Am Wochenende wurde bekannt, dass das Bundeskartellamt gegen Amazon wegen Missbrauchs seiner Stellung im Markt ermittelt. Konkret: Amazon soll die Preisstellungen der Händler beeinflusst haben.

Zu Unrecht gesperrt!

Händler beschwerten sich vermehr darüber, dass ihre Angebote bei Amazon gesperrt wurden. »Wir untersuchen derzeit, ob und wie Amazon die Preissetzung der Händler auf dem Marketplace beeinflusst«, so Mundt gegenüber der FAZ. Ein Amazon-Vertreter hingegen erwidert, dass sich die betroffenen Händler ja an den Seller Support wenden können. Nicht wenige Händler runzeln die Stirn, denn die Realität sieht anders aus.

Ein Beispiel von tausenden

Und zwar ein lustiges. Aber nur auf den ersten Blick, denn tatsächlich offenbart es die Schwächen des Riesen aus Seattle: Gut gemeint aber trotzdem falsch!

Ihr lest richtig, ein Klopapierhut wird wegen eines Preisfehlers (Wucherschutz) von Amazon entfernt. Was ist passiert? Der Amazon-Algorithmus hat dieses Produkt fälschlicherweise als ›Klopapier‹ identifiziert und wegen Wucherverdachts gesperrt.

Klopapierhut

Das ist natürlich grober Unfug. Aber leider beim vermeintlichen Tech-Unternehmen Amazon an der Tagesordnung. Wer jetzt Amazons Darstellung Glauben schenkt ›»Unsere Systeme sind so konzipiert, dass sie Maßnahmen gegen Preistreiberei ergreifen« und weiter: »Wenn Verkaufspartner Bedenken haben, ermutigt wir sie, sich an den Support für Verkaufspartner zu wenden«‹, der wird bitter enttäuscht. Denn so äußert sich der betroffene Händler am heutigen Tag: »[…] ist auch immer noch nicht wieder aktiv … […]«.

“ Wochenende war “ gebraucht statt neu “ Party . 8 Artikel bei uns ..einer ist besonders geil ..zuletzt vor 7 Monaten verkauft ..ne is klar. „, so ein größerer Kölner Onlinehändler

Solche und ähnliche Fälle passieren tausendfach und sind in nahezu in allen Communities täglich nachzulesen. Das Unternehmen mag viele Dinge gut meinen, aber die Umsetzung ist schlecht. Vor allem, wenn es ausschließlich zu Lasten der Handelspartner geht. In Amazons Arbeitszeugnis stünde wohl ›Er war stets bemüht‹.

An der Wirklichkeit vorbei

Die Händlerrealität sieht eben nicht so aus wie Amazon sie gerne sehen würde. Viele an und für sich gute und wichtige Maßnahmen sind so schlecht umgesetzt, dass sie den Händlern Schaden zufügen. Hilfsangebote, wie z. B. das Melden der Sachverhalte an den Seller Support, führen zu keiner Lösung. Er ist chronisch überlastet oder es existieren Sprachbarrieren. Mitunter kennen ausländische Amazon-Mitarbeiter eben nicht die rechtlichen Besonderheiten in der Europäischen Union geschweige denn Deutschland. Den Händlern wird demnach nicht geholfen und sie erleiden Schaden.

Die Details sind wichtig

Nicht die Lippenbekenntnisse und die Prozessbeschreibungen der Amazon-Vertreter sind relevant, es ist wichtig, die einzelnen Vorkommnisse mit einem hohen Grad an Detailgenauigkeit zu betrachten. Nur so kann es zu tatsächlichen Verbesserungen für die Handelspartner kommen.

›Listings werden willkürlich beendet‹, so eine weitere Amazon-Händlerin

Seit Jahren, beginnend mit dem KYC-Prozedere, hat Amazon gezeigt, dass es kaum in der Lage ist, auf eigene Herausforderungen in der Händlerbeziehung adäquat zu reagieren. (Hier warteten Händler ewig lange auf ein Ergebnis, sie wurden gesperrt und Auszahlungen wurden verhindert.) Am Ende des Tages sind IMMER und AUSSCHLIEßLICH die Seller die Dummen.

Wunschzettel an das Bundeskartellamt?

Es ist großartig, dass die Behörde das Verhalten des Konzerns regelmäßig betrachtet und versucht, ausgeglichene Lösungen herbeizuführen. Viele Händler stellen aber die Effizienz der herbeigeführten Antworten in Frage. Was könnte das Amt also besser machen?

  • Mehr Händlerbefragungen
  • Händlerbeirat – Fokusgruppe
  • Überprüfung der Wirksamkeit der erarbeitenden Lösungen
  • Überprüfung der Amazon-Prozesse auf Wirksamkeit

Was meint ihr? Was sollte das Bundeskartellamt besser machen? Hat die Behörde ausreichend Kompetenz? Versteht sie die Herausforderungen der Händler?