Zum Ende der vergangenen Woche berichteten mehrere amerikanische Medien über den Stand der Verhandlungen beim Verkauf der eBay Classifieds Group. Deutsche Medien kolportieren mal wieder, ob der Springer Verlag sich eBay Kleinanzeigen schnappen werde. Die Gerüchteküche brodelt so sehr, dass eBay selbst nun in einer Presserklärung Stellung bezieht.

Bisher gibt es die Pressemitteilung nur in englischer Sprache, hier die Übersetzung des originalen Textes:

Wir haben potenzielle wertschöpfende Alternativen für die Classifieds Group untersucht und führen weiterhin aktive Gespräche mit mehreren Parteien über eine potenzielle Transaktion.

eBay Inc. (Nasdaq: EBAY), ein weltweit führendes Handelsunternehmen, das Millionen von Käufern und Verkäufern auf der ganzen Welt miteinander verbindet, gab heute die folgende Erklärung zu der bereits angekündigten strategischen Überprüfung der eBay-Classifieds Group heraus.

eBay hat potenzielle wertschöpfende Alternativen für die Classifieds Group untersucht und führt weiterhin aktive Gespräche mit mehreren Parteien über eine mögliche Transaktion. Wie bereits erwähnt, erwartet eBay bis Mitte des Jahres einen aktuellen Stand dieses Prozesses. eBay ist weiterhin bestrebt, den Wert der Classifieds Group für die eBay-Aktionäre zu maximieren.

Die strategische Überprüfung der Classifieds Group ist Teil der breiteren Portfolio-Überprüfung von eBay, die zum erfolgreichen Verkauf von StubHub für 4,05 Milliarden Dollar in bar führte.

„Der Vorstand und das Management von eBay sind bestrebt, durch die Maximierung des Wertes der Kleinanzeigen und die Positionierung unseres Marktplatz-Geschäfts für den langfristigen Erfolg signifikante Erträge für die Aktionäre zu erzielen“, sagte Scott Schenkel, Interim-CEO von eBay Inc. „Die Überprüfung der Kleinanzeigen sowie der Verkauf von StubHub und unsere Initiativen zur Steigerung von Volumen, Umsatz, Margen und Cashflow bei gleichzeitiger Fortsetzung der Investitionen in langfristiges profitables Wachstum zeigen dieses Engagement. Wir handeln mit Dringlichkeit und konzentrieren uns gleichzeitig auf das letztendliche Ziel, den Wert der Kleinanzeigen zu maximieren.“

Zusätzlich zur Überprüfung des eBay-Portfolios hat das Managementteam des Unternehmens seit Anfang 2019 zahlreiche wertschöpfende Maßnahmen durchgeführt, die das Geschäft von eBay umgestalten und die Grundlage für das Wachstum stärken. Zu diesen Maßnahmen gehören unter anderem:

  • Managed Payments in den USA und Deutschland; bis 2022 sollen die Zahlungen einen Umsatz von 2 Milliarden US-Dollar und ein Betriebsergebnis von 0,5 Milliarden US-Dollar generieren;
  • eine Margenverbesserung um einen Punkt und die Verpflichtung, bis 2022 mindestens 2 zusätzliche Punkte zur Margenausweitung zu erreichen, während gleichzeitig in Initiativen zum Ertragswachstum investiert wird;
  • 5,0 Milliarden Dollar an Aktienrückkäufen durchgeführt und kürzlich die Erweiterung des Aktienrückkaufplans für 2020 von 1,5 Milliarden Dollar auf 4,5 Milliarden Dollar angekündigt;
  • die erste Dividende von eBay eingeführt und sich zu einer 14%igen Steigerung bis 2020 verpflichtet;
  • Verstärkter Fokus auf das Wachstum des Marktplatz-Volumens mit einer Reorganisation des Führungsteams und einem neu priorisierten, kundenorientierten Plan, der verbesserte vertikale Käufererfahrungen, mehr Daten und Tools für Verkäufer und eine verstärkte Plattform-Konvertierung unter Nutzung einer erweiterten strukturierten Datenbasis umfasst.

Der Vorstand und das Führungsteam von eBay sind zuversichtlich, dass die oben genannten Maßnahmen dazu beitragen werden, die zuvor genannten Prioritäten für 2020 zu erreichen und eBay für ein nachhaltiges, profitables und langfristiges Wachstum zu positionieren.

Goldman Sachs & Co. LLC und LionTree Advisors LLC fungieren als Finanzberater für eBay bei der strategischen Überprüfung der Kleinanzeigen, und Wachtell, Lipton, Rosen & Katz fungiert als Rechtsberater. (Quelle: Pressemitteilung ebay.com)

Einordnung

Unterm Strich widerholt eBay die Aussagen der letzten paar Wochen und Monate. Ein konkretes Ergebnis gibt es nicht. Und wahrscheinlich wird erst Mitte dieses Jahres berichtet werden. Ob das nun gut und beruhigend ist steht auf einem ganz anderen Blatt.

Nein, es ist nicht gut, sondern schlecht. Die jetzige Situation schafft Unruhe und Planungsunsicherheit. Der Verkauf der deutschen Plattform eBay-kleinanzeigen.de wäre aus Sicht der Händler eine Katastrophe. Die Verzahnung beider Marktplätze hat reinen eBay Verkäufern bisher immer guten Traffic gebracht.

Tatsächlich scheint der Marktplatz, auch wegen der anderen hier berichteten Entscheidungen sehr lahm. Viele gute Projekte scheinen im Moment >eingefroren< zu sein. Das ist schlimm, denn eBay hätte es dringend nötig, dass einige in der Vergangenheit angekündigte Pläne auch umgesetzt werden. Das scheint im Augenblick nicht der Fall zu sein. Denken wir nur an das >Managed Shipment< in den USA. Es ist eingestellt.

Fazit: So lange ein Anker-Investor in San Jose fehlt sieht es sehr sehr schlecht für die Zukunft der Plattform aus. Für ein langfristig stabiles Geschäft war es noch nie gut die kurzfristen Ziele aktivistischer Anleger zu erfüllen!