Die Modern Solution GmbH & Co. KG, JTL-Agentur und verantwortlich für das von wortfilter.de aufgedeckte Datenleck, ist insolvent. Die Server sind abgeschaltet, die Websites des Unternehmens nicht mehr erreichbar. Kunden wurden offenbar nicht informiert.

Für zahlreiche Händler bedeutet das: Shop tot, JTL-Wawi tot, Mails sind tot, Schnittstellen tot – und niemand erreichbar, der helfen könnte.


Fasse den Artikel im Bullet-Stil zusammen.


Wie die Insolvenz von Modern Solution bekannt wurde

Der Stein kam heute ins Rollen, als sich ein Händler bei einem anderen JTL-Servicepartner meldete. Sein Onlineshop und sogar seine Domain waren plötzlich nicht mehr erreichbar. Dadurch wurde die Abschaltung überhaupt bemerkt.

Kurz darauf gab es im JTL-Servicepartner-Slack Meldungen zu Modern Solution. Mehrere Dienstleister bestätigten, dass es zahlreiche betroffene Händler gebe – und dass bei Modern Solution niemand mehr erreichbar sei.

Eine direkte Anfrage bei InnoCigs brachte am Abend schließlich Klarheit: Modern Solution habe kürzlich Insolvenz angemeldet. Eine Veröffentlichung auf insolvenzbekanntmachungen.de ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht zu finden.


Modern solution Insolvenz

Wer war Modern Solution?

Die Modern Solution GmbH & Co. KG wurde 2019 von Timo Tyrakowski und René Grünhagen in Gelsenkirchen gegründet. Das Unternehmen war zeitweise JTL-Servicepartner und betreute zahlreiche Händler – inklusive Hosting von JTL-Wawi, Shops und Schnittstellen.

Nach dem öffentlich gewordenen Modern-Solution-Datenleck, das wortfilter.de aufgedeckt hatte, schrumpfte die Agentur deutlich. 2022 erfolgte der Umzug nach Gladbeck. In der Folge verlor Modern Solution auch den Status als JTL-Servicepartner und verschwand aus dem offiziellen Partnerverzeichnis.

Die wirtschaftlichen Folgen dieses Datenlecks waren damals bereits absehbar. Heute zeigt sich, wie tief die Wunden waren.


Die Folgen für Händler: ein Worst-Case-Szenario

Für die betroffenen Händler ist die Situation dramatisch – und in vielen Fällen existenzbedrohend.

Stell dir vor:

  • Deine JTL-Wawi ist von einem Moment auf den anderen nicht mehr erreichbar
  • Du kannst keine Bestellungen verarbeiten, keine Rechnungen schreiben, keine Ware versenden
  • Deine Onlineshops sind offline, weil sie bei Modern Solution gehostet wurden
  • Unter Umständen ist sogar deine Domain nicht mehr erreichbar oder verloren
  • Du kannst keine Mails mehr senden und empfangen
  • Historische Daten, Kundendaten, Bestellungen, Buchhaltungsdaten: weg
  • OSS-Meldungen oder USt-Voranmeldungen können eventuell nicht fristgerecht abgegeben werden

Besonders kritisch ist die Situation für Händler, die die InnoCigs-Schnittstelle genutzt haben. Diese ist ebenfalls abgeschaltet.
Das bedeutet: Bestellungen kommen zwar rein – können aber nicht mehr an InnoCigs übermittelt werden. Kunden zahlen, bekommen aber keine Ware.

Wer zusätzlich über Plattformen wie Amazon, eBay oder Otto verkauft, steht vor dem nächsten Risiko: Account-Sperrungen wegen Nichterfüllung von Bestellungen drohen akut.

Das ist der denkbar schlimmste Fall, der einem Onlinehändler passieren kann.


Was Händler jetzt tun können – und was nicht

Die bittere Wahrheit: Kurzfristig können Händler kaum etwas tun.

