„Handel ist Wandel“ – Waldemar Derksen, Albatros CEO über Marken, Marktplätze, KI und unternehmerische Freiheit
20 Millionen Euro Umsatz, 12 Mitarbeiter – ohne eigene Logistik – und eine Plattformstrategie. Die Albatros International GmbH gehört zu den strukturiert und erfolgreich arbeitenden Multichannel-Händlern im deutschen E-Commerce. Mittelgroß und aus der Eifel.
Im Gespräch mit wortfilter spricht Gründer und Geschäftsführer Waldemar Derksen über Markenaufbau, Fulfillment aus Überzeugung, Temu als Wachstumstreiber und warum KI für ihn ein Gamechanger ist. Zum Unternehmen gehören heute sechs Eigenmarken, die jeweils klar positioniert sind und unterschiedliche Produktsegmente abdecken.
Inhaltsverzeichnis
- „Handel ist Wandel“ – Waldemar Derksen, Albatros CEO über Marken, Marktplätze, KI und unternehmerische Freiheit
- „Wir sind Generalisten – und bleiben anpassbar & flexibel“
- Plattformstrategie statt Abhängigkeit
- „Fulfillment macht keine Kopfschmerzen“
- Marken im Wandel: Qualität sichtbar machen
- Diversifikation als Schutz
- First-Mover bei Temu
- Qualität 2026 – funktioniert das noch?
- KI: „Absoluter Gamechanger“
- Marktplätze sind das Zentrum
- Konsum 2026: verhalten, aber wachsend
- Strategischer Rat
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ALBATROS steht für funktionale Möbel im Bereich Home & Living, während ARENSBERGER Matratzen und Heimtextilien für den Schlaf- und Komfortbereich anbietet. Unter SOMMERTAL vertreibt das Unternehmen Küchen- und Haushaltsgeräte, STAHLMANN steht für robuste Werkzeuge. Mit BURGGRAF baut Albatros aktuell das Segment Tresore und Briefkästen aus, und EXCAPE ergänzt das Portfolio im Bereich Gaming-Equipment. Jede Marke wird eigenständig geführt, bleibt jedoch strategisch in die Gesamtstruktur eingebunden.
„Wir sind Generalisten – und bleiben anpassbar & flexibel“
wortfilter: Waldemar, wo steht Albatros heute?
Waldemar Derksen: Wir liegen aktuell bei rund 20 Millionen Euro Jahresumsatz. Beschäftigt sind 12 Mitarbeiter – ohne Lagermitarbeiter, weil wir mit Fulfillment arbeiten. Gegründet habe ich das Unternehmen 2001.
wortfilter: Wie würdest Du euer Marken- und Produktportfolio beschreiben?
Derksen: Wir sind Generalisten. Unsere Schwerpunkte sind nicht in Stein gemeißelt. Werkzeuge spielen keine große Rolle mehr, Autoteile machen wir nicht mehr. Handel ist Wandel. Wir passen uns an. Aktuell treiben vor allem Matratzen, Möbel und Haushaltsgeräte das Geschäft – alles zunehmend unter eigenen Marken.
Was uns wichtig ist: Wir achten sehr stark auf die Qualität unserer importierten Produkte. In diesem Punkt sind wir unserem Wettbewerb deutlich überlegen.
Plattformstrategie statt Abhängigkeit
wortfilter: Wie verteilen sich eure Umsätze auf die Kanäle?
Derksen: Sehr diversifiziert. Wir sind früh auf neue Marktplätze gegangen, auch auf Temu. Amazon macht etwa 40 Prozent aus, Otto rund 35 Prozent, eBay etwa 3 Prozent. Temu gehört inzwischen zu unseren Top-5-Kanälen, dazu kommen Kaufland und weitere Plattformen.
wortfilter: Strategisch am wichtigsten?
Derksen: Otto.
„Fulfillment macht keine Kopfschmerzen“
wortfilter: Ihr habt keine eigene Logistik mehr. Warum?
Derksen: Wir setzen vollständig auf Fulfillment. Natürlich ist Fulfillment etwas teurer als eine eigene Logistik. Aber es macht keine Kopfschmerzen. Wir können uns auf andere Dinge fokussieren.
Ich bin als CEO inzwischen deutlich über 50. Mir geht es auch darum, mir freie Zeit zu erhalten. Eine eigene Logistik beschäftigt einen zwangsläufig permanent. Fulfillment gibt uns Freiheit.
International nur noch eingeschränkt
wortfilter: Wie stark seid ihr international aufgestellt?
