Der YouGov Consumer Index 02|2026 zeigt: 67 Prozent der deutschen Haushalte sind wütend auf Preiserhöhungen – der höchste Wert seit Beginn dieser Messung 2023. Gleichzeitig droht durch den Irankrieg die nächste Inflationswelle, vermuten die Verbraucher. Was bedeutet das für den Handel?

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Preise steigen langsamer, die Wut wächst trotzdem

Wer die Zahlen der vergangenen vier Jahre betrachtet, könnte eigentlich von einer Entspannung sprechen. Die bezahlten Preise im deutschen FMCG-Markt (Fast Moving Consumer Goods – Lebensmittel, Drogerieartikel, Haushaltswaren) sind nach dem Schockjahr 2023 mit +9,5 Prozent deutlich moderater gestiegen: 2024 waren es nur noch +1,7 Prozent, 2025 +3,5 Prozent. Zum Jahresbeginn 2026 liegt die Preissteigerung bei +2,0 Prozent (YTD Februar). Doch diese Entwicklung bei den Preisen hat die Grundstimmung der Konsumenten nicht beruhigt – im Gegenteil.

Anfang 2026 geben 67 Prozent der haushaltsführenden Personen an, die Preiserhöhungen seien unverschämt und machten sie wütend. Das ist der höchste gemessene Wert seit Beginn dieser Messung im Jahr 2023. Zum Vergleich: 2023 lag dieser Wert bei 60 Prozent, 2024 bei 64 Prozent, 2025 bei 65 Prozent.

Das Paradoxe: Obwohl die Preise nach den Extremjahren 2022 und 2023 nur noch moderat stiegen, nahm die Wut der Haushalte weiter zu. Nach 2023 erwarteten die Menschen keine weiteren Preissteigerungen, sondern Preissenkungen – sie hatten geglaubt, den Gipfel der Preise erklommen zu haben und rechneten mit Stufen, die wieder nach unten führen würden. Bekommen haben sie geringere Preiserhöhungen. Der Gipfel der Preiserhöhungen war erreicht, aber der Preisgipfel selbst noch nicht – die Preise stiegen weiter, nur moderater. Das hat die Gemüter nicht besänftigt.

Gleichzeitig sinkt das Verständnis für Preiserhöhungen kontinuierlich: Nur noch 25 Prozent aller Haushalte äußern 2026 ein gewisses Verständnis für Preiserhöhungen – gegenüber 36 Prozent im Jahr 2023. Handel und Hersteller sitzen damit auf einem Pulverfass. Preiserhöhungen werden von den Haushalten sehr sensibel wahrgenommen – die Verursacher werden schnell durch Nicht-Kauf abgestraft.

Was folgt, wenn die Preise wieder sprunghaft steigen?

Genau in diese ohnehin angespannte Lage platzt ein neues Krisenszenario. Seit Ende Februar 2026 lähmt der Krieg im Iran globale Warenströme und die Energieversorgung. Die Energiepreise steigen, und es wird davon ausgegangen, dass auch die Konsumgüterpreise als Folge der Energiepreissteigerungen einen Sprung nach oben machen werden. YouGov formuliert auf dieser Basis konkrete Hypothesen über das künftige Kaufverhalten:

Keine Schockreaktionen wie 2022, aber Verhaltensumstellungen. Die Menschen haben sich inzwischen an multiple Krisen angepasst – das nennt sich Krisenadaption. Schockreaktionen wie im Jahr 2022 dürften daher ausbleiben. Die Verbraucher werden ihr Verhalten bei starken Preiserhöhungen erneut umstellen, aber weniger ruckartig als damals.

Discounter und Handelsmarken gewinnen Marktanteile. Die Discounter und Handelsmarken werden ihre Marktanteile wieder viel stärker ausbauen, da mehr Haushalte in einen restriktionsgeleiteten Modus gehen müssen. Auch die Preiseinstiegsmarken des Handels werden deutlich an Dynamik gewinnen. Verlieren werden vor allem die Mittemarken der Hersteller.

Das Premium-Segment bleibt stabiler als 2022. Eine Variante der Krisenadaption der letzten Jahre war es, wieder im Hier und Jetzt etwas mehr zu genießen und sich etwas zu gönnen. Dieser Trend wird auch nach einem erneuten sprunghaften Anstieg der Preise Bestand haben. Den Menschen ist inzwischen klar, dass die Krisen nicht verschwinden werden – auf eine krisenfreie Zukunft zu hoffen, ist keine Option mehr. Premiummarken profitieren von dieser Grundeinstellung und werden bei einem starken Preisanstieg nicht noch einmal so stark einbrechen wie 2022.

