Die Blockade der Straße von Hormus durch den Iran trifft die Luftfahrtbranche an einem empfindlichen Punkt. Vor dem Krieg stammten rund 40 Prozent des europäischen Kerosins aus der Golfregion. Dieser Anteil bricht weg. Für Onlinehändler, die regelmäßig Ware per Luftfracht beziehen, beginnt jetzt eine teure Phase.
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Was ist passiert?
Der Krieg im Nahen Osten erschwert den Transport von Öl und treibt die Preise. Die Blockade der Straße von Hormus ist dabei der entscheidende Faktor: Täglich passieren rund 20 Prozent des weltweiten Öls diese Meeresenge. Für Fluggesellschaften bedeutet das nicht nur höhere Kosten, sondern auch Unsicherheit über die Versorgung überhaupt. Am US-Spotmarkt hat sich Kerosin seit Ende 2025 mehr als verdoppelt.
Lufthansa hat die Lage intern benannt. Grazia Vittadini, Lufthansa-Vorständin für Technik, IT und Innovation, sagte der „Welt am Sonntag“: „Die Frage der Verfügbarkeit von Flugkraftstoff ist an einigen asiatischen Flughäfen bereits jetzt schwierig. Je länger die Straße von Hormus blockiert bleibt, desto kritischer kann die Versorgungssicherheit mit Kerosin werden.“ Die Airlines der Lufthansa-Gruppe sind gegen Preisschwankungen nur teilweise abgesichert: „Für unsere Passagier-Airlines wird der Ölpreisanstieg durch eine Absicherungsquote von 80 Prozent des Treibstoffbedarfs im laufenden Jahr noch weitgehend abgepuffert. Aber natürlich treffen auch uns die steigenden Kerosinpreise.“
Lufthansa plant Kapazitätskürzungen
Konzernchef Carsten Spohr kündigte intern an, bis zu 20 Flugzeuge vorübergehend stillzulegen – im Extremfall sogar 40. Das entspräche einer Kapazitätskürzung von bis zu 2,5 Prozent. Betroffen wären hauptsächlich ältere Maschinen kurz vor der Ausmusterung. „Wir wollen früh vorbereitet sein“, sagte Spohr. Für den nicht abgesicherten Anteil erwartet Lufthansa allein Mehrkosten von rund 1,5 Milliarden Euro.
Ticketpreiserhöhungen hat Spohr bereits angekündigt: „Das wiederum wird sich auf die Nachfrage auswirken, es werden weniger Menschen reisen. Die Folgen sind größer, als wir erwartet hatten.“ Und aus der Betriebsversammlung wurde bekannt: „Wir bekommen von ersten Flughäfen in Asien Signale, dass Kerosin knapp wird.“
Asien-Verbindungen brechen weg
Am stärksten trifft es den Verkehr zwischen Europa und Asien. Wichtige Drehkreuze am Golf – Dubai, Doha, Abu Dhabi – fallen durch den Konflikt weitgehend aus. Ein Großteil der bisherigen Verbindungen über die Golfstaaten entfällt ersatzlos. Laut t-online haben erste Airlines Treibstoffzuschläge bereits deutlich erhöht.
Lufthansa versucht gegenzusteuern und verlegt Flugzeuge auf Alternativrouten nach Afrika, Indien oder Südostasien. Doch das ist begrenzt möglich: Einzelne Flughäfen nehmen wegen knapper Vorräte keine zusätzlichen Maschinen auf.
Kerosinmangel Luftfracht: Warum das direkt durchschlägt
Der Personenverkehr leidet – die Luftfracht leidet mit. Bauchfracht, also Fracht im Unterdeckbereich von Passagiermaschinen, macht einen erheblichen Teil des Luftfrachtvolumens aus. Fallen Kapazitäten im Passagierbereich weg, fällt auch dieser Frachtraum weg. Gleichzeitig verteuern die gestiegenen Kerosinkosten dedizierte Frachtflüge direkt. Das Ergebnis: Luftfrachtpreise werden steigen.
Wen das am härtesten trifft
Besonders exponiert sind europäische Onlinehändler mit geringen Lagerkapazitäten, die es gewohnt sind, Nachschub kurzfristig per Luftfracht zu ordern – etwa schnelldrehende Mode, Elektronikartikel oder saisonale Produkte aus Asien. Wer keine Puffer im Lager hat, wird bald entweder auf teurere Lieferungen zurückgreifen oder auf Ware warten müssen.
Auch große Dienstleister sind direkt betroffen. DHL betreibt eines der größten Luftfrachtnetze Europas. Amazon nutzt eigene Frachtkapazitäten und ist mit seinem Fulfillment-Netzwerk von schnellen Nachschubzyklen abhängig. Steigende Kerosinkosten landen früher oder später in den Servicegebühren.
Jetzt handeln: Lager auffüllen
Wer die Möglichkeit hat, sollte Bestände jetzt aufbauen – bevor Luftfrachtpreise die nächste Stufe erreichen. Eine schnelle Entspannung an der Straße von Hormus ist nicht absehbar. Die Entwicklung kann sich noch über Monate hinziehen.
Dabei gibt es eine interessante Begleiterscheinung: Fulfillment-Anbieter, die Händlern Lagerhaltung und Logistik als Service verkaufen, könnten von dieser Entwicklung profitieren. Wer Lagerraum anbietet, hat in den nächsten Monaten ein stärkeres Argument.
Und natürlich trifft es auch die kleinen China-Direkthändler sowie die großen Plattformen Shein & Co. hart. Aber das dürfte den europäischen Handel eher freuen, oder?





