Die Modern Solution GmbH & Co. KG, JTL-Agentur und verantwortlich für das von wortfilter.de aufgedeckte Datenleck, ist insolvent. Die Server sind abgeschaltet, die Websites des Unternehmens nicht mehr erreichbar. Kunden wurden offenbar nicht informiert.
Für zahlreiche Händler bedeutet das: Shop tot, JTL-Wawi tot, Mails sind tot, Schnittstellen tot – und niemand erreichbar, der helfen könnte.
Inhaltsverzeichnis
- Wie die Insolvenz von Modern Solution bekannt wurde
- Wer war Modern Solution?
- Die Folgen für Händler: ein Worst-Case-Szenario
- Was Händler jetzt tun können – und was nicht
- JTL und die Verantwortung gegenüber Händlern
- Das strukturelle Problem: JTL, Hosting und Abhängigkeiten
- Was wir daraus lernen müssen
- Update
- Update1
- Update2
- Update3
- Update4
Fasse den Artikel im Bullet-Stil zusammen.
Wie die Insolvenz von Modern Solution bekannt wurde
Der Stein kam heute ins Rollen, als sich ein Händler bei einem anderen JTL-Servicepartner meldete. Sein Onlineshop und sogar seine Domain waren plötzlich nicht mehr erreichbar. Dadurch wurde die Abschaltung überhaupt bemerkt.
Kurz darauf gab es im JTL-Servicepartner-Slack Meldungen zu Modern Solution. Mehrere Dienstleister bestätigten, dass es zahlreiche betroffene Händler gebe – und dass bei Modern Solution niemand mehr erreichbar sei.
Eine direkte Anfrage bei InnoCigs brachte am Abend schließlich Klarheit: Modern Solution habe kürzlich Insolvenz angemeldet. Eine Veröffentlichung auf insolvenzbekanntmachungen.de ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht zu finden.

Wer war Modern Solution?
Die Modern Solution GmbH & Co. KG wurde 2019 von Timo Tyrakowski und René Grünhagen in Gelsenkirchen gegründet. Das Unternehmen war zeitweise JTL-Servicepartner und betreute zahlreiche Händler – inklusive Hosting von JTL-Wawi, Shops und Schnittstellen.
Nach dem öffentlich gewordenen Modern-Solution-Datenleck, das wortfilter.de aufgedeckt hatte, schrumpfte die Agentur deutlich. 2022 erfolgte der Umzug nach Gladbeck. In der Folge verlor Modern Solution auch den Status als JTL-Servicepartner und verschwand aus dem offiziellen Partnerverzeichnis.
Die wirtschaftlichen Folgen dieses Datenlecks waren damals bereits absehbar. Heute zeigt sich, wie tief die Wunden waren.
Die Folgen für Händler: ein Worst-Case-Szenario
Für die betroffenen Händler ist die Situation dramatisch – und in vielen Fällen existenzbedrohend.
Stell dir vor:
- Deine JTL-Wawi ist von einem Moment auf den anderen nicht mehr erreichbar
- Du kannst keine Bestellungen verarbeiten, keine Rechnungen schreiben, keine Ware versenden
- Deine Onlineshops sind offline, weil sie bei Modern Solution gehostet wurden
- Unter Umständen ist sogar deine Domain nicht mehr erreichbar oder verloren
- Du kannst keine Mails mehr senden und empfangen
- Historische Daten, Kundendaten, Bestellungen, Buchhaltungsdaten: weg
- OSS-Meldungen oder USt-Voranmeldungen können eventuell nicht fristgerecht abgegeben werden
Besonders kritisch ist die Situation für Händler, die die InnoCigs-Schnittstelle genutzt haben. Diese ist ebenfalls abgeschaltet.
Das bedeutet: Bestellungen kommen zwar rein – können aber nicht mehr an InnoCigs übermittelt werden. Kunden zahlen, bekommen aber keine Ware.
Wer zusätzlich über Plattformen wie Amazon, eBay oder Otto verkauft, steht vor dem nächsten Risiko: Account-Sperrungen wegen Nichterfüllung von Bestellungen drohen akut.
Das ist der denkbar schlimmste Fall, der einem Onlinehändler passieren kann.
Was Händler jetzt tun können – und was nicht
Die bittere Wahrheit: Kurzfristig können Händler kaum etwas tun.
