„Keiner wird bei den Preisen der letzten Jahre stehen bleiben können. […] Ich habe (zähneknirschend) durchaus Verständnis für diesen Weg. Gambio, haltet die Erhöhung bitte moderat, bleibt fair und transparent.“, schreibt ein Händler.
Nach den heftigen Diskussionen rund um die JTL-Preisanpassungen trifft es nun auch Betreiber von Gambio-Shops. Seit dieser Woche wissen Gambio-Händler: Auch hier steigen die Kosten – und zwar über eine Kombination aus höherer Grundgebühr und erstmals auch Transaktionsgebühren. Viele der betroffenen Dienstleister haben eines gemeinsam. Seit einigen Jahren sitzen Investoren mit am Tisch.
Inhaltsverzeichnis
- „Keiner wird bei den Preisen der letzten Jahre stehen bleiben können. […] Ich habe (zähneknirschend) durchaus Verständnis für diesen Weg. Gambio, haltet die Erhöhung bitte moderat, bleibt fair und transparent.“, schreibt ein Händler.
- Wenn Investoren Rendite sehen wollen
- Das neue Preismodell von Gambio
- Cloud vs. Self-Hosted
- Händler reagieren kritisch
- Einige Händler prüfen Alternativen
- Auch moderate Stimmen
- Einordnung: Gambio-Kunden haben das bessere Los gezogen
- Fazit
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Wenn Investoren Rendite sehen wollen
Der Zusammenhang wird von vielen Händlern zumindest vermutet. Sobald Venture-Capital- oder Private-Equity-Investoren in Softwareunternehmen einsteigen, ändert sich häufig die strategische Perspektive. Wachstum allein reicht nicht mehr – es geht um Margen, Skalierung und wiederkehrende Einnahmen.
Deshalb sind Preiserhöhungen mit und ohne Umsatzbeteiligung oder Transaktionsgebühren in den vergangenen Jahren immer populärer geworden. Bei JTL führte das bereits zu massiven Diskussionen. In einem von Wortfilter dokumentierten Händlerfall lag die Kostensteigerung seit 2024 bei fast 84 Prozent!
Das neue Preismodell von Gambio
Ab Mai 2026 führt Gambio eine neue Tarifstruktur ein. Das Modell besteht künftig aus:
- einer monatlichen Grundgebühr
- einer Transaktionsgebühr auf Zahlungen über den Gambio Hub
Die Gebühr greift allerdings erst oberhalb eines monatlichen Freivolumens. Zahlungsarten wie Vorkasse, Rechnung oder Nachnahme bleiben von der Transaktionsgebühr ausgenommen.
Nach Angaben des Unternehmens sei die Anpassung notwendig geworden, weil in Infrastruktur, Sicherheit und neue Funktionen investiert wurde – unter anderem in ein neues deutsches Rechenzentrum, NIS-2-Sicherheitsanforderungen und neue Plattformfunktionen.
Preisübersicht: Cloud-Tarife
| Tarif | Grundgebühr bisher | Grundgebühr neu | Veränderung | Transaktionsgebühr (neu) | Freivolumen / Monat |
|---|---|---|---|---|---|
| Starter (bisher: Startup) | 24,95 € | 29 € | +16 % | 1,5 % | 500 € |
| Business (bisher: Small Business) | 64,95 € | 79 € | +22 % | 0,8 % | 2.000 € |
| Professional | 129,95 € | 149 € | +15 % | 0,4 % | 10.000 € |
Neuer Enterprise-Tarif: 219 € pro Monat (Jahresvertrag), 0,1 % Transaktionsgebühr, 50.000 € Freivolumen, unbegrenzte Admin-Accounts sowie Premium-Support.
Preisübersicht: Eigenes Hosting (On-Premise)
| Modell | bisher | neu | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Jahrespreis | 199 € | 252 € | +27 % |
| Transaktionsgebühr | – | 0,2 % | neu |
| Freivolumen | – | – | keines |
Hinweis: Die Shopsoftware Gambio GX bleibt weiterhin kostenlos als Open Source verfügbar. Die Kosten betreffen den Zugang zum Gambio Hub sowie Supportleistungen.
Beispielrechnung A
Kleiner Händler – Cloud Starter
| Position | Wert |
|---|---|
| Grundgebühr bisher | 24,95 € |
| Grundgebühr neu | 29 € |
| Zahlungsvolumen | 400 € |
| Freivolumen | 500 € |
| Transaktionsgebühr | 0 € |
| Gesamtkosten neu | 29 € |
Mehrkosten: +4,05 € pro Monat (+16 %); Die Transaktionsgebühr greift hier nicht, da das Zahlungsvolumen unterhalb des Freivolumens liegt.
Beispielrechnung B
Mittlerer Händler – Cloud Business
| Position | Wert |
|---|---|
| Grundgebühr bisher | 64,95 € |
| Grundgebühr neu | 79 € |
| Zahlungsvolumen | 2.500 € |
| Freivolumen | 2.000 € |
| Gebührenpflichtiger Anteil | 500 € |
| Transaktionsgebühr (0,8 %) | 4 € |
| Gesamtkosten neu | 83 € |
Mehrkosten: +18,05 € pro Monat (+28 %); Die Gebühr fällt nur auf den Anteil oberhalb des Freivolumens an.
