Italien hat seine zum 1. Januar 2026 eingeführte €2-Abgabe auf Pakete unter 150 Euro  vorläufig auf Eis gelegt. Das italienische Finanzministerium (MEF) bestätigte am 12. März, dass die Steuer bis zum 30. Juni 2026 ausgesetzt wird – offiziell wegen technischer Probleme bei den Zollinformationssystemen.

Fasse den Artikel im Bullet-Stil zusammen.

Was Italien eigentlich wollte

Die €2-Abgabe war Teil des italienischen Haushaltsgesetzes 2026 und sollte ab dem 1. Januar auf alle Nicht-EU-Pakete unter 150 Euro erhoben werden. Ziel: Die explosionsartig wachsenden Importe von Plattformen wie Shein, Temu & Co. einbremsen und gleichzeitig Einnahmen generieren. Das Finanzministerium kalkulierte mit 123 Millionen Euro Steuereinnahmen für 2026, ab 2027 sogar mit 245 Millionen Euro jährlich. Allein 327 Millionen Sendungen pro Jahr waren bislang zollfrei in Italien aufgeschlagen.

Das eigentliche Problem: Der EU-Binnenmarkt macht die Steuer löchrig

Was gut klingt, scheitert an der Realität des europäischen Binnenmarkts. Händler können Sendungen schlicht über Länder ohne Paketsteuer – etwa Belgien oder die Niederlande – einschleusen und dann auf dem Landweg nach Italien transportieren. Die Folge: Italiens Flughäfen verloren Frachtvolumen, Landeentgelte, Handlingsgebühren und Arbeitsplätze in der Logistik. Statt die chinesische Billigkonkurrenz einzudämmen, schadete die Steuer vor allem der italienischen Logistikbranche. Ein ähnliches Problem ereilt uns auch hier in Deutschland.

Europa im Flickenteppich-Modus

Italien ist kein Einzelfall. Frankreich, Belgien, Rumänien und die Niederlande haben ähnliche nationale Regelungen geplant oder bereits eingeführt – mit unterschiedlichen Gebührensätzen, Ausnahmen und Startterminen. Rumänien erhebt seit Januar 2026 bereits eine Abgabe von 25 Lei (rund 5 Euro). Frankreich hat seine Version verabschiedet, Belgien hat seine zurückgezogen. Dieser Flickenteppich schafft exakt die Umgehungsanreize, die er eigentlich verhindern sollte.

Die EU-weite Lösung kommt – aber spät

Der EU-Rat hat sich auf eine einheitliche Lösung geeinigt: Ab dem 1. Juli 2026 wird eine €3-Gebühr auf alle Nicht-EU-Pakete unter 150 Euro EU-weit fällig. Das ist als Übergangslösung konzipiert, bis das EU-Zoll-Datensystem 2028 vollständig operativ ist. Ab 2028 soll die bisherige 150-Euro-Freigrenze vollständig entfallen – dann werden alle Pakete aus Nicht-EU-Ländern ab dem ersten Euro besteuert. Italiens Entscheidung, die eigene Steuer bis Ende Juni auszusetzen, passt genau in diesen Zeitplan.

Was das für Händler bedeutet

Für China-Händler, die Ware aus China nach Europa importieren oder dort verkaufen, ist die Lage klar: Die Ära der zollfreien Kleinsendungen endet. Wer sein Geschäftsmodell noch auf der 150-Euro-Freigrenze aufgebaut hat, hat jetzt Pech. EU-Lager aufbauen, Sendungsgrößen optimieren, Preismodelle anpassen – das sind die Hausaufgaben. Ab Juli 2026 gilt die €3-Gebühr EU-weit, 2028 fällt die Freigrenze ganz. Die Zeit läuft.


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