Der deutsche Einzelhandel hat im Februar 2026 einen Dämpfer kassiert – der Online- und Versandhandel dagegen legt zu. Das Statistische Bundesamt (Destatis) hat heute die aktuellen Umsatzzahlen veröffentlicht , und für Online-Händler steckt darin eine Botschaft: Das Segment wächst, während der stationäre Handel schwächelt.
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Gesamteinzelhandel bremst, Online beschleunigt
Der Umsatz der Einzelhandelsunternehmen in Deutschland ist im Februar 2026 gegenüber Januar 2026 kalender- und saisonbereinigt real um 0,6 % und nominal um 0,7 % gesunken. Im Jahresvergleich sieht es etwas besser aus: Gegenüber Februar 2025 stieg der Umsatz real um 0,7 % und nominal um 1,6 %.
Für den Internet- und Versandhandel gilt das Gegenteil. Im Februar 2026 legte der Umsatz gegenüber dem Vormonat real um 0,6 % zu. Im Jahresvergleich zu Februar 2025 wuchs der Online-Kanal real um 2,2 % und nominal um 2,4 %. Das ist die entscheidende Zahl: +2,2 % real – deutlich stärker als der Einzelhandel insgesamt.
Auch auf den ersten beiden Monaten des Jahres 2026 kumuliert zeigt sich dieses Muster: Der Internet- und Versandhandel wuchs Januar bis Februar real um 2,3 %, während der Gesamteinzelhandel nur +0,6 % real schaffte.
Einzelhandelsumsatz nach Wirtschaftsbereichen
Die folgende Tabelle zeigt die Veränderung zum Vorjahreszeitraum in % für Februar 2026 (Originalwerte, vorläufig, Quelle: Destatis ):
| Wirtschaftsbereich | Real | Nominal |
|---|---|---|
| Einzelhandel insgesamt | +0,6 % | +1,5 % |
| Lebensmittel, Getränke, Tabakwaren | 0,0 % | +1,5 % |
| darunter: Supermärkte, SB-Warenhäuser | +0,1 % | +1,5 % |
| Facheinzelhandel Lebensmittel | −1,8 % | +0,7 % |
| Nicht-Lebensmittel | +1,0 % | +1,6 % |
| darunter: Textilien, Bekleidung, Schuhe | −0,3 % | +0,7 % |
| Apotheken, Pharma, Kosmetik | +1,6 % | +2,8 % |
| Waren-/Kaufhäuser u. ä. | +0,5 % | +2,3 % |
| Internet- und Versandhandel | +1,9 % | +2,1 % |
| Einzelhandel in Verkaufsräumen | +0,3 % | +1,5 % |
| Tankstellen | −1,7 % | −0,4 % |
Wie verlief der Januar?
Der Januarwert gibt weiteren Kontext. Im Internet- und Versandhandel verzeichnete der Umsatz im Januar 2026 gegenüber dem Vormonat ein Umsatzplus von real 2,5 % und nominal 3,5 %. Im Jahresvergleich zu Januar 2025 wuchs der Online-Kanal real um 2,1 %. Sprich: Beide Monate zeigen ein konsistentes Bild – Wachstum, während der Gesamtmarkt schwächelt.
Hinweis zur Datenlage: Der Januar-Wert wurde nach Revision auf −1,1 % zum Vormonat angepasst (vorläufiger Wert war −0,9 %). Destatis-Zahlen werden regelmäßig revidiert – endgültige Ergebnisse liegen immer mit Verzögerung vor.
Das Gesamtbild für 2025: Starkes Jahr, struktureller Effekt
Um die aktuellen Monatszahlen einzuordnen, lohnt ein Blick auf das Vorjahr. Der Einzelhandel in Deutschland hat im Jahr 2025 real 2,7 % und nominal 3,8 % mehr Umsatz erwirtschaftet als im Jahr 2024.
Beim Online-Handel ist dabei ein Sondereffekt zu beachten, den Destatis explizit ausweist: Der Anstieg im 1. Halbjahr 2025 geht unter anderem auf die Umstrukturierung eines größeren Unternehmens im Internet- und Versandhandel zum Berichtsmonat August 2024 zurück – dadurch kamen bisher in Deutschland nicht erfasste Umsätze hinzu. Destatis nennt kein Unternehmen beim Namen. Die Zeitreihen weisen seitdem einen strukturellen Zuwachs auf.
Das heißt: Die hohen Wachstumsraten von 2025 sind zum Teil statistisch bedingt, nicht ausschließlich auf echtes Mengenwachstum zurückzuführen. Die 2026er-Werte sind von diesem Basiseffekt weniger verzerrt – das macht das Wachstum von +2,2 % real im Februar 2026 aussagekräftiger.
Marktstruktur: Marktplätze dominieren
Neben den Destatis-Monatsdaten liefert das EHI Retail Institute über handelsdaten.de aktuelle Strukturdaten für 2025: Der Bruttoumsatz im Online-Handel mit Waren stieg im Jahr 2025 um 3,2 % auf 83,1 Milliarden Euro. Im Schnitt gaben Verbraucher pro Bestellung 146,19 Euro aus – mehr als 2024 (144,12 Euro).
Mehr als die Hälfte der E-Commerce-Umsätze (56 %) wurde über Online-Marktplätze erzielt. Diese Plattformen verzeichneten ein Umsatzwachstum von 4,9 %. Die Online-Pure-Player konnten um 2,1 % wachsen, während Multichannel-Händler rückläufige Ergebnisse zeigten (−1,1 %). 19 von 20 Warengruppen lagen 2025 im Plus. Stärkste Wachstumsfelder: Medikamente (+6,0 %), Lebensmittel (+5,5 %), Tierbedarf (+5,0 %) und Bekleidung (+3,5 % auf 15,13 Mrd. Euro).
Ausblick: +3,8 % Wachstum für 2026 erwartet
Der Bundesverband bevh und das EHI Retail Institute erwarten für 2026 ein nominales Umsatzwachstum im E-Commerce mit Waren von 3,8 %. Die aktuellen Februarzahlen passen ins Bild. Der Online-Kanal zeigt Richtung, während der stationäre Einzelhandel kämpft.
Was das für Online-Händler bedeutet
Marktplätze gewinnen weiter Marktanteile. Wer auf Amazon, eBay oder anderen Plattformen verkauft, profitiert vom Strukturtrend. Der Marktplatzanteil von 56 % im Jahr 2025 dürfte weiter steigen.
Multichannel ist keine Garantie mehr. Stationäre Flächen plus Online-Shop reicht nicht, wenn beide Kanäle unter Druck stehen. Die −1,1 % bei Multichannel-Händlern zeigen das.
Wachstumsraten normalisieren sich. Nach dem Effekt durch die Unternehmensumstrukturierung 2024 fallen die 2026er-Vergleichswerte nüchterner aus. Wer in den letzten Jahren hohe Wachstumsraten gewohnt war, muss sich neu kalibrieren.





