Amazon hat vor wenigen Tagen ein neues Dashboard in Seller Central ausgerollt : „Rücksendungen und Rückerstattungen: Erkenntnisse und Chancen“. Laut Mitteilung soll es Händlern helfen, Warenrücksendungen zu reduzieren, Ursachen besser zu verstehen und Wertrückgewinnung zu optimieren.
Die große Frage lautet wie immer: Hilft dieses Tool Händlern – oder ist es nutzloser Amazon Blabla?
Ein Blick auf das Dashboard selbst, die Kennzahlen und den konkreten Screenshot zeigt: Es ist beides.
Inhaltsverzeichnis
- Was Amazon verspricht – und was tatsächlich geliefert wird
- Konkrete Auswertung des Dashboards (Screenshot)
- Die Tabelle auf ASIN-Ebene: Der eigentliche Kern des Tools
- Die „vorgeschlagenen Maßnahmen“ – Hilfe oder Druckmittel?
- Rückgewinnung: Für deutsche Händler aktuell kaum relevant
- Fazit: Nützliches Tool
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Was Amazon verspricht – und was tatsächlich geliefert wird
Amazon bewirbt das neue Dashboard mit vier zentralen Nutzenversprechen:
- Zentrale Übersicht für FBA und FBM
- Historische Trends
- Produktbezogene Rücksendeanalysen
- Umsetzbare Empfehlungen
Das klingt zunächst sinnvoll. Rücksendungen sind für Händler ein Kostenrisiko – nicht nur wegen der Logistik, sondern wegen Gebühren, negativer Bewertungen und schlechter Performance-Signale.
Neu ist vor allem die Bündelung. Viele dieser Daten gab es vorher schon – aber verteilt über:
- Retourenberichte
- „Stimme des Kunden“
- Feedback-Manager
- einzelne ASIN-Reports
Amazon zieht diese Daten nun in einem Dashboard zusammen. Das ist der eigentliche Fortschritt.
Konkrete Auswertung des Dashboards (Screenshot)
Der Screenshot zeigt die Registerkarte „Einblicke in Warenrücksendungen“ mit Leistungskennzahlen:
1. Warenrücksendungen gesamt
- 342 Rücksendungen
- –20,8 % gegenüber dem Vergleichszeitraum
👉 Nützlichkeit:
Begrenzt. Die absolute Zahl sagt wenig aus, solange sie nicht sauber ins Verhältnis zu Absatz, Marge und Kategorie gesetzt wird. Als Trendindikator okay – als Steuerungsgröße schwach.
2. Rücksendungsrate
- 3,79 %
- –13,1 % zum Vorzeitraum
👉 Nützlichkeit:
Hoch. Das ist eine der wenigen wirklich aussagekräftigen Kennzahlen. Rücksendequoten lassen sich:
- mit Kategorie-Benchmarks vergleichen
- intern über Zeiträume bewerten
- direkt mit Produktoptimierungen verknüpfen
Aber: Amazon definiert diese Quote selbst, inklusive Erstattungen ohne Rücksendung. Das verzerrt die Vergleichbarkeit.
3. Rate kritischer Bewertungen
- 12,61 %
- +2,6 % gegenüber dem Vorzeitraum
👉 Nützlichkeit:
Sehr hoch – und gleichzeitig gefährlich.
Diese Kennzahl verknüpft Rücksendungen direkt mit 1- bis 3-Sterne-Bewertungen. Genau hier liegt die eigentliche Botschaft:
Rücksendungen sind für Amazon kein logistisches Problem – sondern ein Qualitäts- und Bewertungsproblem.
Das ist relevant für:
- Buybox-Stabilität
- Sichtbarkeit
- langfristige Kontosicherheit
4. Rücksendegebühren
- 0 €
- ±0 %
👉 Nützlichkeit:
Trügerisch.
Die Null suggeriert Entlastung – tatsächlich greift die Rücksendegebühr erst oberhalb eines Schwellenwerts. Das Dashboard zeigt also vor allem:
- wer bald zahlen wird
- welche ASINs „gefährlich nah“ sind
5. Erstattungen für Kunden veranlasst
- 16.592,76 €
- –3,8 %
👉 Nützlichkeit:
Mittel.
Der Wert zeigt Liquiditätsabfluss, aber keine Marge, keine Wertrückgewinnung, keine Eigenverantwortung Amazons. Für Controlling okay – für Ursachenanalyse ungeeignet.
Die Tabelle auf ASIN-Ebene: Der eigentliche Kern des Tools
Der wichtigste Teil des Dashboards ist die Produktebene. Hier zeigt Amazon:
- Rücksendungsquote je ASIN
- absolute Rücksendezahl
- Rücksendegebühren-Risiko
- häufigste Rücksendegründe
- konkrete Handlungsempfehlungen
Typische Rücksendegründe im Screenshot:
- „Falsche Größe oder Passform“
- „Farbe“
- „Materialqualität“
- „Dünn“
- „Löcher oder Beschädigung“
👉 Das ist brutal ehrlich – und genau hier wird Amazon unbequem.
Denn diese Gründe sind:
- öffentlich über Bewertungen sichtbar
- algorithmisch verwertbar
- direkt mit Angebotsqualität verknüpft
Die „vorgeschlagenen Maßnahmen“ – Hilfe oder Druckmittel?
Amazon schlägt u. a. vor:
- Angebot aktualisieren
- Bilder anpassen
- Produktbeschreibung ändern
- Qualität verbessern
Das klingt mau, ist aber relevant:
- Händler werden stärker in Richtung Produktverantwortung gedrängt
- „Schlechte Produkte“ werden sichtbar markiert
- Rücksendungen werden zur Qualitätskennzahl, nicht mehr zur Service-Randnotiz
Wichtig:
Amazon unterscheidet nicht zwischen:
- echter Produktqualität
- Erwartungsmanagement
- missbräuchlichem Rücksendeverhalten
Das Risiko bleibt beim Händler.
Rückgewinnung: Für deutsche Händler aktuell kaum relevant
Der Tab „Rückgewinnung“ existiert – ist laut Hilfe aber derzeit nur für den US-Store voll verfügbar. Für deutsche Händler ist der Mehrwert aktuell gering.
Langfristig ist das jedoch ein Warnsignal:
- Amazon misst, wie viel Wert Händler aus Retouren zurückholen
- Liquidation, Wiederverkauf und Remission werden transparenter
Fazit: Nützliches Tool
Das neue Dashboard ist kein reines Service-Tool, sondern ein Steuerungsinstrument.
Positiv für Händler:
- zentrale Übersicht
- bessere Ursachenanalyse
- ASIN-basierte Schwachstellen
- klare Trends statt Bauchgefühl
Kritisch zu sehen:
- Kennzahlen sind Amazon-definiert
- Rücksendungen werden stärker sanktionierbar
- Bewertungen und Retouren wachsen weiter zusammen
- Verantwortung wird vollständig auf Händler verlagert
Die eigentliche Botschaft von Amazon lautet:
Rücksendungen sind kein Kostenfaktor von Amazon – sondern ein Qualitätsproblem des Händlers.
Wer das Dashboard ignoriert, riskiert:
- steigende Gebühren
- schlechtere Sichtbarkeit
- langfristig echte Kontoprobleme
Dieses Tool ist kein Feind.
Aber es ist auch kein Freund.









Ich storniere jetzt schon Rücksendungen, wenn der Kunde eine falsche Begründung angibt, welche Möglichkeiten hat der Händler?