China erleichtert Retouren im Cross-Border-E-Commerce – neue Zollregel könnte Wettbewerb weiter verschieben

China baut seine Infrastruktur für den internationalen Onlinehandel weiter aus. Mit einer neuen Regelung erleichtert die chinesische Zollbehörde künftig die Rückführung von Waren aus dem Ausland.

Die General Administration of Customs (GACC) hat am 12. März 2026 angekündigt, dass eine neue Verordnung für grenzüberschreitende Rücksendungen im E-Commerce künftig landesweit eingeführt wird. Die Verordnung tritt am 1. April 2026 in Kraft.

Im Kern geht es um eine organisatorische Änderung, die für chinesische Händler erhebliche Auswirkungen hat: Retouren aus dem Ausland müssen künftig nicht mehr über denselben Zollstandort zurückgeführt werden, über den die Ware ursprünglich exportiert wurde. Für den internationalen E-Commerce bedeutet das eine deutliche Vereinfachung und Entlastung bei den Händlern.

Neue Regeln für Rücksendungen im Cross-Border-E-Commerce

Die Maßnahme betrifft ausschließlich Waren, die im sogenannten „9610-Modell“ exportiert werden. Dabei handelt es sich um das klassische Modell für Cross-Border-E-Commerce-Retail, bei dem einzelne Pakete aus China direkt an Endkunden im Ausland versendet werden.

Infobox: Was ist das 9610-Modell im E-Commerce?

Das „9610-Modell“ ist ein spezielles chinesisches Zollverfahren für den grenzüberschreitenden Onlinehandel (Cross-Border-E-Commerce). Es ermöglicht chinesischen Händlern, Waren direkt aus China an Endkunden im Ausland zu versenden.

Die Zahl 9610 ist der interne Zollcode für dieses Exportverfahren. Es wird vor allem für Einzelpakete an Verbraucher genutzt, die über Plattformen oder Onlineshops verkauft werden.

  • Versand einzelner Pakete direkt aus China an internationale Endkunden
  • typisch für Plattformen wie Temu, AliExpress, Shein oder TikTok Shop
  • vereinfachte Zollabwicklung für E-Commerce-Sendungen
  • digitale Übermittlung von Versand- und Bestelldaten an den chinesischen Zoll

Das Modell ist ein zentraler Bestandteil der chinesischen Strategie, den internationalen Onlinehandel systematisch auszubauen. Millionen Pakete werden täglich über dieses Verfahren exportiert.

Bislang war der Rückversand dieser Waren oft kompliziert organisiert. Rücksendungen mussten über denselben Zollbezirk zurückgeführt werden, über den sie exportiert wurden. Mit der neuen Regel wird dieses Verfahren deutlich flexibilisiert. Künftig gilt:

  • Retouren dürfen über andere Zollregionen zurückgeführt werden
  • die Ware muss nicht mehr über den ursprünglichen Exportzoll zurückkommen
  • Rücksendungen dürfen jedoch nur an registrierte E-Commerce-Zollstandorte geliefert werden
  • Unternehmen müssen ihre Logistik- und Produktionssysteme mit dem Zoll verknüpfen oder Datenzugriff ermöglichen

Die Regelung wird ab dem 1. April 2026 landesweit in allen chinesischen Zollbehörden angewendet.

Rücksendungen waren bisher ein strukturelles Problem

Der internationale Versand von Retouren nach China galt bislang als einer der größten Schwachpunkte des Cross-Border-E-Commerce-Modells. Für Verbraucher in Europa oder den USA ist eine Rücksendung häufig mit erheblichen Hürden verbunden: hohe Versandkosten, lange Transportzeiten und damit auch lange Erstattungszeiten.

Viele Händler versuchen deshalb, Rücksendungen möglichst zu vermeiden oder alternative Lösungen zu finden. In der Praxis hat sich ein weiteres Modell etabliert: Retouren werden häufig nicht nach China zurückgeschickt, sondern innerhalb Europas entsorgt.

Vernichtung von Retouren in Europa

Wortfilter liegen Informationen vor, dass große Fulfillment-Dienstleister für chinesische Händler entsprechende Dienstleistungen anbieten. Dabei handelt es sich um Services, bei denen Retouren gegen Gebühr direkt in Europa vernichtet werden, anstatt sie nach China zurückzuführen.

Der Grund ist wirtschaftlich einfach: Der Rückversand einzelner Produkte nach China ist in vielen Fällen teurer als der Warenwert selbst. Gerade bei günstigen Konsumartikeln – etwa aus den Bereichen Mode, Elektronikzubehör oder Haushaltswaren – wird deshalb häufig auf eine Rückführung verzichtet. Die neue Zollregel könnte diese Situation teilweise verändern.

Reaktion auf Kritik an chinesischen Plattformen?

Es ist denkbar, dass die Maßnahme auch eine Reaktion auf zunehmende Kritik an chinesischen Plattformen ist. In Europa wird immer wieder darauf hingewiesen, dass Verbraucher bei Rücksendungen an Händler aus China häufig vor praktischen Problemen stehen. Die Rückgabe von Waren ist zwar rechtlich möglich, logistisch und wirtschaftlich aber oft schwierig.

Mit einer flexibleren Rückführungsstruktur könnte China versuchen, dieses Problem zumindest teilweise zu entschärfen. Gleichzeitig erleichtert die Regel auch chinesischen Händlern die Organisation ihrer Retourenprozesse.

Wettbewerbsvorteil für chinesische Händler

Aus Sicht europäischer Händler wird die neue Regelung jedoch kritisch bewertet. Die Vereinfachung der Retourenlogistik stärkt in erster Linie die Position chinesischer Händler im internationalen Wettbewerb. Bereits heute profitieren viele Anbieter aus China von strukturellen Vorteilen:

  • sehr günstige Produktionskosten
  • staatlich geförderte Logistikinfrastruktur
  • aggressive Plattformstrategien
  • Steuerbetrug

Wenn nun auch die Rückführung von Retouren einfacher wird, sinkt eine weitere Hürde im internationalen Versandmodell chinesischer Händler. Im Preiswettbewerb mit europäischen Händlern kann das eine zusätzliche Rolle spielen.

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