eBay kauft Depop: Zugriff auf Gen Z – und ein Design-Asset mit Milliarden-GMV
eBay übernimmt die Fashion-Resale-App Depop von Etsy. Der Kaufpreis liegt bei 1,2 Milliarden US-Dollar; Closing wird für das zweite Quartal 2026 erwartet. Depop soll als eigenständige Marke innerhalb von eBay weitergeführt werden.
Für eBay ist die Transaktion strategisch: Zugang zu einer jungen, mobilen Zielgruppe – und zu einem schnell wachsenden Second-Hand-Markt.
Wer ist Depop?
Depop ist eine Social-Commerce-geprägte Resale-Plattform mit Fokus auf Fashion, Vintage und Streetwear. Die App verbindet Marktplatzlogik mit einem Social-Feed-Erlebnis, das stark an TikTok oder Instagram erinnert.
Zahlen (2025):
- ~1 Mrd. US-Dollar GMV (Gross Merchandise Volume)
- ~7 Mio. aktive Käufer
- >3 Mio. aktive Verkäufer
- ~90 % der aktiven Nutzer unter 34 Jahren
- Rund 60 % Umsatzwachstum im US-Markt (YoY)
Damit ist Depop eine relevante Resale-Plattformen für Gen Z. Der Second-Hand-Bekleidungsmarkt soll laut Branchenstudien bis 2029 auf 367 Mrd. US-Dollar wachsen und deutlich schneller expandieren als der Gesamt-Apparel-Markt.
Warum das für eBay strategisch Sinn macht
1. Demografischer Hebel
eBay gewinnt mit Depop direkten Zugang zu einer Generation, die Second-Hand als Standard betrachtet. Millennials und Gen Z waren bereits in den vergangenen Jahren die stärksten Treiber des eBay-Käuferwachstums.
Depop liefert:
- junge Käufer
- mobile Nutzung
- Social-Commerce-Affinität
- hohe Engagement-Raten
Das ist für eBay relevanter als reines GMV-Volumen. Weil nachhaltiger.
2. Design und UX als Wettbewerbsvorteil
Design-Beobachter – unter anderem in einem Beitrag von Fast Company – sehen Depop als derzeit visuell stärkste Resale-Plattform.
Die App:
- nutzt Social-Media-ähnliche Feeds
- setzt auf visuelle Dominanz statt Listenstruktur
- integriert Creator-Ästhetik
- fühlt sich eher wie ein soziales Netzwerk als wie ein Marktplatz an
Für digital-native Nutzer ist das kein Detail, sondern entscheidend für Conversion und Wiederkehrrate. eBay bekommt damit nicht nur Nutzer, sondern ein Produktdesign, das näher an TikTok als an klassischen Marktplätzen ist.
3. Resale-Dynamik als Wachstumstreiber
Resale ist strukturell im Aufwind:
- Nachhaltigkeit als Kaufargument
- Preissensibilität bei jüngeren Zielgruppen
- Social-Shopping-Mechaniken
- Community-getriebene Trends
Depop positioniert sich genau an dieser Schnittstelle aus Mode, Community und Commerce.
- 2011–2021: Depop (eigenständig/privat).
- 2021: Etsy kündigt Übernahme an: ~1,625 Mrd. USD (mostly cash).
- 2026: eBay kündigt Übernahme von Etsy an: ~1,2 Mrd. USD (Cash), Closing erwartet Q2/2026 (vorbehaltlich Freigaben). Depop soll als Marke/Plattform eigenständig bleiben.
- Aktive Käufer (Ende 2025): ~7 Mio.
- Aktive Verkäufer (Ende 2025): >3 Mio.
- Anteil unter 34 Jahren (aktive Käufer): ~90%.
- GMV / Gross Merchandise Sales 2025: ~1,0 Mrd. USD.
- Registrierte Nutzer: ~56,3 Mio. (Unternehmensangabe).
- Kumuliert verkaufte Waren über die Community (to date): >6 Mrd. USD (Unternehmensangabe).
- Items for sale: >68 Mio. (Unternehmensangabe).
- Neue Listings pro Tag: bis zu 600.000 (Unternehmensangabe).
- Google Play (öffentlich): 10 Mio.+ Downloads (Android).
- Appfigures (Schätzung): seit 2017 rund 23,3 Mio. neue Downloads (iOS + Google Play).
- Business-of-apps (Zusammenfassung/Schätzung): insgesamt ca. 35 Mio. Downloads (basierend auf Appfigures).
