Ab dem 17. April 2026 zahlen FBA-Händler in den USA und Kanada einen Treibstoffzuschlag von 3,5 % auf ihre Fulfillment-Gebühren. Amazon nennt es einen „temporären Fuel- und Logistik-Zuschlag“ – doch wer die Geschichte kennt, zweifelt an der Temporarität. Und es ist auch nur eine Frage der Zeit bis auch in Deutschland die Preisanpassung ankommt.
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Was Amazon ankündigt
Ab dem 17. April 2026 greift ein Treibstoff- und Logistikzuschlag von 3,5 % auf FBA-Fulfillment-Gebühren in den USA und Kanada sowie auf Remote Fulfillment mit FBA aus den USA nach Kanada, Mexiko und Brasilien. Ab dem 2. Mai 2026 gilt der Zuschlag zusätzlich für Buy with Prime und Multi-Channel Fulfillment (MCF) in den USA und Kanada.
Der Zuschlag wird auf die Fulfillment-Gebühren berechnet, nicht auf den Verkaufspreis. Im Durchschnitt bedeutet das rund 17 US-Cent Mehrkosten pro Einheit bei US-FBA-Bestellungen – je nach Größe und Gewicht des Artikels variiert der Betrag.
Amazon begründet den Schritt mit gestiegenen Kraftstoff- und Betriebskosten, die das Unternehmen bislang selbst aufgefangen habe. Ähnlich wie andere große Spediteure führe man bei dauerhaft erhöhten Kosten temporäre Zuschläge ein, um einen Teil der tatsächlich anfallenden Mehrkosten zu decken. UPS und FedEx hätten ebenfalls höhere Treibstoffzuschläge eingeführt, seitdem der Iran-Krieg die Logistikkosten treibt. Die USPS hatte kurz zuvor einen eigenen Zuschlag von 8 % ab dem 26. April angekündigt.
Was Händler davon halten
Die Reaktionen im Seller Central Forum und auf einschlägigen Plattformen sind klar. Händler äußern Skepsis, ob der Zuschlag tatsächlich temporär ist. Auf der Branchendiskussionsplattform Sellers Ask Sellers schreibt ein Verkäufer: Hat irgend jemand je einen Zuschlag bei Amazon wieder verschwinden sehen – selbst wenn das Problem, das ihn ausgelöst hat, längst behoben war? Die Antwort laute nein.
Ein Amazon-Moderator antwortete auf die Frage, wie lange Händler den Zuschlag in ihre Kostenstruktur einplanen sollten: „Dieser Zuschlag bleibt bis auf Weiteres bestehen, und wir werden die Lage neu bewerten, wenn sich die Bedingungen weiterentwickeln.“ „Bis auf Weiteres“ – das klingt nach einer dauerhaften Gebühr mit Gültigkeitsoffenheit.
Jon Derkits von der Amazon-Agentur Color More Lines fasste es auf LinkedIn treffend zusammen und nannte den Zuschlag „tempermanent“ – eine Wortneuschöpfung aus „temporary“ und „permanent“, die das Misstrauen der Branche auf den Punkt bringt.
Ein weiterer Händler im Amazon-Seller Forum formulierte eine naheliegende Gegenfrage: Wenn Amazon steigende Kosten durch einen Aufschlag weitergibt – warum dürfen Händler das nicht auch? Konkret fragte er, ob Amazon Preisanpassungen oder höhere Erstattungskosten für Verkäufer erleichtern wolle. Eine Antwort darauf blieb aus.
Kein Einzelfall – das Muster hat Geschichte
Das ist nicht das erste Mal: Im Jahr 2022 führte Amazon bereits einen Treibstoff- und Inflationszuschlag von 5 % auf FBA-Gebühren ein. Auch damals hieß es, der Zuschlag sei temporär. Er wurde später in die regulären Gebührenstrukturen überführt.
Der jetzige Aufschlag fällt mit 3,5 % niedriger aus als 2022 – Amazon verweist darauf, dass man durch gemeinsame Arbeit mit Händlern die Kosten bereits gesenkt habe und der Zuschlag deshalb geringer ausfalle als bei anderen großen Spediteuren. Das stimmt formal – ändert aber nichts daran, dass jeder zusätzliche Prozentpunkt die Margen weiter erodiert.
Was das für dich bedeutet
Wer FBA nutzt, muss jetzt nachrechnen. Amazon hat den Revenue Calculator, die Profit Analytics und die Fee and Economics Preview Reports aktualisiert, um den Zuschlag pro Einheit und für das gesamte Produktportfolio abzubilden. Das ist sinnvoll – setzt aber voraus, dass du die Kalkulationen auch tatsächlich durchgehst.
Konkret heißt das: Für jede FBA-Einheit steigen die Logistikkosten ab 17. April leicht, aber messbar. Wer eng kalkuliert oder Artikel mit ohnehin dünnen Margen im Sortiment hat, muss entweder Preise anpassen oder Fulfillment-Alternativen prüfen. MCF und Buy with Prime folgen zwei Wochen später, also ab dem 2. Mai.
Die eigentliche Frage ist nicht der Zuschlag selbst – 17 Cent pro Einheit sind verschmerzbar. Die Frage ist, was nach der nächsten Kostenerhöhung kommt. Denn mit jedem „temporären“ Aufschlag steigt die Basis, auf der der nächste berechnet wird.
Einordnung
Amazon macht exakt das, was große Logistikkonzerne immer tun: Sie puffern steigende Kosten zunächst ab, bis der Druck zu groß wird, und geben sie dann mit Verzögerung weiter – verpackt als befristete Ausnahme. Der Begriff „temporär“ ist dabei juristisch nicht bindend, und Amazon hat das mit seiner Antwort „bis auf Weiteres“ selbst klargestellt.
Für Onlinehändler ist das kein Alarmzeichen, aber ein Muster, das aufmerksam beobachtet werden sollte. FBA bleibt das effizienteste Fulfillment-System für Amazon-Händler – aber zu einem Preis, der in kleinen Schritten steigt. Der Treibstoffzuschlag 2026 ist nicht der letzte.