Im Moment bleibt nur:
- hoffen, dass bekannt wird, wo die Daten liegen
- hoffen, dass der zugrunde liegende Hoster die Server noch einmal hochfährt
- hoffen, dass Backups existieren, auf die zugegriffen werden kann
Modern Solution dürfte als Reseller agiert haben und die Server selbst angemietet haben. Ob und wie lange ein Hoster diese Daten noch vorhält, ist unklar.
Der Schaden wird für viele Händler erheblich sein – für einige vermutlich existenzgefährdend.
Was Händler sofort tun sollten:
- Plattformen über die Situation informieren
- Sobald ein Insolvenz-Aktenzeichen bekannt ist, dieses aktiv an Amazon, eBay, Otto & Co. kommunizieren
- Dokumentieren, warum Bestellungen nicht ausgeliefert werden können
JTL und die Verantwortung gegenüber Händlern
An dieser Stelle muss auch über JTL gesprochen werden. Denn JTL ist hier nicht nur Zuschauer.
Historisch betrachtet drängen sich mehrere Fragen auf:
- Hätte das Drama verhindert werden können?
- Warum war JTL damals so eng mit Modern Solution verbunden?
- Warum wurde nach dem Datenleck nicht offensiver gewarnt?
Schon damals kritisierte wortfilter.de, dass JTL für eine Schnittstelle geworben hat, ohne diese ausreichend zu prüfen. Das Datenleck war kein Randthema, sondern ein massiver Vertrauensbruch.
Zwar entzog JTL später die Servicepartnerschaft – gleichzeitig aber wurde Modern Solution aus Händlersicht weiter geschützt. Eine klare Warnung an Händler oder ein strukturierter Übergang zu anderen Dienstleistern fand nicht statt.
Wenn ein Softwareanbieter massiv mit einem Partner wirbt, sollte er auch Verantwortung übernehmen, wenn dieser Partner scheitert. Ein geordneter Rückzug, eine koordinierte Umverteilung der Händlerkunden – all das wäre möglich gewesen.
Das strukturelle Problem: JTL, Hosting und Abhängigkeiten
Der Fall zeigt ein grundsätzliches Problem der JTL-Infrastruktur:
- JTL ist kein echtes Cloud-System
- Zugriff erfolgt häufig über RDP-Konstrukte
- Externes Hosting bei Drittanbietern ist weit verbreitet – und riskant
Wer Wawi und Shop bei Drittanbietern wie Modern Solution oder zum Beispiel ecomDATA hostet, setzt sich immer dem Risiko aus, dass diese Anbieter plötzlich vom Markt verschwinden.
Das ist kein theoretisches Risiko – es ist jetzt Realität. Wer direkt bei JTL hostet, minimiert dieses Risiko deutlich.
Zusätzlich gilt – auch wenn es unbequem ist:
👉 Tägliche Backups auf eigenen Systemen, mindestens der Datenbank, sind Pflicht.
Dass das viele Händler nicht machen, ändert nichts an der Notwendigkeit.
Was wir daraus lernen müssen
Auch 2026 geht es dem Onlinehandel nicht gut. Dienstleister werden weiter scheitern, verkauft oder insolvent gehen.
Jeder Händler sollte sich deshalb ehrlich fragen:
- Was passiert, wenn mein Dienstleister morgen weg ist?
- Wie lange bin ich ohne Wawi handlungsunfähig?
- Wo liegen meine Daten – und wer kommt ran?
Diese Fragen tun weh. Aber sie sind notwendig. Der Fall Modern Solution wird kein Einzelfall bleiben.
Er soll euch wach rütteln – euch Händler, die Dienstleister und auch JTL selbst.
Wer dieses Risiko jetzt nicht ernst nimmt, wird beim nächsten Mal vielleicht selbst betroffen sein und die Segel streichen müssen.
Update
Die Seiten sind wieder etwas erreichbar

Ob Händlerdaten und Installationen erreichbar sind ist noch unklar.
Update1

Update2
Jetzt sind auch Hintergründe bekannt warum die Server wieder erreichbar sind. Modern Solution hat seine Server bei KAMP stehen. Na Erscheinen meines Beitrags hat sich dann JTL an die Mutter von KAMP, die group.one bzw. dogado GmbH in Dortmund gewendet und dafür gesorgt, dass Sever wieder erreichbar werden. Wie Händler bereits festgestellt haben aber mit stark reduzierter Leistung. Ein JTL Mitarbeiter bestätige bei Slack auch bereits, dass das Unternehmen unterstützt hat.
