Der Secondhand-Marktplatz Vinted hat am 9. April 2026 seine Jahreszahlen für 2025 vorgelegt: Historisches Umsatzwachstum trifft auf einen bewusst in Kauf genommenen Gewinnrückgang. Mit einem Umsatz von 1,1 Milliarden Euro hat Vinted erstmals die Milliardenschwelle geknackt, zahlt dafür aber einen Preis. Investitionen in den deutschen Markt, neue Produktkategorien und der Einstieg in die USA hinterlassen Spuren in der Bilanz.
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Die Zahlen im Überblick
Laut der offiziellen Pressemitteilung von Vinted vom 9. April 2026 sehen die Eckdaten für das Geschäftsjahr 2025 wie folgt aus:
- Umsatz: 1,1 Milliarden Euro (+38 % gegenüber 2024: 813 Mio. €)
- Gross Merchandise Value (GMV): 10,8 Milliarden Euro (+47 % gegenüber 2024: 7,3 Mrd. €)
- Bereinigtes EBITDA: 151 Millionen Euro (-5 % gegenüber 2024: 159 Mio. €)
- Nettogewinn: 62 Millionen Euro (-19 % gegenüber 2024: 77 Mio. €)
- Free Cashflow: 137 Millionen Euro (+36 % gegenüber 2024)
Das Umsatzwachstum ist beeindruckend. Vinted erklärt den Rückgang: Investitionen in den deutschen Markt, die Ausweitung der Produktkategorien sowie der geografische Ausbau via Vinted Go nach Spanien und Portugal seien die wesentlichen Kostentreiber.
Deutschland im Fokus: Das ist teuer
Deutschland steht explizit im Mittelpunkt der Investitionsstrategie. Laut Unternehmensangaben hat Vinted 2025 seinen Turnaround auf dem deutschen Markt vollzogen – durch ein verbessertes Nutzerangebot und gezielte Marketingausgaben. Das hat funktioniert: Deutschland ist inzwischen nach Frankreich und Großbritannien der drittgrößte Markt. Teuer war es trotzdem. Günstigere Lieferoptionen für deutsche Nutzer wurden gezielt subventioniert, was unmittelbar auf den Gewinn drückte.
CEO Thomas Plantenga formuliert die Strategie: „Wenn wir Second-Hand zur ersten Wahl machen wollen, müssen wir die kosteneffizienteste und zuverlässigste Option sein.“ Die Logik dahinter: Niedrigere Kosten machen auch günstige Artikel handelbar – und erweitern so den gesamten adressierbaren Markt.
Neue Kategorien treiben den GMV
Der GMV-Sprung auf 10,8 Milliarden Euro (+47 %) lässt sich zu einem erheblichen Teil auf die Erweiterung des Produktportfolios zurückführen. Was 2024 mit Elektronik begann, wurde 2025 konsequent weitergeführt: Sportartikel, Sammlerstücke, Haushaltswaren – Vinted entwickelt sich von der Modeplattform zum Generalisten für gebrauchte Konsumgüter. Das Kerngeschäft Mode – vor allem Damen- und Kinderkleidung – blieb dabei laut Vinted weiterhin stark. eBay ich hör dir trapsen.
Geografische Expansion: Europa und der erste US-Test
2025 war auch ein Jahr der geografischen Ausweitung: Vinted startete in Lettland, Estland und Slowenien und ist nun in 26 europäischen Ländern aktiv. Der größte Schritt folgte jedoch im Januar 2026: der Einstieg in den US-Markt – der erste Vorstoß außerhalb Europas überhaupt. Ob das Modell in den USA funktioniert, ist offen. Plantenga selbst räumt ein: „Ob die Gewinne im nächsten Jahr höher oder niedriger ausfallen, hängt stark davon ab, ob der US-Test funktioniert.“ (Reuters, 09.04.2026 )
Vinted Go und Vinted Pay: Das Ökosystem wächst
Vinted baut konsequent an einer vertikalen Integration: Die eigene Logistiksparte Vinted Go operiert inzwischen in fünf Märkten (Belgien, Frankreich, Niederlande, Portugal, Spanien) und hat Zugang zu über 500.000 Paketabgabe- und Abholpunkten in ganz Europa. 2025 wurde ein neues Sortiercenter in Frankreich eröffnet. Parallel testet Vinted Go, ob seine Logistikinfrastruktur auch für externe Kunden nutzbar ist – ein potenzielles neues Geschäftsfeld. Vinted Pay, der hauseigene Zahlungsdienst, startete in Litauen mit einer eigenen Wallet-Lösung. Das Ziel: Zahlungskosten langfristig senken und die Abhängigkeit von Drittanbietern reduzieren.
Bewertung auf 8 Milliarden Euro – IPO kein Thema
Laut einem Bericht der Financial Times erkundet Vinted derzeit einen weiteren Sekundärverkauf von Anteilen, der das Unternehmen mit 8 Milliarden Euro bewerten würde – deutlich mehr als die 5 Milliarden Euro beim letzten Verkauf im Oktober 2024. Plantenga wollte sich dazu nicht äußern. Zum Thema Börsengang bleibt die Antwort dieselbe wie seit Jahren: kein kurzfristiger Plan. Das 2008 in Vilnius gegründete Unternehmen, das 2019 als erstes litauisches Unicorn Schlagzeilen machte, bleibt vorerst mehr oder weniger privat.
Einordnung: Wachstum mit Kalkül
Das Unternehmen hat die Milliardenschwelle beim Umsatz überschritten, zeigt mit 137 Millionen Euro Free Cashflow operative Stärke und setzt konsequent auf Expansionsinvestitionen statt auf kurzfristige Gewinnmaximierung. Für die europäische E-Commerce-Landschaft ist das eine Ansage: Secondhand ist kein Nischenphänomen mehr. Vinted will zeigen, dass der Massenmarkt für gebrauchte Waren noch lange nicht erschlossen ist. Und tritt damit gegen den „alten“ Platzhirsch eBay an. So wie es scheint, sehr erfolgreich.
Quellen: Offizielle Pressemitteilung Vinted (09.04.2026) | Reuters / Global Banking & Finance Review





