McDonald’s zeigt, wie es geht – und warum Software nicht teurer werden darf

Als in Deutschland die Umsatzsteuer auf Speisen gesenkt wurde, reagierte ausgerechnet McDonald’s so, wie Marktwirtschaft eigentlich funktionieren soll: Ein Teil der Entlastung wurde an die Kunden weitergegeben. Nicht aus Altruismus, sondern weil Effizienzgewinne und Kostensenkungen in wettbewerblichen Märkten langfristig entweder Preise drücken oder Mehrwert schaffen.

Man kann über Burger denken, was man will – ökonomisch war das sauber.

Und genau deshalb wirkt der Kontrast zur Softwarebranche derzeit so unerquicklich.


Fasse den Artikel im Bullet-Stil zusammen.


Das immergleiche Märchen: „Entwicklung wird teurer“

Wenn Softwareanbieter ihre Preise anheben, folgt fast reflexartig dasselbe Narrativ: steigende Entwicklungsaufwände, komplexere Systeme, höhere Kosten. Auch die JTL-Software-GmbH begründet aktuelle Preiserhöhungen unter anderem mit gestiegenen Entwicklungskosten. Ähnliche Argumente hört man bei Anbietern wie Billbee oder JERA, die zuletzt ebenfalls an der Preisschraube gedreht haben.

Das klingt plausibel – bis man einen Blick auf die technologische Realität wirft.


Softwareentwicklung wird effizienter und günstiger

Die letzten zwei Jahre haben die größte Produktivitätsrevolution der Softwareentwicklung seit Einführung moderner Frameworks gebracht. Generative KI ist ein fester Bestandteil professioneller Entwicklerworkflows.

Mehrere belastbare Studien zeigen:

  • Entwickler erledigen Standard-Coding-Aufgaben signifikant schneller
  • Tests, Refactoring und Dokumentation werden stark automatisiert
  • Produktivitätsgewinne liegen je nach Aufgabenbereich im zweistelligen Prozentbereich – teils deutlich darüber

Untersuchungen von McKinsey, GitHub und universitären Forschungsgruppen kommen übereinstimmend zu einem Kernbefund: KI steigert Entwickleroutput massiv, ohne die Qualität zwangsläufig zu verschlechtern.

Das bedeutet nicht, dass Software „billig“ wird. Architektur, Sicherheit, Skalierung und Fachlogik bleiben anspruchsvoll. Aber es bedeutet sehr wohl: Ein wachsender Teil der operativen Entwicklungsarbeit wird strukturell günstiger.

Wer 2026 von „explodierenden Entwicklungskosten“ spricht, blendet diese Realität aus und belügt seine Kunden.


Drei Möglichkeiten – und nur eine wird gewählt

Wenn Produktivität steigt und Kosten pro Feature sinken, entstehen drei Optionen:

  1. Effizienz nutzen, um schneller zu innovieren
  2. Margen erhöhen
  3. Preise senken und Kunden entlasten

In der Softwarebranche wird aktuell fast ausschließlich Option zwei gewählt. JTL lässt grüßen! Weil sie kurzfristig den größten Renditeeffekt bringt.


Warum das Kostennarrativ trotzdem bemüht wird

„Wir erhöhen Preise, weil wir effizienter werden“ lässt sich schlecht verkaufen.
„Wir erhöhen Preise, weil Entwicklung immer teurer wird“ dagegen hervorragend.

Das erste klingt nach Gewinnmaximierung.
Das zweite nach unvermeidbarer Notwendigkeit.

Nur: In Zeiten messbarer Produktivitätsgewinne durch KI wirkt das Kostennarrativ zunehmend wie das, was es oft ist – eine primitive Lüge, keine zwingende Realität.


Händler stehen unter Druck – und Softwareanbieter erhöhen trotzdem

Parallel zur Preisspirale bei Software zeigen alle relevanten Indikatoren, dass es dem Handel alles andere als gut geht:

  • steigende Insolvenzen im Agenturumfeld
  • schwache Konsumstimmung
  • zurückhaltende Investitionen
  • Warnsignale aus Branchenbefragungen von HDE und BEVH

Die Margen im Handel stehen unter massivem Druck. Fixkosten steigen, Absatz stagniert vielerorts. In genau dieser Phase müssten Effizienzgewinne entlang der Wertschöpfungskette eigentlich Entlastung bringen.

Stattdessen passiert das Gegenteil.


Was das über die Rolle der Softwareanbieter sagt

Wenn in einer wirtschaftlich angespannten Phase:

  • Produktivität technologisch steigt
  • Kundenseite unter Druck steht
  • Preise dennoch systematisch erhöht werden

dann geht es nicht um Partnerschaft. Dann geht es um Monetarisierung. Kurzfristige Ziele – etwa Umsatzwachstum pro Kunde oder Renditevorgaben der Investoren/Eigner – stehen klar vor der Stabilisierung des Ökosystems. Aus Händlersicht ist das eine wichtige Erkenntnis: Unternehmen, die in solchen Phasen reflexartig Preise erhöhen, agieren nicht als Partner des Handels, sondern als Kostenfaktor.


Die historische Lehre ist eindeutig

Branchenübergreifend zeigt sich immer dasselbe Muster: Unternehmen, die in Krisen primär auf Ausquetschen der Bestandskunden setzen, verlieren langfristig Vertrauen, Marktstellung und Innovationskraft.

Kurzfristig funktionieren Preiserhöhungen erstaunlich gut – vor allem in Märkten mit hohen Wechselkosten.
Langfristig führen sie fast immer zu Erosion der Kundenbasis, Imageverlust und struktureller Schwächung.


So ist es

McDonald’s hat gezeigt, was Marktwirtschaft leisten kann, wenn Effizienzgewinne weitergegeben werden. Einige Teilnehmer der Softwarebranche zeigen aktuell das Gegenteil: steigende Preise trotz technologischer Produktivitätssprünge.

Dass Entwicklungskosten heute pauschal als Hauptargument für Preiserhöhungen herhalten müssen, ist weder besonders kreativ noch besonders ehrlich. In allen Fällen ist es vor allem eines: Lüge.

KI senkt Entwicklungsaufwand im zweistelligen Prozentbereich. Diese Effizienzgewinne könnten Innovation beschleunigen, Händler entlasten oder zumindest Preisdruck abfedern. Dass sie stattdessen fast ausschließlich in Margen fließen, ist eine bewusste strategische Entscheidung.

Für Händler bedeutet das: Wer Softwareanbieter allein als technische Dienstleister betrachtet, übersieht deren ökonomische Interessen. In der aktuellen Phase sind viele von ihnen keine Partner des Handels – sondern mehr Renditemaschinen.

Und historisch betrachtet war das noch nie ein nachhaltiges Erfolgsmodell.

QR Code für die Wortfilter Händler Facebook-Gruppe
Komm in die Wortfilter Community auf Facebook und diskutiere mit

➡️Melde dich zum wöchentlichen Newsletter an!⬅️