Im Moment bleibt nur:

  • hoffen, dass bekannt wird, wo die Daten liegen
  • hoffen, dass der zugrunde liegende Hoster die Server noch einmal hochfährt
  • hoffen, dass Backups existieren, auf die zugegriffen werden kann

Modern Solution dürfte als Reseller agiert haben und die Server selbst angemietet haben. Ob und wie lange ein Hoster diese Daten noch vorhält, ist unklar.

Der Schaden wird für viele Händler erheblich sein – für einige vermutlich existenzgefährdend.

Was Händler sofort tun sollten:

  • Plattformen über die Situation informieren
  • Sobald ein Insolvenz-Aktenzeichen bekannt ist, dieses aktiv an Amazon, eBay, Otto & Co. kommunizieren
  • Dokumentieren, warum Bestellungen nicht ausgeliefert werden können

JTL und die Verantwortung gegenüber Händlern

An dieser Stelle muss auch über JTL gesprochen werden. Denn JTL ist hier nicht nur Zuschauer.

Historisch betrachtet drängen sich mehrere Fragen auf:

  • Hätte das Drama verhindert werden können?
  • Warum war JTL damals so eng mit Modern Solution verbunden?
  • Warum wurde nach dem Datenleck nicht offensiver gewarnt?

Schon damals kritisierte wortfilter.de, dass JTL für eine Schnittstelle geworben hat, ohne diese ausreichend zu prüfen. Das Datenleck war kein Randthema, sondern ein massiver Vertrauensbruch.

Zwar entzog JTL später die Servicepartnerschaft – gleichzeitig aber wurde Modern Solution aus Händlersicht weiter geschützt. Eine klare Warnung an Händler oder ein strukturierter Übergang zu anderen Dienstleistern fand nicht statt.

Wenn ein Softwareanbieter massiv mit einem Partner wirbt, sollte er auch Verantwortung übernehmen, wenn dieser Partner scheitert. Ein geordneter Rückzug, eine koordinierte Umverteilung der Händlerkunden – all das wäre möglich gewesen.


Das strukturelle Problem: JTL, Hosting und Abhängigkeiten

Der Fall zeigt ein grundsätzliches Problem der JTL-Infrastruktur:

  • JTL ist kein echtes Cloud-System
  • Zugriff erfolgt häufig über RDP-Konstrukte
  • Externes Hosting bei Drittanbietern ist weit verbreitet – und riskant

Wer Wawi und Shop bei Drittanbietern wie Modern Solution oder zum Beispiel ecomDATA hostet, setzt sich immer dem Risiko aus, dass diese Anbieter plötzlich vom Markt verschwinden.

Das ist kein theoretisches Risiko – es ist jetzt Realität. Wer direkt bei JTL hostet, minimiert dieses Risiko deutlich.
Zusätzlich gilt – auch wenn es unbequem ist:

👉 Tägliche Backups auf eigenen Systemen, mindestens der Datenbank, sind Pflicht.
Dass das viele Händler nicht machen, ändert nichts an der Notwendigkeit.


Was wir daraus lernen müssen

Auch 2026 geht es dem Onlinehandel nicht gut. Dienstleister werden weiter scheitern, verkauft oder insolvent gehen.

Jeder Händler sollte sich deshalb ehrlich fragen:

  • Was passiert, wenn mein Dienstleister morgen weg ist?
  • Wie lange bin ich ohne Wawi handlungsunfähig?
  • Wo liegen meine Daten – und wer kommt ran?

Diese Fragen tun weh. Aber sie sind notwendig. Der Fall Modern Solution wird kein Einzelfall bleiben.
Er soll euch wach rütteln – euch Händler, die Dienstleister und auch JTL selbst.

Wer dieses Risiko jetzt nicht ernst nimmt, wird beim nächsten Mal vielleicht selbst betroffen sein und die Segel streichen müssen.


Update

Die Seiten sind wieder etwas erreichbar

Ob Händlerdaten und Installationen erreichbar sind ist noch unklar.

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