Seit gestern ist es raus: Der 55-jährige Länderchef Ralf Kleber verlässt das Unternehmen nach etwas mehr als 22 Jahren zum 1 Januar 2022. Etwas Ruhe hat er sich verdient. Turbulente Zeiten waren zu bewältigen und er hat es gut gemacht. Deutschland ist der zweitgrößte europäische Markt für den Riesen, wie aus Unternehmenskreisen zu hören ist. Nun übergibt er seine Position an Rocco Bräuniger, der auch bereits seine  16 plus Amazon-Jahre auf den Buckel hat.

Ralf hat die Anfänge erleben dürfen

Aber schauen wir ein wenig zurück: Es gibt wohl kaum einen Kopf, der mehr und tieferes Amazon-Wissen hat, als Ralf. Amazon war gerade einmal 12 Monate in Deutschland, da kam er an Bord. Seine erste Aufgabe war es, Ordnung in die Bereiche Finance & Controlling zu bringen. Gerade einmal 400 Kollegen waren zu dieser Zeit bei Amazon beschäftigt. Bereits nach 3 Jahren wurde Amazon Marketplace gelauncht. Ralf kommentierte das so: »Dieses Segment wuchs in den ersten vier Monaten seit seiner Einführung in Deutschland und Großbritannien doppelt so schnell wie in den USA.« Er war bereits 2002 Deutschland-Chef. Amazon Marketplace wurde da noch als Gebrauchtbuchhandel betitelt. 2006 wurde das 2. (!) FC in Leipzig errichtet. Schulden und geringe Gewinne drückten die Ergebnisse, aber Ralf hielt die Fahne hoch. »Da muss man langfristig denken«, sagte er in den Medien. Wie recht er damit haben würde, sehen wir 15 Jahre später.

Rocco kennt Produkte & Länder

2006 war dann auch das Jahr als Bräuniger in die Dienste des Alleshändlers trat. Im Januar 2006 begann er als ›Senior Manager Einkauf und Pricing Media‹. Nach 4 Jahren stieg er zum Director, Category Lead Sports auf und verweilte auf dieser Position bis 2014. Die letzten 2 Jahre verantwortete er noch zusätzlich die Kategorien Tools und Garden. Von 2015 bis 2017 war er dann in der Position Director Consumables & Mobile CX, ab 2017 auch als VP und Country Manager in Indien und Australien unterwegs.

Ähnliche Erfahrungen, andere Zeiten

Soweit die Lebensläufe der Chefs. Beide haben Basiserfahrung. Ralf dürfte es noch kennen, mit sehr beschränkten Mitteln und wenigen Prozessen das Geschäft am Rennen zu halten. Rocco hatte es da schon etwas einfacher, aber sowohl Indien wie auch Australien waren Pionierleistungen. Diese hat er erfolgreich gemeistert. Beide Märkte waren und sind nicht einfach zu erobern bzw. zu steuern. Und nun darf er hier in Deutschland das Ruder übernehmen.

Einfach wird das nicht

Zwar brummt Amazons Geschäft, jedoch bringt die Größe auch Herausforderungen mit sich. Organisatorisch ist Amazon ein Chaoshaufen. Externe Beobachter sehen so manche Bösartigkeit, die aber tatsächlich eher auf fehlende Kommunikation unterschiedlicher Abteilungen oder mangelnde Handlungsfolgenabschätzung zurückzuführen sind. Hier gilt es, aufzuräumen und vor allem die Regulierungsbehörden zu überzeugen. Denn diese werfen seit geraumer Zeit ein durchaus kritisches Auge auf den Konzern. Gelingt ihm hier ein ›guter Move‹, wäre das sicherlich ein sehr großer und vor allem nicht nur für Amazon wichtiger Erfolg, den er auf seinem Konto verbuchen darf. Good Luck, Rocco!

Ralf war ein Guter

Mitunter waren seine Mails schon herausfordernd. Lang und nichtssagend. Das war schade, denn zu sagen gab es viel. Nur, hatte er diese Kommunikation wirklich auch zu verantworten? Seit circa einem Jahr redet Amazon in vielen Bereichen endlich Klartext.

(Quelle: wortfilter)

Das ist gut und besser. Gerade im Hinblick auf die anhaltenden Meckereien der Gewerkschaft sind klare Worte hilfreich. Trotzdem, wer Ralf Kleber persönlich erleben durfte und mit ihm sprach, war beeindruckt von seiner Fröhlichkeit und seiner ehrlichen direkten Art. Und er hatte Kompetenz. Alles in allem war er ein Glück für das Unternehmen. Von den Leistungen wird Amazon noch lange profitieren. Schade, dass du gehst, Ralf. Aber du hast es dir verdient. Tschüss und nur das Beste!