Das Problem:

Gerade kleinere und mittlere Onlinehändler sind darauf angewiesen, dass die Dienstleister ihnen dabei behilflich sind, möglichst viele Marktplätze zu bespielen. Das Zauberwort heißt Schnittstelle! Und genau darin liegt auch das Problem. Sämtliche Transaktionsabwickler stellen zu wenig Schnittstellen zu nationalen und internationalen Marktplätzen zur Verfügung.

Ein mittlerer Onlinehändler, der knapp an der 100-Millionen-Grenze kratzt, braucht, um 20 Marktplätze zu bespielen, zig Middleware-Anwendungen, um alle in seiner Warenwirtschaft abzubilden. Das ist nicht nur teuer, sondern behindert auch sämtliche Betriebsprozesse!

Wie könnte eine Lösung aussehen?

Der Onlinehändler wünscht sich die Möglichkeit, seinen Produktdatensatz auf Marktplätze aufzuspielen. Er benötigt in Echtzeit einen Bestandsabgleich und wünscht sich die Abwicklung der Transaktionen. Zusammengefasst sollte der Dienstleister also in der Lage sein, den gesamten Geschäftsprozess abzubilden. Das sind Dinge, die ein Dienstleister können muss.

Warum bietet keiner der bekannten Dienstleister das für alle Marktplätze an?

Ich vermute einmal, wir haben hier ein „Henne-Ei-Problem“. Die Nachfrage nach Schnittstellen für Marktplätze mag vereinzelt vorhanden sein, jedoch sind die Dienstleister kaum in der Lage, die Relevanz einzelner Schnittstellen zu bewerten. Auf der anderen Seite gibt es Händler, die sich mit Marktplätzen nicht beschäftigen, weil keine Schnittstellen zur Verfügung stehen. Kommunizieren Sie Ihren Bedarf an den Dienstleister, so wird dieser Bedarf dort selten erfasst und wahrgenommen. Scheinbar sind die Dienstleister nicht auf die Idee gekommen, Schnittstellen zu entwickeln und diese dann auch zusammen mit den jeweiligen Marktplätzen zu vermarkten.

Natürlich ist das für den Transaktionsabwickler zunächst einmal eine Investition, die Geld kostet. Das bedeutet natürlich, dass er vorher anfangen muss sich mit dem Marktplatz beschäftigen zu befassen. Es macht keinen Sinn Schnittstellen für Marktplätze zu entwickeln, die Totgeburten sind.

Gibt es denn bereits einen Transaktionsentwickler, der Schnittstellen nach Bedarf entwickelt?

Die meisten Anbieter wie Afterbuy, JTL oder DreamRobot sind Standardlösung. Das bedeutet: Änderungen oder Erweiterungen gibt es zwar aber sie sind meist mit einer langen Vorlaufzeit geplant. Bekannt ist mir Plentymarkets. Hier könnt ihr Individualaufträge platzieren und über die Community sogar finanzieren. Die großen Entwickler bieten natürlich jederzeit Individuallösungen an. Diese sind aber für die KMU recht teuer.

Was soll sich denn nun ändern?

Sämtliche Transaktionsdienstleister müssen sich ihrer Verantwortung stellen. Sie müssen verstehen, dass sie maßgeblich dafür verantwortlich sind, ob sich ein Onlinehändler weiterentwickeln kann oder eben nicht. Entweder die Dienstleister stehen auf der guten Seite und sind Innovationstreiber oder aber sie stehen auf der falschen Seite und sind echte Innovationsbremsen!

Bisweilen scheint es mir so zu sein, dass sich die Anbieter nicht ihrer Verantwortung bewusst sind. Betrachtet man den Markt, werden zwar Entwicklungen rund um die führenden Marktplätze an den Start gebracht, jedoch wagen die wenigsten Dienstleister Neuland zu betreten.

Das scheint in meinen Augen eine falsche unternehmerische Entscheidung zu sein. Denn offensichtlich vergessen die Anbieter, dass sie die Kuh, die sie melken wollen (also uns Onlinehändler), auch hegen und pflegen müssen. Werden nun die Onlinehändler in große Abhängigkeiten von den großen Marktplätzen gebracht, können sich die Händler nicht mehr gegen den steigenden, auch internationalen, Wettbewerb wehren. (Stichwort: China-Händler.) Dann bricht den Dienstleistern die Kundenbasis weg.

Jeder der Transaktionsabwicklungsdienstleister sollte ein Interesse daran haben, seine Kundenbasis zu erhalten.

Als Trend ist zu beobachten, dass sich viele Serviceunternehmen rund um den Onlinehandel anbieten sich aber einzig auf neue Kundschaft konzentrieren. Ich sehe, dass sich die Meisten auf einen Ansturm von stationären Händlern, die in den Onlinehandel drängen, vorbereiten. Das ist an und für sich nicht schlecht, ganz im Gegenteil, aber es sollten nicht die Bestandskunden darunter leiden.

Der Cross-Border-Trade und das Bespielen möglichst vieler Marktplätze ist dieses Jahr eines meiner zentralen Themen. An dieser Stelle möchte ich daher Dienstleister auffordern, mir eine Liste ihrer Schnittstellen zur Verfügung zu stellen. Auch Middleware-Anbieter bitte ich, mit mir Kontakt aufzunehmen.

Zusammengefasst müssen sich die Transaktionsabwickler sehr schnell klar werden, dass ohne ihre Unterstützung viele Händler verlieren werden. Hieraus muss als Reaktion folgen, dass die Dienstleister Antworten auf die Herausforderungen anbieten. Und das schnell!