Amazon hat am 29. April 2026 die Zahlen für das erste Quartal 2026 vorgelegt. Der Konzern steigerte den Konzernumsatz um 17 Prozent auf 181,5 Milliarden US-Dollar, der operative Gewinn (EBIT, Gewinn vor Zinsen und Steuern) wuchs auf 23,9 Milliarden Dollar. Für Onlinehändler liefern die Amazon Q1 2026 Zahlen mehrere Werte: 41,6 Milliarden Dollar Drittanbieter-Gebühren, 15 Prozent mehr verkaufte Einheiten und ein leicht sinkender Marktplatz-Anteil von 60 Prozent.

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181,5 Milliarden Dollar Umsatz – das ist Amazon im ersten Quartal

Der weltweite Nettoumsatz von Amazon liegt bei 181,5 Milliarden Dollar – ein Plus von 17 Prozent gegenüber dem ersten Quartal 2025 (155,7 Milliarden). Währungsbereinigt (also ohne den positiven Effekt von 2,9 Milliarden Dollar aus Wechselkursverschiebungen) bleiben 15 Prozent Wachstum. Der Nettogewinn springt von 17,1 auf 30,3 Milliarden Dollar – ein Plus von 77 Prozent.

Allerdings: 16,8 Milliarden Dollar dieses Gewinns stammen aus einem nicht-operativen Buchgewinn auf die Anthropic-Beteiligung von Amazon. Operativ bleibt das Bild dennoch stark – die operative Marge (EBIT-Marge, Anteil des operativen Gewinns am Umsatz) klettert auf 13,1 Prozent, den höchsten Wert seit Jahren.

41,6 Milliarden Dollar – so viel zahlen Händler an Amazon

Die Drittanbieter-Services (englisch: Third-Party Seller Services – der Posten, in dem Amazon Verkaufsprovisionen, FBA-Gebühren und sonstige Marktplatz-Services bündelt) erreichen im ersten Quartal 41,578 Milliarden Dollar. Das ist ein Plus von 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr, währungsbereinigt 12 Prozent.

Zur Einordnung: Der Eigenhandel von Amazon, im Quartalsbericht „Online stores“ genannt, wächst im selben Zeitraum nur um 12 Prozent auf 64,3 Milliarden Dollar. Die physischen Stores (Whole Foods, Amazon Go, Amazon Fresh) legen um 5 Prozent auf 5,8 Milliarden zu. Die Drittanbieter-Gebühren wachsen also schneller als das Kerngeschäft – ein konsistenter Trend seit Jahren.

Stückzahlen explodieren – aber nicht für Händler

CEO Andy Jassy bezeichnet das Quartal als das stückzahlstärkste seit dem Ende der Covid-Lockdowns. Weltweit stieg das Volumen der bezahlten Einheiten (englisch: paid units – physische und digitale Verkäufe abzüglich Retouren) um 15 Prozent. Diese Zahl ist die wichtigste operative Kennziffer für jeden Marktplatzverkäufer, weil sie das tatsächliche Bestellvolumen ohne Preisverzerrungen abbildet.

Der Anteil der Händler-Einheiten am Gesamtvolumen (Seller Unit Mix) sinkt jedoch von 61 auf 60 Prozent. In absoluten Zahlen verkaufen Drittanbieter weiterhin mehr als Amazon selbst – aber das Eigenhandelsgeschäft wächst aktuell schneller. Über die letzten sechs Quartale lag der Wert konstant bei 61 bis 62 Prozent. Das aktuelle Quartal ist also der erste sichtbare Rückgang seit längerem.

Werbeumsätze plus 24 Prozent

Der Posten Advertising Services wächst auf 17,243 Milliarden Dollar – ein Plus von 24 Prozent. Das ist deutlicher als der gesamte Konzernumsatz wächst. Auf Trailing-Twelve-Months-Basis (Summe der letzten zwölf Monate) hat Amazons Werbegeschäft die 70-Milliarden-Marke geknackt.

Das Geld kommt nicht aus dem Nichts. Es sind die Sponsored-Products-, Sponsored-Brands- und Display-Budgets von Vendoren (Amazon-Lieferanten mit Großhandelsmodell) und Sellern – also dein Werbebudget. Amazon hat im Quartal zudem Sponsored Products und Brand Prompts in den KI-Assistenten Rufus integriert. Knapp 20 Prozent der Käufer, die mit einem Brand Prompt in Rufus interagieren, führen das Gespräch über die Marke fort. Damit etabliert sich Rufus als neuer Werbekanal innerhalb der Amazon-Suche.

Abos, Versand, Personal – die Nebenkennzahlen

Die Abonnement-Erlöse (Prime, Music, Kindle Unlimited und weitere) steigen um 15 Prozent auf 13,4 Milliarden Dollar. Damit zahlt Prime weiter zuverlässig in die Kasse ein, wenn auch langsamer als das Werbegeschäft.

Die weltweiten Versandkosten (Shipping Costs) klettern um 14 Prozent auf 25,7 Milliarden Dollar – ein deutlicher Anstieg, getrieben von neuen Same-Day- und 1-Stunden-Lieferungen. Amazon hat über 90.000 Produkte in den USA in das 1- und 3-Stunden-Programm aufgenommen und Amazon Now (Lieferung in 30 Minuten oder weniger) auf Tokio und acht brasilianische Großstädte ausgeweitet. Mehr als eine Milliarde Pakete wurden 2026 bereits taggleich oder über Nacht zugestellt.

