händler für Schlafzubehör gesehen: Auf dem Rechner wirkten die Produktbilder sauber und professionell. Auf dem Smartphone waren die in die Bilder eingebauten Texte praktisch unlesbar. Wichtige Informationen gingen komplett verloren.

Selbst hier auf wortfilter.de passiert es regelmäßig, dass Bilder ohne Vergrößerungsfunktion eingebunden werden – mobil sind Details dann kaum zu erkennen.

Das ist kein Einzelfall. Das ist Alltag.


fehlerhafte mobile Optimierung
Quelle: https://ebay.us/m/9CyFT0 | Schriften in den Bildern zu klein

Wir vergessen das Offensichtliche – seit fast 20 Jahren

Das erste iPhone kam 2007 auf den Markt.
Wir schreiben 2026.

Und trotzdem verhalten sich viele von uns immer noch so, als wäre Mobile nur ein Nebenschauplatz.

Die Realität ist längst umgekehrt: Für viele Kunden ist das Smartphone der wichtigste Zugang zu Shops, Services und Informationen.

Trotzdem prüfen Händler ihre Angebote überwiegend aus der Desktop-Perspektive.

Nicht aus Ignoranz – sondern aus Gewohnheit.

Und ja: aus Trägheit.

Das gilt für fast alle von uns.


Was das konkret bedeutet

Die Umfrage zeigt nicht nur ein gesellschaftliches Problem, sondern einen sehr praktischen Hebel für Händler:

  • mobile Produktbilder prüfen
  • Schriftgrößen testen
  • Buttons wirklich mit dem Daumen bedienen
  • Pop-ups auf kleinen Screens erleben
  • Checkout mobil selbst durchspielen

Nicht einmal. Regelmäßig.

Denn zwischen „mobil erreichbar“ und „mobil nutzbar“ liegt ein gewaltiger Unterschied.


Fazit

Fast zwei Drittel der Deutschen kämpfen täglich mit mobilen Barrieren – quer durch alle Altersgruppen. Werbung, schlechtes Layout und mangelnde Optimierung machen digitale Angebote unnötig kompliziert.

Für Händler ist die wichtigste Lehre dabei überraschend simpel:
Was am Laptop gut aussieht, ist auf dem Smartphone oft unbrauchbar.

Wer seine Angebote nicht konsequent mobil testet, verschenkt Umsatz, verärgert Kunden und riskiert künftig sogar rechtliche Probleme.

Eigentlich ist es beschämend, dass wir das im Jahr 2026 immer noch lernen müssen.

Aber genau deshalb ist es so relevant.


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