- Downloads Deutschland (Schätzung Priori Data, Stand 2019/Artikel): ca. 244.000 Depop-Downloads insgesamt.
- Vergleich (Schätzung Priori Data, Stand 2019/Artikel): ca. 6,7 Mio. Vinted-Downloads.
Nutzung in Deutschland: Gering im Vergleich zu Vinted
In Deutschland ist Depop bislang deutlich kleiner als Wettbewerber wie Vinted oder Kleinanzeigen.
Laut Priori-Data-Schätzung (zitiert von OMR ):
- ~244.000 Depop-Downloads gesamt in Deutschland (Stand 2023)
- ~6,7 Mio. Downloads für Vinted im gleichen Zeitraum
Community-Feedback (z. B. auf r/germany) bestätigt das Bild: Depop ist bekannt, aber keine dominante Plattform. Der Second-Hand-Markt wird hier klar von Vinted und Kleinanzeigen geprägt.
Das bedeutet:
- In Deutschland ist Depop aktuell kein Massenphänomen
- Der Marktanteil ist gering
- Wachstumspotenzial wäre vorhanden – aber aus einer kleinen Basis heraus
Für eBay ist der Deal daher primär ein US-/UK- und globales Zielgruppeninvestment, weniger ein unmittelbarer Deutschland-Move.
Marktposition im internationalen Kontext
Mit rund 1 Mrd. US-Dollar GMV bleibt Depop deutlich kleiner als eBay selbst, aber im Resale-Segment relevant.
Zum Vergleich:
- Depop: ~1 Mrd. USD GMV
- starke US-Wachstumsdynamik
- junge Community-Bindung
Die Plattform funktioniert weniger als klassischer Preisvergleichs-Marktplatz, sondern stärker als Trend-Discovery-App.
Einordnung
Die Übernahme ist weniger eine Volumen-Akquisition als eine strategische Verjüngung. eBay kauft sich mit Depop vor allem vier Dinge ein: Reichweite in der Gen-Z-Zielgruppe, eine funktionierende Social-Commerce-UX, das aktuell starke Resale-Momentum und eine hochaktive Community. Es geht nicht primär um Umsatzgröße, sondern um Relevanz bei einer Generation, die klassische Marktplätze zunehmend links liegen lässt und bei der eBay unbekannt ist.
In Deutschland bleibt Depop allerdings vorerst eine Nischenerscheinung. Während Plattformen wie Vinted und Kleinanzeigen den Second-Hand-Markt klar dominieren, spielt Depop hierzulande bislang kaum eine Rolle. Global betrachtet verschafft die Plattform eBay jedoch Zugang zu einer jungen, mobilen und trendgetriebenen Käuferschicht – genau dort, wo Wachstum im Resale-Segment entsteht.
Was die Übernahme bemerkenswert macht: Vor ein paar Jahren hat eBay seine eigene Second-Hand-Perle eBay Kleinanzeigen verkauft. Jetzt holt man sich mit Depop im Kern wieder ein sehr ähnliches Geschäftsmodell ins Haus. Der Autor glaubt, dass eBay diesen Verkauf mittlerweile als strategischen Fehler erkennt – und nun versucht, verlorenes Terrain über einen Umweg zurückzugewinnen.
Doch es gibt noch einen zweiten Punkt, der nachdenklich stimmt. Abgesehen von PayPal und eben Kleinanzeigen gab es in der Geschichte von eBay kaum eine Übernahme, die langfristig wirklich erfolgreich war. Ob Magento, Skype, Afterbuy, Terapeak oder Brands4friends – viele dieser Akquisitionen wurden integriert, vernachlässigt oder strategisch zerfahren, bis am Ende wenig übrig blieb.
Genau deshalb ist die Depop-Übernahme vielleicht ein Sargnagel. Für Depop.
Es bleibt zu hoffen, dass eBay ausnahmsweise einmal die richtige Rolle einnimmt: Kapital bereitstellen, Infrastruktur stärken, Skalierung ermöglichen – und sich ansonsten operativ weitgehend heraushält. Depops Stärke liegt in Community, Design und Kultur. Das sind genau die Bereiche, in denen große Konzerne erfahrungsgemäß am meisten kaputtoptimieren.
Aktuell lässt sich die Übernahme noch nicht als klar positiv für Depop bewerten. Sie kann Wachstum ermöglichen – sie kann aber genauso gut in ein paar Jahren das Ende einer bislang sehr gut funktionierenden Plattform bedeuten.





