Preissuchmaschinen galten lange als das letzte Bollwerk rationalen Online-Shoppings. Wer sparen wollte, ging zu Idealo, geizhals oder billiger.de, verglich Preise, klickte auf das günstigste Angebot – fertig. Genau dieses Versprechen lösen diese Plattformen heute immer weniger ein. Aus eigener, sehr konkreter Erfahrung muss man sogar sagen: Das System ist kaputt.
Inhaltsverzeichnis
- Ein praktischer Selbstversuch: Staubsaugerroboter kaufen
- Idealo und billiger.de: Ein erstaunlich enger Blick
- Verbraucher werden systematisch fehlgeleitet
- Vergleich mit KI-Tools: ChatGPT und Perplexity
- Die eigentliche Lehre für Verbraucher
- Die Lehre für Händler: Eigene Shops sind wichtiger denn je
- Fazit: Geschäftsmodelle am Ende
Fasse den Artikel im Bullet-Stil zusammen.
Ein praktischer Selbstversuch: Staubsaugerroboter kaufen
Ausgangspunkt war ein ganz banaler Kauf: ein Staubsaugerroboter (Lubluelu 2025 Neueste B40Plus/SL60D ). Kein Markenprodukt, eher ein typischer No-Name-Roboter mit Wischfunktion, Absaugstation und großem Drei-Liter-Staubbehälter. Solche Geräte werden heute massenhaft über Plattformen wie Temu oder AliExpress verkauft – genau dort habe ich auch angefangen zu suchen.
Ergebnis:
- Temu: ca. 176 Euro
- AliExpress: ca. 176 Euro
(jeweils inkl. Station, Versand und Steuern)
Soweit unspektakulär. Interessant wurde es erst im zweiten Schritt: der klassische Preisvergleich am PC. Also der Weg, den Millionen Verbraucher seit Jahren gehen.
Idealo und billiger.de: Ein erstaunlich enger Blick
Ich habe anschließend ganz klassisch Idealo und billiger.de genutzt, nur den Lubluelu SL60D – mit einem ernüchternden Ergebnis:
- Idealo zeigte ausschließlich Angebote von Amazon, Joybuy und Galaxus.
- billiger.de war minimal breiter, dort tauchte zusätzlich Kaufland auf.
- Temu? Fehlanzeige.
- AliExpress? Nicht vorhanden.
- Der offizielle Herstellershop? Ebenfalls nicht auffindbar.
Und genau das ist der Knackpunkt: Der Hersteller selbst bot den Roboter ebenfalls an – günstiger als viele Marktplätze. Trotzdem tauchte dieser Shop in keiner der beiden Preissuchmaschinen auf.
Das ist nicht nur selten dumm, das ist strukturell. Wer sich heute auf Idealo oder billiger.de verlässt, bekommt keinen vollständigen Marktüberblick, sondern nur einen sehr kleinen, kuratierten Ausschnitt. Und dieser ist falsch und führt Verbraucher in die Irre.
Verbraucher werden systematisch fehlgeleitet
An dieser Stelle darf man durchaus deutlich werden:
Wenn Preissuchmaschinen große, relevante Plattformen und Hersteller-Shops konsequent ausblenden, dann ist die Aussage zulässig, dass sie ihre Nutzer massiv in die Irre führen.
Nicht aus Bosheit – aber aus Geschäftsmodell-Logik:
- Preissuchmaschinen zeigen vor allem dort Angebote, wo sie [viel] Provisionen erhalten.
- Plattformen wie Temu oder AliExpress spielen in diesem Modell wohl (?) kaum oder gar keine Rolle.
- Hersteller-Shops sind oft ebenfalls uninteressant, wenn sie nicht aktiv einkaufen oder integrieren.
Für Verbraucher bedeutet das:
Der vermeintliche Preisvergleich ist kein Preisvergleich mehr. Er ist Lug und Trug.
Vergleich mit KI-Tools: ChatGPT und Perplexity
Zum Gegencheck habe ich den gleichen Kaufprozess mit ChatGPT und Perplexity durchgespielt.
ChatGPT:
- fand den offiziellen Herstellershop,
- identifizierte das günstigste eBay-Angebot,
- fand auch Amazon-Angebote,
- konnte Temu und AliExpress nicht direkt durchsuchen.
Perplexity:
- fand ebenfalls den Herstellershop,
- konnte nach explizitem Hinweis AliExpress durchsuchen,
- scheiterte bei Temu, da die Plattform aktiv blockt.
