Du willst eine Totgeburt inklusive Kundenverarsche 4.0 sehen? Hier bist du richtig!

Das E/D/E, Einkaufsbüro des Eisenhandels, ist ein mittelständisches Familienunternehmen. Es ist Europas größter Einkaufs- und Marketingverbund für Werkzeuge und Betriebseinrichtungen mit rund 1300 angeschlossenen Betrieben. Vorzugsweise wird der Fach- und Einzelhandel beliefert. Das Handelsvolumen von 2014 belief sich über 5,3 Milliarden €.

Toolineo.de soll nun ein Marktplatz sein, über den die Fach- und Einzelhändler des Einkaufsverbundes ihre Artikel Handwerkern und Konsumenten anbieten können. Das Alleinstellungsmerkmal soll die fachspezifische Beratungsdienstleistung sein! Derzeit nehmen elf Händler mit 329 Marken und 50.862 Produkten teil.

Mitgeschäftsführer von Toolineo ist Hendrik Saßmann ein ehemaliger Home-24-Mann. Eigentlich hätte man vermuten können, dass diese Idee des Marktplatzes somit keine Totgeburt ist.

Aber warum ist nun Toolineo so schlecht? Ganz einfach, weil die Basics des E-Commerce offensichtlich missachtet werden und das auf eine ganz erschreckende Art und Weise!

Das Bezahlsystem

Nicht neu ist, dass das Payment für die Konversion in einem Onlineshop maßgeblich mitverantwortlich ist. Das scheint aber Herr Saßmann konsequent zu ignorieren. Toolineo kennt weder Vorkasse noch PayPal noch sonst eine bekannte Zahlweise. Sogar Nachnahme scheint Toolineo unbekannt zu sein. Kunden können lediglich auf Rechnung kaufen, sofern sie denn die Bonitätsprüfung der hauseigenen Bank bestehen oder eine Kreditkarte nutzen.

Versandkosten

Legt man sich nun mehrere Artikel von unterschiedlichen Anbietern in den Warenkorb, so fallen die Versandkosten pro Händler an. Das ist natürlich für den Kunden ärgerlich. Recht freimütig legen dann auch die teilnehmenden Händler ihre Versandkosten fest. So kann man zum Beispiel bei Emil Volz Werkzeughandelsgesellschaft mbH satte 5,95 € Versandkosten für ein Schild bezahlen, welches gerade einmal 11,33 € kostet. Respekt!

Versandzeiten

Bei den Lieferzeiten, scheint Toolineo wohl auch nur die Frist von ein bis zwei Werktagen zu kennen. So scheint jedenfalls die Einstellung bei den meisten Händlern zu sein. Daher wohl auch diese unglaubliche Werbeaussage:

„Deshalb geht Toolineo in Sachen Lieferverbindlichkeit auch keine Kompromisse ein. Alle Prozesse sind darauf ausgelegt, Ihre Bestellungen schnellstmöglich und termingerecht anzuliefern. In der Regel können Sie davon ausgehen, dass die von Ihnen auf Toolineo georderte Ware innerhalb von maximal 2 Werktagen ausgehändigt wird.“

Jetzt frage ich mich wirklich, was an zwei Tagen schnell sein soll? Man bedenke: Amazon liefert in einigen Ballungsräumen bereits innerhalb weniger Stunden aus. Da finde ich die Aussage von Toolineo schon sehr vermessen, zu behaupten, man würde keine Kompromisse beim Versand eingehen. Ich kann noch deutlicher schreiben: Das ist Kundenverarsche 4.0!

Produktdaten

Auch die Produktdaten scheint Toolineo nicht als sonderlich wichtig anzusehen. Vergleiche einmal das Toolineo-Angebot mit dem von Amazon. Unglaublich der Unterschied. Eine Gewichtsangabe fehlt bei Toolineo vollständig.

Preissetzung

Das obige Beispiel zeigt schon recht deutlich, wie sich das Preisniveau von Toolineo darstellt. Ich selber habe zig Artikel recherchiert und verglichen, aber ich habe keinen einzigen Artikel gefunden, der günstiger war, als bei Amazon. Selbst das angebliche Topangebot, ein GEDORE Maulschlüsselsatz, ist bei Amazon günstiger zu finden. Wer also Spaß hat, Geld aus dem Fenster zu werfen, für den ist Toolineo eine echte Möglichkeit.

Benutzerfreundlichkeit

Ich habe nicht viel Ahnung davon, Kunden- oder Benutzerfreundlichkeit zu bewerten. Darum greife ich nur auf meinen eigenen Erfahrungsschatz zurück. Aber es überkommt mich das Grauen, wenn ich Toolineos Check-out-Prozess durchlaufe. Ein Hin und Her. Doppeltes Eingeben von Daten. Da macht das Einkaufen keinen Spaß. Und ich frage mich wirklich, ob es außer ein paar bezahlten Testkäufern wirklich echte Kunden gibt, die sich diesen Scheiß antun!

Geolokalisierung

Was aber richtig nervt, ist die Standortbestimmung, die Toolineo gerne hätte. Da reicht es nicht, einmal „Nein“ zu sagen. Nö! Bei jedem Seitenaufruf darf man die aufdringliche Standortnachfrage wegklicken. Hätte ich diesen Marktplatz nicht testen wollen, hätte ich bereits nach der ersten Aufforderung die Internetseite wieder verlassen.

 

Servicetelefon

Und dann das Ding mit der „fachhandelstypische Beratungsdienstleistung“! Natürlich habe ich auch einmal die Beratungsleistung überprüfen wollen und habe die Servicenummer angerufen. Ich hatte eine spezielle Frage, zu einer Artikelnummer von Ersatzkohlen eines Winkelschleifers. Bevor ich diese Frage überhaupt stellen konnte, teilte man mir am Servicetelefon mit, bei produktspezifischen Anfragen könne man mir nicht helfen.

Meine Katzen haben sich erschrocken, als mir meine Kinnlade runterfiel. Was ist das für ein Mist? Ich hätte ja nun wirklich alles erwartet. Vielleicht einen genervten Mitarbeiter oder einen, dienstleistungsunlustigen Verkäufer, aber bei Weitem nicht die Aussage, das man über die Produkte, die man auf dem Marktplatz anbietet, keine Auskunft geben könne.

Ganz ehrlich: Da komme ich mir schon ein wenig verscheißert vor. Ich frage mich wirklich, was man beim E/D/E, unter fachhandelsspezifischer Beratungsdienstleistungen versteht!

Am Rande: Die Überschrift der Pressemitteilung von E/D/E ist witzig! Achtung! „Neuer PVH-Vertriebskanal Toolineo ist online“. Na? Wer von euch weiß denn, was die Abkürzung PVH bedeutet? Ich wusste es jedenfalls nicht und brauchte 5 Minuten, um es herauszufinden. PVH bedeutet: Produktionsverbindungshandel. Da muss schon jemand sehr schräg unterwegs gewesen sein, der sich ein solches Wort hat einfallen lassen.

Fazit:

Ich fand ja schon Procato als Marktplatzlösung schlecht. Aber Toolineo setzt noch mal so richtig einen drauf! Frei nach dem Motto: Da geht noch was.

Man muss sich die Frage stellen dürfen, ob der E/D/E, Hendrik Saßmann, oder sonst ein Verantwortlicher, an akutem Realitätsverlust leidet oder ob das Geschäftsmodell schlicht Kunden verarschen will.

Es ist erschreckend, wie ein an und für sich solides, gut aufgestelltes, mittelständisches Unternehmen, seine Chancen, sich im E-Commerce zu positionieren, derart verkackt. Schade!