Die Mitarbeiterzahl bleibt mit 1,575 Millionen Voll- und Teilzeitkräften (ohne Leiharbeiter) nahezu stabil – plus 1 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Amazon wächst also operativ, ohne die Belegschaft auszubauen.

Die drei Segmente: Nordamerika, International, AWS

Amazon teilt seine Geschäfte in drei Segmente. Nordamerika wächst um 12 Prozent auf 104,1 Milliarden Dollar Umsatz, der operative Gewinn springt von 5,8 auf 8,3 Milliarden – ein Plus von 42 Prozent. Die operative Marge im Segment liegt bei 7,9 Prozent.

Das International-Segment (alles außer Nordamerika und AWS, also auch Deutschland) wächst um 19 Prozent auf 39,8 Milliarden Dollar, währungsbereinigt 11 Prozent. Der operative Gewinn steigt von 1,0 auf 1,4 Milliarden Dollar. Mit 3,6 Prozent Marge bleibt International die schwächste Segment-Säule – aber der Trend zeigt nach oben.

AWS (Amazon Web Services, das Cloud-Geschäft) wächst um 28 Prozent auf 37,6 Milliarden Dollar – das stärkste Wachstum seit 15 Quartalen. Operative Marge: 37,7 Prozent. Operative Gewinn: 14,2 Milliarden Dollar. AWS trägt damit mehr operativen Gewinn bei als Nordamerika und International zusammen. Die jüngsten Großverträge mit OpenAI (zwei Gigawatt Trainium-Kapazität ab 2027) und Anthropic (bis zu fünf Gigawatt) zeigen die Pipeline, die das Wachstum kurzfristig weiter beschleunigen dürfte.

Free Cashflow bricht ein – Amazon investiert massiv in KI

Eine Zahl, die in den Schlagzeilen oft untergeht: Der freie Cashflow (Free Cash Flow – operativer Cashflow abzüglich Sachinvestitionen) auf Zwölf-Monats-Basis ist auf 1,2 Milliarden Dollar zusammengeschrumpft. Im Vorjahresquartal lag er noch bei 25,9 Milliarden. Das ist ein Rückgang um 95 Prozent.

Der Grund: Amazon hat die Sachinvestitionen (Capex) auf Zwölf-Monats-Basis um 59,3 Milliarden Dollar erhöht – auf insgesamt 147,3 Milliarden. Das Geld fließt in Rechenzentren, KI-Hardware und Stromversorgung. Über die letzten zwölf Monate hat Amazon mehr als 2,1 Millionen KI-Chips in Betrieb genommen, davon mehr als die Hälfte eigene Trainium-Chips. Eine Million Nvidia-GPUs (Grafikprozessoren für KI-Training) sollen ab 2026 dazukommen. Das Chip-Geschäft (Graviton, Trainium, Nitro) hat einen Umsatz-Run-Rate von 20 Milliarden Dollar erreicht.

Prime Day im Juni – Q2-Guidance bei bis zu 199 Milliarden

Amazon hat angekündigt, dass der Prime Day 2026 in den meisten Ländern bereits im Juni stattfindet – also drei bis vier Wochen früher als in den Vorjahren. Für Onlinehändler bedeutet das: Lagerbestände, FBA-Anlieferungen und Werbebudgets müssen entsprechend früher stehen.

Die Q2-Guidance (Prognose des Unternehmens für das laufende Quartal) liegt bei 194 bis 199 Milliarden Dollar Umsatz – ein Wachstum von 16 bis 19 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Der operative Gewinn soll zwischen 20 und 24 Milliarden Dollar liegen. Der Prime Day ist in dieser Prognose bereits eingerechnet.

Neue KI-Funktionen in Seller Central

Amazon hat im Quartal eine neue KI-Erfahrung in Seller Central gestartet, die dynamisch personalisierte Visualisierungen, Insights und Szenarien generiert – abgestimmt auf die individuellen Geschäftsziele des Sellers. Wer das Tool aktiv nutzt, kann auf Bewegungen im Marktplatz schneller reagieren.

Parallel dazu öffnet Amazon mit Rufus einen neuen Werbekanal innerhalb der Suche. Das Sortiment wird ausgeweitet – über 600 neue Marken sind im Quartal hinzugekommen, darunter Ted Baker, Sun Mountain Golf und Chosen Foods. Für Bestandshändler heißt das: Mehr Wettbewerb in den bestehenden Kategorien, schnellere Lieferversprechen als Standard.

Was die Zahlen für deinen Marktplatz-Alltag bedeuten

Die Lage für Onlinehändler ist gemischt. Das Volumen wächst, aber Amazon zieht überproportional Margen über Werbung und Provisionen/Logistikgebühren. Der Marktplatz bleibt hochrelevant, der Anteil sinkt aber leicht. Werbung wird zur faktischen Pflichtabgabe, KI-Tools werden zur Voraussetzung für sichtbares Ranking, der Prime Day rückt im Kalender nach vorne. Wer im zweiten Quartal mithalten will, plant jetzt – nicht im Mai. Die Quartalszahlen findest du in der Q1-2026-Earnings-Release und in der Investor-Relations-Mitteilung von Amazon .

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