Das ist wichtig:
Die KIs sind nicht allwissend, sie stoßen klar an technische und rechtliche Grenzen. Plattformen schotten sich ab. Trotzdem liefern sie in Summe oft ein realistischeres Bild als klassische Preissuchmaschinen – vor allem, weil sie nicht von einem starren Händler-Feed abhängig sind.
Preissuchmaschinen sollen Verbrauchern helfen, den günstigsten Anbieter zu finden. In der Praxis bilden sie jedoch oft nur einen Teil des Marktes ab. Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Preissuchmaschinen und Marktplatz-Vergleiche:
-
Idealo
https://www.idealo.de
Fokus auf große Marktplätze und angebundene Händler, begrenzte Abdeckung von Hersteller-Shops und China-Plattformen. -
billiger.de
https://www.billiger.de
Klassische Preissuchmaschine mit Händlerfeeds, eingeschränkter Plattform-Abdeckung. -
Geizhals
https://geizhals.de
Stark im Technik-Segment, häufig Community-getrieben, begrenzte Marktplatzintegration. -
Preisvergleich.de
https://www.preisvergleich.de
Aggregator mit Fokus auf angebundene Shops, geringe Marktplatzvielfalt. -
Shopping bei Google
https://shopping.google.com
Produktanzeigen-basiert, stark von Werbebudgets und Feed-Qualität abhängig. -
Check24 (Produktvergleiche)
https://www.check24.de
Vergleichsplattform mit Fokus auf Provisionen, eingeschränkte Marktneutralität.
Hinweis: Große Plattformen wie Temu, AliExpress oder Hersteller-Onlineshops werden von klassischen Preissuchmaschinen häufig nicht oder nur unvollständig berücksichtigt.
Die eigentliche Lehre für Verbraucher
Was folgt daraus für Käufer?
- Preissuchmaschinen nicht mehr vertrauen -> kaputt
Idealo und billiger.de zeigen nur einen Teil des Marktes. Wer dort kauft, kauft bequem – aber nicht zwingend günstig. - Plattformen aktiv selbst prüfen
Temu, AliExpress, Hersteller-Shops, eBay, Amazon – wer sparen will, muss heute mehrere Welten kennen und selbst vergleichen. - KI-Tools als Ergänzung nutzen, nicht als Ersatz
ChatGPT und Perplexity können helfen, insbesondere bei Hersteller-Shops und Marktüberblicken. Sie ersetzen aber keine manuelle Prüfung der großen Plattformen.
Die Lehre für Händler: Eigene Shops sind wichtiger denn je
Der vielleicht wichtigste Punkt betrifft Händler und Marken:
Sowohl ChatGPT als auch Perplexity waren problemlos in der Lage, den offiziellen Onlineshop des Herstellers zu finden. Preissuchmaschinen hingegen nicht.
Das heißt:
- Wer einen eigenen Shop betreibt,
- saubere Produktdaten hat,
- technisch gut aufgestellt ist,
hat heute reale Chancen, direkt gefunden zu werden, auch ohne Idealo, billiger.de oder ähnliche Gatekeeper. Und vor allem ohne dieses kaputten Systemen Geld in den Rachen für wertlose Klicks zu werfen. Erschreckend hier das Ergebnis von geizhals.de. Diese Bude gehört zu heise.de. Ansgar Heise ist zu 61% beteiligt. Da hätte man eigentlich mehr technische Kompetenz erwarten dürfen.
Gerade in einer KI-getriebenen Zukunft kann das der entscheidende Vorteil sein.
Fazit: Geschäftsmodelle am Ende
Die Bilanz lautet:
- Idealo und billiger.de sind in ihrer heutigen Form kaputt.
- Sie sind nicht mehr marktneutral.
- Sie sind für Verbraucher nicht zuverlässig.
- Sie bilden den realen Onlinehandel nicht mehr ab.
KI-Tools sind noch nicht perfekt und kämpfen mit Plattform-Blockaden. Aber sie zeigen bereits heute, wo die Reise hingeht: weg von geschlossenen Vergleichssystemen, hin zu offenerer, kontextbasierter Suche.
Wer heute günstig kaufen will, muss mehr tun, als nur eine Preissuchmaschine aufzurufen. Diese sollten Verbraucher und Händler meiden. Und wer heute verkauft, sollte sich sehr genau überlegen, ob er sich weiterhin auf Geschäftsmodelle verlässt, die ihren eigentlichen Zweck längst verloren haben. rechtzeitig vom toten Pferd absteigen ist das Motto der Stunde.
Und über die KI-System Blockaden der Plattformen demnächst mehr.