Beispielrechnung C
Self-Hosted-Shop (Eigenes Hosting)
| Position | Wert |
|---|---|
| Grundgebühr bisher | 16,58 € / Monat (199 € / Jahr) |
| Grundgebühr neu | 21 € / Monat (252 € / Jahr) |
| Zahlungsvolumen | 3.000 € |
| Freivolumen | keines |
| Transaktionsgebühr (0,2 %) | 6 € |
| Gesamtkosten neu | 27 € |
Mehrkosten: +10,42 € pro Monat (+63 %)
Cloud vs. Self-Hosted
| Szenario | Monatliche Kosten |
|---|---|
| Self-Hosted mit 3.000 € Zahlungsvolumen | 27 € |
| Cloud Starter Tarif | 29 € |
Der Cloud-Tarif liegt damit nur minimal über dem Self-Hosted-Preis, enthält jedoch zusätzlich:
- Hosting
- Wartung
- automatische Updates
- 500 € Freivolumen
Für Händler mit höherem Zahlungsvolumen kann ein Wechsel in einen Cloud-Tarif deshalb wirtschaftlich sinnvoll sein.
Hinweis zum Zahlungsmix
Die Transaktionsgebühr fällt nur auf Zahlungen an, die über den Gambio Hub laufen.
| Zahlungsmix | Gebührenpflichtiges Volumen |
|---|---|
| 100 % Hub-Zahlungen | 100 % |
| 50 % Vorkasse / 50 % PayPal | 50 % |
| überwiegend Vorkasse | deutlich reduziert |
Je höher der Anteil manueller Zahlungsarten wie Vorkasse oder Rechnung, desto geringer fällt die Transaktionsgebühr aus.
Händler reagieren kritisch
Im offiziellen Gambio-Forum entwickelte sich schnell eine intensive Diskussion. Der entsprechende Thread umfasst inzwischen über sechs Seiten mit mehr als 100 Beiträgen. Die Mehrheit der Händler reagiert kritisch – vor allem auf das Prinzip der Transaktionsgebühr. Ein Nutzer schreibt:
„Wow, ich bin begeistert – eine richtig tolle Preiserhöhung durch die Hintertür.“
Ein anderer Händler kommentiert:
„Jetzt soll ich zusätzlich zur PayPal-Gebühr noch eine Transaktionsgebühr an Gambio zahlen? Jetzt wird es Zeit, sich nach Alternativen umzuschauen.“
Besonders häufig wird kritisiert, dass der Gambio Hub faktisch verpflichtend wird, wenn Händler Zahlungsarten wie PayPal nutzen wollen. Ein Nutzer schreibt dazu:
„Da PayPal über den Hub laufen muss, zwingt ihr uns diese 0,2 % Gebühr de facto auf.“
Die Kritik vieler Händler ist in Teilen nachvollziehbar. Schließlich hatte ein Gambio-Mitarbeiter im Jahr 2023 im offiziellen Forum noch erklärt, dass der Gambio-Hub dauerhaft kostenlos bleiben werde. Aus heutiger Sicht gilt diese Aussage offensichtlich nicht mehr.
Gleichzeitig lohnt sich aber ein nüchterner Blick auf die Zahlen: Die diskutierte Gebühr liegt bei 0,2 Prozent. Bei einem Jahresumsatz von 250.000 Euro entspricht das rund 500 Euro pro Jahr. Das ist kein Betrag, der einem Händler gefallen muss – aber auch keiner, der für sich genommen ein Geschäftsmodell ins Wanken bringt.
Einige Händler prüfen Alternativen
Mehrere Händler kündigten im Thread an, sich nach Alternativen umzusehen. Diskutiert werden unter anderem:
- Shopify
- Mollie-Anbindungen
- eigene Payment-Integrationen
Ein Händler berichtet:
„Ich habe nach elf Jahren Gambio zum Vertragsende gekündigt.“
Der Autor fragt sich: Welches Shopsystem mit dieser Performance ist günstiger?
Auch moderate Stimmen
Ganz einseitig ist die Diskussion allerdings nicht. Einige Händler relativieren die Gebühren:
„Die 0,2 % sind bei 1.000 Euro Umsatz gerade einmal zwei Euro im Monat.“
Andere weisen darauf hin, dass viele andere Plattformen deutlich höhere Gebühren verlangen.
Einordnung: Gambio-Kunden haben das bessere Los gezogen
So kritisch viele Händler die Ankündigung sehen – im Vergleich zu anderen Entwicklungen im Markt fällt die Preisanpassung bei Gambio tatsächlich relativ moderat aus. Anders als bei manchen anderen Anbietern:
- gibt es einen Mehrnutzen
- existiert ein Freivolumen
- bleibt die Transaktionsgebühr niedrig
Vor allem im Vergleich zu den zuletzt diskutierten JTL-Preissteigerungen haben Gambio-Shopbetreiber daher das deutlich bessere Los gezogen. Die Preiserhöhung ist überschaubar, der technische Ausbau nachvollziehbar – und die Gebühren bewegen sich auf einem Niveau, das üblich ist.
Fazit
Der Autor schließt sich daher eher der wohlwollenden Kritik vieler Händler an. Ja, Preiserhöhungen gehören mittlerweile fast schon zum Pflichtprogramm vieler Softwareanbieter – besonders dann, wenn Investoren im Hintergrund stehen und Rendite sehen wollen. Im konkreten Fall wirkt die Anpassung bei Gambio jedoch vergleichsweise fair:
- moderat
- mit Mehrleistung verbunden
- mit Freivolumen abgesichert
Der eigentliche Kritikpunkt ist deshalb weniger die Höhe der Preise, sondern der Zeitpunkt. Denn eines ist ebenfalls klar: 2026 ist wirtschaftlich für viele Händler ohnehin ein schwieriges Jahr. Und da stellt sich durchaus die berechtigte Frage: Hätte man diese Preiserhöhung nicht einfach auf das kommende Jahr verschieben können?





