Seit heute Vormittag berichten Händler in der Facebook Community und auch über andere Kanäle, dass sie, ohne jemals eine Zustimmung gegeben zu haben, eine Nachricht von eBay erhalten, in der der Marktplatz bestätigt, die Händler hätten der Lizenz zur Nutzung ihrer Bilder und Produktdaten durch eBay zugestimmt. Alle Händler bestreiten glaubhaft, dass sie nie eine solche Bestätigung abgegeben haben. Für eBay ist das ein Gau.

Umstrittene Bilderichtlinie

Die neue Datenrichtlinie, die ab Februar 2018 für alle Händler gilt, ist bei den Händlern sehr umstritten. Sie sieht vor, dass alle gewerblichen Verkäufer ihre Rechte an Bildern und Produktdaten an eBay übertragen. Damit will sich der Plattformbetreiber die Möglichkeit einräumen, seine Produkte besser zu bewerben und die Darstellung im Rahmen des Produktkataloges zu verbessern.

Wie im Frühjahr 2017 angekündigt, führen wir Änderungen bei der Nutzung von Bildern und sonstigen Produktdaten ein. Diese gelten bereits heute auf allen internationalen eBay-Websites und treten nun auch bei eBay.de in Kraft. Damit wollen wir die Sichtbarkeit von Angeboten mit Hilfe des eBay-Katalogs erhöhen und die Kauferfahrung verbessern. […]

[…] Ab dem 1. Februar 2018 gelten neue AGB. Die wichtigste Änderung ist, dass wir Sie auffordern werden, uns das Recht zur Nutzung Ihrer Bilder und sonstigen Produktdaten einzuräumen:

  • Bitte räumen Sie uns dieses Recht bereits ab Ende September 2017 im Rahmen einer Zusatzvereinbarung ein.
  • Spätestens bis zum 1. Februar 2018 müssen Sie die neuen AGB akzeptieren.
  • Sollten Sie nicht mit der Nutzung Ihrer Bilder und sonstiger Produktdaten durch eBay und andere eBay-Verkäufer einverstanden sein, löschen Sie die Angebote mit den betreffenden Produktdaten bitte bis zum 1. Februar 2018.

Wenn Sie der Geltung der neuen eBay-AGB bis zum 1. Februar 2018 nicht zugestimmt haben, müssen wir Ihr eBay-Konto ab dem 1. Februar 2018 vom Handel ausschließen.[…] (Quelle: Verkäuferportal)

Viele fassen dies als eine Zwangslizensierung auf, da sie keine Wahl haben, ihre Produkt- und Bilddaten nicht an den Marktplatz zu übertragen, wenn sie weiter dort handeln wollen.

Ich sehe den Sachverhalt etwas entspannter, da sich die Datenübergabe an den Markrtplatzbetreiber nicht wesentlich von der unterscheidet, die die Händler schon gegenüber Amazon abgegeben haben. Dort gab es dieses Theater nicht.

Und heute dann die eBay Nachricht

Zig Meldungen gab es in der Community, per Mail oder auch über Xing an Wortfilter. Unisono erklärten alle betroffenen Händler, dass sie zu keinem Zeitpunkt der AGB-Änderung zugestimmt hätten.

Verständlicherweise sorgte diese Nachricht für Aufregung und die Händler machen ihrer Wut Luft:

Ebay …. SPINNEN DIE JETZT KOMPLETT? Ich hatte div Fragen (vor ca. 8 Wochen) hinsichtlich der Rechteübertragung an ebay versandt ….. bis gestern unbeantwortet geblieben. Heute finde ich in meinen ebay Nachrichten die Mitteilung, dass ich der Rechteübertragung zugestimmt hätte. …. Hab ich nicht!!! … Anruf beim Concierge-Service. Antwort: „Ja, die Mail erhält jeder der der Rechteübertragung zugestimmt hat“ …. Ich: „Hab ich aber nicht“ ….. Antwort: “ Doch müssen sie ja – sonst hätten Sie ja nicht die Mail bekommen“ ….. Welche Logik! ….. Nun soll ich ebay wohl noch beweisen, dass ich niemals zugestimmt.

Ursache: Vermutlich ist es ein ganz übler Bug

eBay-Verkäufer, die sich sofort telefonisch an eBay wandten, erhielten die Auskunft, dass es sich vermutlich [!] um ein technisches Problem handeln würde. EBay selbst geht in Deckung und scheint den Kopf in den Sand zu stecken. Weder sind meine 3 Presseanfragen beantwortet noch scheint eBay im Rahmen ihrer Händlernews einen Hinweis oder eine Entwarnung geben zu wollen. Schade.

Ein super Gau für eBay

Ebay hat es mit seinen Händlern eh nicht leicht. Zu oft sind Dinge schief gelaufen, Ankündigungen und Versprechen enttäuschend umgesetzt worden und nun auch noch die umstrittene Bilderrichtlinie. Nicht wenige Händler schimpfen über rückläufige Umsätze, die sie sich nicht erklären können.

Jetzt auch noch diese ‚Fakenews‘. Das muss nicht sein und ich kann es auch langsam nicht mehr nachvollziehen. Das ist ein Fehler, der nicht hätte passieren dürfen. Zumindest nicht in der jetzigen Zeit, in der die Plattform versucht, ihr Image gegenüber den Händlern und Verbrauchern aufzupolieren.

Und sind wir mal ehrlich: Die Händler hatten dieses Jahr nicht gerade wenig Veränderungen aus dem Hause eBay zu verdauen.

Was sollten die Händler nun machen?

Händler, die den neuen AGB nicht zustimmen wollen, droht ein Ausschluss von der Plattform ab kommendem Jahr. Sie sollten also jetzt der Annahme schriftlich widersprechen.

Händler, die eh ihre Zustimmung zu den neuen AGB geben wollten, sollten abwarten, ob eBay sich zu der ‚Bestätigung‘ äußert. Unter Umständen sollten sie dann noch einmal ihre Willenserklärung wiederholen.

Meine Meinung

Nee, die wollt ihr nicht hören. Ich habe kaum Verständnis für den Bug und der schlechten Kommunikation. Hier ein Bug, da ein Bug … ist das auf anderen Marktplätzen auch so?

Knappes Update 30. November

Da sich gemessen an der Größe des Mailverteilers eine nur geringe Anzahl an Händlern gemeldet haben, lässt sich noch kein Indiz finden. Aber: eBay forscht weiter und wird sich melden. So weit die Wasserstandsmeldung. Find ich nett, dass es ein Feedback gibt.