Ursache für das Abschalten der Server ist, dass die Modern Solution bei Kamp einen guten 5stelligen Betrag offen hat. Das war aus Unternehmenskreisen zu erfahren.
Status Quo: Händler können jetzt ihre Daten sichern. Aber sie müssen sich auf Wartezeiten einstellen, denn die Leistung zu den MoSo Servern ist gedrosselt, sie sind nur mit reduzierter Geschwindigkeit erreichbar.
Update3
Und: https://www.linkedin.com/feed/update/urn:li:activity:7420083544665825280/
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Weitere InformationenUpdate4
Das vorläufige Insolvenzverfahren wird unter dem Aktenzeichen: 161 IN 10/26 vom Amtsgericht Essen seit dem 26. Januar 2026 geführt.
"Amtsgericht Essen, Aktenzeichen: 161 IN 10/26
In dem Insolvenzeröffnungsverfahren über das Vermögen der im Handelsregister des Amtsgerichts Gelsenkirchen unter HRA 5929 eingetragenen Modern Solution GmbH & Co. KG, vertr. d. d. pers. haft. Gesellschafterin, Marienstr. 39 b, 45968 Gladbeck, gesetzlich vertreten durch die persönlich haftende Gesellschafterin, die im Handelsregister des Amtsgerichts unter HRB 15438 eingetragene Modern Solution Verwaltungs GmbH, Marienstr. 39 b, 45968 Gladbeck, diese vertreten durch die Geschäftsführer Herrn Timo Tyrakowski, Marienstr. 39 b, 45968 Gladbeck, und Herrn René Grünhagen, Marienstr. 39 b, 45968 Gladbeck,ist am 26.01.2026, um 12:10 Uhr angeordnet worden (§§ 21, 22 InsO):
Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wird Rechtsanwalt Wolfgang Piroth, Prinz-Georg-Str. 91, 40479 Düsseldorf bestellt.
Verfügungen der Schuldnerin über Gegenstände ihres Vermögens sind nur noch mit Zustimmung des vorläufigen Insolvenzverwalters wirksam (§ 21 Abs. 2 Nr. 2 2. Alt. InsO).
Den Schuldnern der Schuldnerin (Drittschuldnern) wird verboten, an die Schuldnerin zu zahlen. Der vorläufige Insolvenzverwalter wird ermächtigt, Bankguthaben und sonstige Forderungen der Schuldnerin einzuziehen sowie eingehende Gelder entgegenzunehmen. Die Drittschuldner werden aufgefordert, nur noch unter Beachtung dieser Anordnung zu leisten (§ 23 Abs. 1 Satz 3 InsO).
Maßnahmen der Zwangsvollstreckung einschließlich der Vollziehung eines Arrests oder einer einstweiligen Verfügung gegen die Schuldnerin werden untersagt, soweit nicht unbewegliche Gegenstände betroffen sind; bereits begonnene Maßnahmen werden einstweilen eingestellt (§ 21 Abs. 2 Nr. 3 InsO).
161 IN 10/26
Amtsgericht Essen, 26.01.2026"






Wir hatten hier nun auch schon die erste Anfrage von einem ehemaligen Kunden. Gibt es hier bezüglich der Datenumzüge schon erste Erfahrungen? Teils sind ja Kunden immer noch komplett im Dunkeln.
…ja, schaue einmal bitte auf das letzte Update. KAMP hat sich dazu geäußert.
