Der Rat der Europäischen Union hat am 12. Dezember 2025 beschlossen, ab dem 1. Juli 2026 einen festen Zoll von 3 Euro auf Kleinsendungen unter 150 Euro zu erheben. Betroffen sind vor allem Waren, die über den E-Commerce direkt aus Drittstaaten – insbesondere aus China – in die EU geliefert werden.

Damit endet vorerst die Zollfreiheit für Millionen kleiner Pakete, die bislang nahezu ungehindert in die EU eingeführt wurden. Aber das Kernproblem ist damit nicht gelöst.

Fasse den Artikel im Bullet-Stil zusammen.

Worum es konkret geht: Ende der Zollfreiheit für Kleinsendungen

Bislang konnten Waren mit einem Sachwert unter 150 Euro zollfrei in die EU eingeführt werden. Genau diese Regelung wurde in den vergangenen Jahren massiv ausgenutzt – vor allem durch Direktversandmodelle aus China, die über Plattformen wie TikTok Shop, Temu, Shein, Amazon oder eBay laufen.

Ab dem 1. Juli 2026 gilt nun:

  • 3 Euro Zoll pro Artikel
  • unabhängig vom Warenwert, solange er unter 150 Euro liegt
  • Anwendung auf 93 % aller E-Commerce-Sendungen in die EU
  • Voraussetzung: Der Verkäufer ist im IOSS-System für die Mehrwertsteuer registriert

Die Maßnahme ist ausdrücklich als Übergangslösung gedacht, bis eine dauerhafte Abschaffung der 150-Euro-Freigrenze greift.

Warum die EU handelt: Wettbewerb, Sicherheit, Betrug

Der Rat nennt mehrere Gründe für den Schritt:

  • Unfaire Wettbewerbsbedingungen gegenüber EU-Händlern
  • Gesundheits- und Sicherheitsrisiken durch ungeprüfte Waren
  • Hohe Betrugsanfälligkeit bei Deklaration, Wertangaben und Absendern
  • Umweltbelastung durch massenhafte Einzelpakete

Kurz gesagt: Die Politik hat erkannt, dass das bisherige System strukturell missbraucht wird – insbesondere im China-Direktversand.

Was das für Dropshipping-Händler konkret bedeutet

Für Händler ist die Regelung schnell zusammengefasst:

👉 Das klassische Dropshipping-Modell mit China-Direktversand wird teurer.

Ab dem 1. Juli 2026 gilt:

  • Jede Sendung unter 150 Euro kostet 3 Euro zusätzlich
  • besonders relevant bei Produkten zwischen 5 und 20 Euro
  • Margen werden in diesem Segment massiv belastet

Die logischen Optionen für Händler:

  1. Preise erhöhen und die 3 Euro einkalkulieren
  2. Produkte über 150 Euro verkaufen
  3. Abschied vom Direktversand und Wechsel zu Fulfillment in der EU

Gerade im Niedrigpreissegment ist klar: Drei Euro Zoll ist ein Margenkiller.

Trifft das China-Händler wirklich?

Jein.

Natürlich wird es für viele chinesische Händler komplizierter, vor allem für jene, die selbst nach dem Dropshipping-Prinzip arbeiten – also Ware on demand einkaufen und direkt weiterleiten. Dieses Modell ist in China weit verbreitet.

Aber:
Die großen Plattformen arbeiten längst daran, genau dieses Problem zu umgehen.

Plattformen kontern – mit Fulfillment statt Direktversand

Ob TikTok, Temu, Shein, eBay oder Amazon:
Alle investieren in Fulfillment-Lösungen für chinesische Händler.

Aktuell besonders auffällig:

  • Amazon ermöglicht chinesischen Händlern verstärkt Konsolidierung in China
  • Ware wird gebündelt nach Europa gebracht
  • anschließend Versand aus FBA-Lagern innerhalb der EU

Das Ergebnis:

  • Kein Einzelpaket mehr
  • Kein 3-Euro-Zoll pro Artikel
  • Keine echte strukturelle Benachteiligung

Die Maßnahme trifft daher nicht die großen Player, sondern vor allem:

  • kleine Dropshipper
  • Niedrigpreisanbieter
  • Händler ohne Zugang zu Plattform-Fulfillment

Warum das Ganze nach Aktionismus aussieht

So richtig konsequent ist die Lösung nicht.

Ja, der 3-Euro-Zoll:

  • ist nicht falsch
  • setzt ein politisches Signal
  • bremst extreme Billigangebote

Aber:
👉 Das Kernproblem wird nicht gelöst.

Solange chinesische Händler:

  • EU-Recht faktisch nicht durchsetzen müssen
  • kaum greifbar sind
  • auf ihre Zahlungsströme nicht zugegriffen werden kann

… bleibt der Wettbewerb verzerrt.

Was wirklich helfen würde

Wenn man es ernst meint, müsste man:

  • Rechtsdurchsetzung gegen Drittlandshändler ermöglichen
  • Zugriff auf Payment-Konten bei Verstößen durchsetzen
  • Plattformen konsequent in Haftung nehmen
  • Marktüberwachung digital und grenzüberschreitend organisieren

Ein pauschaler 3-Euro-Zoll ist dafür allenfalls ein Pflaster, aber keine Therapie.

Fazit: Nicht falsch – aber zu kurz gedacht

Der neue Zoll auf China-Direktsendungen ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber kein Gamechanger. Er belastet vor allem kleine Händler und das Niedrigpreissegment, während große Plattformen längst Ausweichstrategien etabliert haben.

Wer fairen Wettbewerb will, muss tiefer ansetzen – bei Durchsetzung, Haftung und Zahlungsströmen. Alles andere bleibt Symbolpolitik.


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