Viele von euch fragen sich sicherlich, warum sprossen 2020 diese ganzen Amazon-FBA-Business-Aufkäufer wie Pilze aus dem Boden? Woher und warum bekommen sie so Unmengen an Kapital, um den deutschen Amazon-Seller-Markt leerzukaufen? Hier ein Erklärungsversuch!

Kapital!

In der Summe stehen für euch Händler aktuell knapp 1 Mrd. Euro zur Verfügung. Das ist die Summe des Kapitals, welches sich alle bekannten Protagonisten, also Thrasio, BBG & Co., in die Kriegskasse gelegt hat. Das ist verdammt viel Zaster, wenn man bedenkt, dass es nur ein paar tausend Übernahmeziele gibt. Aber woher und warum gibt es so viel Geld und woher kommt das Budget?

Geld ist im Markt aktuell viel vorhanden. Die Zinsen sind niedrig und Cash gibt es ›fast‹ an jeder Ecke. So ist es für die Aufkäuferbuden recht einfach ›Kohle‹ bei verschiedenen Investoren einzusammeln. Zumal dann, wenn sie üppige Gewinne versprechen können. Und das tun sie. Schaut einmal auf folgende Rechnung:

Kaufpreis für einen FBA-Seller: 3 Mio €

Der Umsatz liegt bei 1,5 Mio €

Das Ergebnis netto: 100.000 €

Ausschüttung p. A.: 75.000 €

Das ergibt einen Zinssatz von 2.5% und damit ist ein Wertzuwachs des Übernahmeziels noch nicht mit einberechnet.

„Thrasio Tops $1 Billion in Total Capital Raised, Secures $500 million in Fresh Capital“

Ergo: Bereits recht geringe Gewinne lassen für die Investoren ausreichend Zinsplus erwarten. Ob diese dann auch tatsächlich von den ganzen Aufkäufern realisierbar sind, steht auf einem anderen Blatt Papier. Jedenfalls ist viel Kapital auf dem Markt, welches ausgegeben werden will. Für einfache und leichtverständliche Businessmodelle wird daher auch aktuell sehr zügig viel Geld lockergemacht.

Einfaches Geschäftsmodell mit Proof of Concept

Investoren mögen einfache Geschichten mit Nachvollziehbarkeit. Und genau so klingen die Geschichten der Amazon-Aufkauf-Gründer: »Schaut mal, liebe Investoren, bei Thrasio funktioniert es in den USA. In Deutschland und der EU gibt es noch nichts. Investiert in den Klon und partizipiert am Erfolg.

Wir als Gründer sind die besten! Wir verstehen eine Menge von Amazon und können zumindest den Namen geradeaus schreiben. Das FBA ist stark automatisiert und wir sind in der Lage, Skaleneffekte ganz easy zu heben. Deshalb machen wir das alles auch viel besser«, so lässt sich die Pitch Story reduzieren.

Exkurs: Skaleneffekt bedeutet, dass sich die Kosten reduzieren, wenn ich mehr produziere. Im Aufkaufkontext meinen die Gründer, dass sich die Betriebskosten des Unternehmens senken lassen, wenn sie ganz viele Brands an Bord nehmen.

Natürlich wird das ganze Erfolgsmärchen noch mit ein paar tollen Zahlen hinterlegt, es wird sich ein wenig auf die Einwandbehandlung vorbereitet und schon kriegen Investoren das Sabbern. Auf die Idee der Copy-Cat-Story sind nun einige gekommen und die geben sie fleißig zum Besten.

Amazon FBA Business Verkaufsplattform

Fazit: Das Geld sitzt locker, die Klon-Story lässt sich einfach erzählen und mit Zahlen untermauern. Die tatsächlichen Unternehmer-Skills der Acquirer werden (mangels Fähigkeit) selten durch die Investoren im Detail geprüft und daher gibt es nun eine übersichtliche Zahl an Aufkäufern. Tatsächlich erfolgreich werden die wenigsten sein.

Kommentar

Als Verkaufsinteressent habt ihr augenblicklich eine gefühlt unendliche Auswahl an Aufkäufern, die um euch buhlen. Aber ihr solltet die Spreu vom Weizen trennen. Schaut genau hin, wer euch aufkaufen möchte. Schaut auf euren Vorteil. Spannend finde ich Modelle, bei denen die Aufkäufer eine langfristige Beteiligung versprechen.