Derksen: Das waren mal rund 45 Prozent Auslandsanteil. Das Problem sind die Transportkosten. Für unsere Produkte ist es oft nicht wirtschaftlich, sie international zu versenden. Aktuell liegen wir bei etwa 5 Prozent außerhalb Deutschlands. Benelux klappt noch gut, ansonsten ist das Thema stark zurückgefahren.
Marken im Wandel: Qualität sichtbar machen
wortfilter: Ihr wollt stärker in Richtung Markenaufbau gehen. Warum?
Derksen: Wir befinden uns im Wandel. Bisher waren wir eher im unteren Preissegment unterwegs – allerdings mit sehr guter Qualität. Jetzt wollen wir stärker in Richtung Qualität kommunizieren.
Unsere Kunden sollen unsere gute Qualität bewusst wahrnehmen. Bisher haben wir ihnen das nicht ausreichend erzählt. Das müssen sie jetzt wissen.
Im Matratzenbereich sind wir preislich sehr attraktiv, bei den Materialien und der Verarbeitung bewegen wir uns aber qualitativ eher im oberen Segment.
Diversifikation als Schutz
wortfilter: Ihr verteilt eure Umsätze auf viele Kanäle. Wie schützt euch das konkret?
Derksen: Wir verteilen unsere Risiken auf mehrere Schultern – also auf verschiedene Kanäle und Produktsegmente. Das hat uns in den vergangenen Jahren sehr geschützt.
First-Mover bei Temu
wortfilter: Wo hat sich euer First-Mover-Ansatz besonders ausgezahlt?
Derksen: Aktuell ist Temu ein gutes Beispiel. Der Handel über diese Plattform ist nicht einfach. Aber wir möchten die Umsätze dort nicht mehr missen.
Qualität 2026 – funktioniert das noch?
wortfilter: Funktioniert Qualität im preissensiblen Markt weiterhin als Differenzierungsmerkmal?
Derksen: Ja, natürlich. Wir merken das an den Bewertungen und an den Weiterempfehlungen. Die steigen zwar noch auf niedrigem Niveau, aber wir sehen es am langsamen Anstieg unserer Umsätze im eigenen Onlineshop.
Reichweite: PR statt nur Listing
wortfilter: Wie steigert ihr die Reichweite eurer Marken?
Derksen: Wir arbeiten inzwischen mit einer PR-Agentur zusammen, um unsere Produkt-PR voranzutreiben. Wir haben gute Ware zu sehr guten Preisen – das müssen wir kommunizieren.
Im Content-Marketing haben wir ebenfalls noch Luft nach oben. Da werden weitere Maßnahmen folgen.
KI: „Absoluter Gamechanger“
wortfilter: Welche Rolle spielt KI konkret bei euch?
Derksen: Wir nutzen KI bereits für Bilder und Texte. Agentic Commerce und autonome Agenten werden sehr bald eine Rolle spielen.
wortfilter: Effizienzwerkzeug oder strategischer Umbruch?
Derksen: Absoluter Gamechanger. Wir können Dinge umsetzen, die wir früher teuer einkaufen mussten.
Marktplätze sind das Zentrum
wortfilter: Welche Bedeutung haben Plattformen für euch?
Derksen: Plattformen sind unsere zentralen Absatzkanäle. Unser eigener Shop ist aktuell noch etwas vernachlässigt. Dort sehen wir vor allem Kunden, die gezielt nach unseren Marken suchen.
Konsum 2026: verhalten, aber wachsend
wortfilter: Wie schätzt Du die Konsumlaune 2026 ein?
Derksen: Auch 2026 hat verhalten gestartet. Aber wir sehen, dass bei schönem Wetter die Kauflaune deutlich anzieht. In bestimmten Segmenten sehen wir gutes Wachstum.
2025 war verhalten, 2026 bleibt ebenfalls vorsichtig – aber wir wachsen trotzdem.
Strategischer Rat
wortfilter: Was rätst Du anderen Händlern für die kommenden 12 bis 24 Monate?
Derksen: KI ist extrem wichtig. Händler sollten sich intensiv damit beschäftigen – nicht nur für Bilder oder Texte.
Um der Preisspirale zu entgehen, muss man stärker auf Marketing setzen. Gleichzeitig sollten Seller offen für neue Kanäle sein – etwa Temu oder TikTok Shop.
Und was unser Unternehmen seit Jahrzehnten nach vorne bringt, ist das permanente Hinterfragen und die Flexibilität in den Kategorien.
Nebenbei: Man sollte immer die richtigen Zahlen im eigenen Unternehmen betrachten.