„Ärgerlich“ ist mit Sicherheit eine Untertreibung, ein solches Szenario – wenngleich nun auch schon die Rettungsleinen ausgeworfen wurden – ist der GAU für jeden Online-Händler und zeigt die starke Abhängigkeit von „Full-Service“-Agenturpartnern. Und es bedeutet nicht zugleich, besser alle Daten ‚on premise‘ hosten zu müssen, vielmehr sich für einen etablierten WMS-Anbieter zu entscheiden, der nahezu alles ‚aus einer Hand‘ anbietet, im Idealfall auch seine eigenen Rechenzentren betreibt und so solide in Sachen ‚finance‘ aufgestellt ist, dass komme, was wolle, die Software einfach läuft und läuft und läuft. Auch ein ‚best of breed‘-Ansatz sollte durchaus überlegt werden, so kann man anstelle des riesigen Monolithen bei Bedarf schnell und unkompliziert einzelne Komponenten austauschen, d.h. Shop von Anbieter A, WMS von Anbieter B, ERP- und PIM-Funktionen von Anbieter C, denn bi-direktionale Schnittstellen sind heute Brot&Butter. Ich drücke die Daumen, dass alle betroffenen Händler mit JTL das nun gut überbrücken können und sich hoffentlich Gedanken machen, wie sie in eine solche Situation nicht mehr geraten, denn ein Wechsel zu einer anderen Agentur könnte die gleichen Risiken bergen – es ist einfach das gesamte Konstrukt der Systemlandschaft mit Agenturen, die dieses Potential für solche dramatischen Vorgänge bietet.
Eine gute Idee ist sicher u.a., den Shop nachts automatisch komplett zu spiegeln und die Domains getrennt vom Webspace zu hosten. Dann kann man im Bedarfsfall fix von Webspace 1 zu Webspace 2 wechseln. Wenn Händler aber so leichtsinnig sind und ggf. gar von JTL derart beraten werden, einfach ALLES in die Hände EINES Service-Partners zu legen, so mag dies aus kostentechnischer Sicht okay sein. Wer aber in Szenarien denkt, wird bei sowas Bauchschmerzen haben. Viele Service Partner-Agenturen die häufig – wie so viele Agenturen – eh nur 2-5 Mann-Buden mit einem Rudel Werkstudenten und Praktikanten sowie gelegentlich paar Freelancer drumherum für die eigentliche Arbeit sind, werden wohl keine Prozesse für solche Szenarien haben. Da gilt nur, möglichst viele Kunden maximal zu melken, die Arbeit an billige Arbeitskräfte (siehe oben) zu delegieren und sich die Differenz in die Tasche zu stecken. Wenn das lange genug so klappt, verkloppt man die Bude bzw. den Kundenstamm an einen anderen Service-Partner und verabschiedet sich wahlweise in den Ruhestand und/oder zu einer Weltreise.
„Wer Wawi und Shop bei Drittanbietern wie Modern Solution oder zum Beispiel ecomDATA hostet, setzt sich immer dem Risiko aus, dass diese Anbieter plötzlich vom Markt verschwinden.“
ecomdata IST der Hoster von JTL bei Wawi Datenbank
Es erscheint äußerst fragwürdig, dass KAMP behauptet, der Kunde würde nicht zahlen. Ist diese Aussage überprüft bzw. belegt?
…ja, ist sie.
Hat Kamp, das bestätigt? Dann würde ich dort meine Server Routine heute aufkündigen. Wie kann man so mit Kundendaten umgehen?
…wie ich geschrieben habe: Aus dem Unternehmensumfeld…und ich konnte es aus einer weiteren Quelle gegenprüfen. Mittlerweile gibt es eine dritte Quelle, die es bestätigt.
FYI: https://www.linkedin.com/feed/update/urn:li:activity:7420083544665825280/ KAMP & Dogado als Mutter haben das jetzt in dem verlinktem LinkedIn Post auch bestätigt.
Warum sollten denn sonst die Server abgeschaltet worden sein? Das sind keine Kundendaten und es hilft weder Modern Solution noch Kamp oder den Händlern, wenn alle nur schweigen und nichts passiert. Offenbar hat Kamp lange genug die Füße still gehalten und sich vergeblich um konstruktive Lösungen bemüht. Übrigens, ähnlich wie damals der angebliche „Hacker“ in Sachen Datenleck. Aber Modern Solution ist offenbar an konstruktiven Lösungen nicht interessiert.
Ich habe mitleid für die Händler und Kunden . Für diese ist das natürlich eine sehr belastende Situation . Das der Saftladen allerdings endlich Pleite gegangen ist , absolut verdient.
Na, hoffen wir mal, dass alle Kunden von Modern Solution oder JTL informiert wurden und nun Backups und Umzüge durchführen können. Die Domains müssen ja auch für den KK freigegeben werden und das wird bei offenen Posten häufig verweigert. Man darf gespannt sein, ob die Händler mit einem blauen Auge davonkommen…