Februar 2026: Eisige Straßen bremsen den Lebensmittelhandel

Der Winter hatte Deutschland im Februar fest im Griff, vor allem im Norden. Eisige Temperaturen über mehrere Wochen, Schnee und Eisregen überzogen das Land mit einer Eisschicht. Die Notaufnahmen der Krankenhäuser waren voll mit Patienten, die gestürzt waren und sich Arm oder Bein gebrochen hatten. Der alltägliche Einkauf war damit eine buchstäbliche Rutschpartie – und das ist wohl der wesentliche Grund dafür, dass der Februar in der Umsatzentwicklung des LEH deutlich hinter dem Januar zurückgeblieben ist.

Drogeriemärkte: Wachstum nur noch auf dem Papier. Die Drogeriemärkte wuchsen im Februar 2026 zwar um fünf Prozent im Umsatz – aber ausschließlich, weil die bezahlten Preise in dieser Vertriebsschiene um 6,2 Prozent gestiegen sind. Das bedeutet im Umkehrschluss einen Mengenverlust von 1,2 Prozent. YouGov stellt die Frage: Ist das ein Ausrutscher – oder der Beginn vom Ende der Wachstumsvormacht der Drogerien?

Discounter und Vollsortimenter halten sich. Bei den Discountern beträgt der Preisanstieg 1,1 Prozent und finanziert das Umsatzwachstum bei stagnierender Mengenentwicklung. In den LEH-Vollsortimentern stiegen die bezahlten Preise um 2,2 Prozent, was zu einem Absatzrückgang von gut einem Prozent führt.

Umsatzentwicklung nach Vertriebsschiene – Februar 2026 vs. Vorjahr

Quelle: DE YouGov® Shopper Panel | FMCG inkl. Frische

Drogeriemärkte
 

+5%

Vollsortimenter
 

+2%

Discounter
 

+1%

SB-Warenhäuser
 

+1%

E-Commerce
 

−2%

Fachhandel
 

−2%

© 2026 YouGov Shopper Intelligence

E-Commerce schwächelt überraschend. Erstaunlicherweise war auch der Umsatz im Onlinehandel mit FMCG im Februar rückläufig – minus zwei Prozent. Angesichts der schwierigen Einkaufstrips infolge der rutschigen Straßenverhältnisse hätte man hier eigentlich einen Anstieg erwartet. Der Basiseffekt aus dem Vorjahresmonat war mit plus zehn Prozent jedoch sehr hoch. Der Onlinehandel war bereits im Januar hinter den anderen Kanälen zurückgeblieben.

Sortimentsblick: Rindfleisch teuer, Tiefkühlkost wächst, Tee schwächelt

Rindfleisch ist im Februar 2026 gegenüber dem Vorjahresmonat um 15,6 Prozent teurer geworden, gemischtes Rind-/Schweinefleisch um 11,8 Prozent. Entsprechend bricht die Nachfrage ein: Rindfleisch verliert 9,8 Prozent beim Absatz, gemischtes Fleisch 8,3 Prozent. Schweinefleisch dagegen konnte das Preisniveau marginal senken. Vegane Fleischalternativen zeigen einen Gegentrend: Im Februar 2026 wächst die Nachfrage mengenmäßig um 13,1 Prozent.

Bei Tiefkühlkost wachsen Herstellermarken mit plus 3,7 Prozent deutlich stärker als Handelsmarken. Zu den größten Gewinnern zählen TK-Komplettgerichte (+10,9 Prozent), TK-Obst/Säfte (+27,8 Prozent) und TK-Snacks (+25,2 Prozent). Röstkaffee bleibt mit plus 16,6 Prozent Umsatzwachstum ein Treiber im Heißgetränkesegment – allerdings rein preisgetrieben. Tee hingegen erleidet mit minus 7,8 Prozent Absatz einen erheblichen Einbruch.

Bei alkoholfreien Getränken fällt ein struktureller Trend auf: Das Dosenformat wächst beim Absatz aktuell um 27,2 Prozent, getragen von steigender Käuferzahl und höherer Einkaufsfrequenz. Der PET-Kasten zeigt dagegen deutliche Schwäche und verliert in sämtlichen Kennzahlen.

Pessimismus auf höchstem Niveau seit November 2024

Der YouGov Zukunftssensor zeigt, wie schwer der Schock des Irankriegs auf die öffentliche Stimmung drückt. 59 Prozent der Bevölkerung erwarten, dass sich die Wirtschaftslage in Deutschland in den nächsten zwölf Monaten verschlechtern wird – ein Anstieg um 15 Punkte gegenüber Dezember 2025. 44 Prozent erwarten eine Verschlechterung ihrer persönlichen finanziellen Situation. Nahezu drei Viertel, 71 Prozent, sind besorgt, dass sich ihre persönliche wirtschaftliche Lage durch den Irankrieg verschlechtern wird.

Der Pessimismus-Indikator im Zukunftssensor steigt im März von 0,40 auf 0,59 – den höchsten gemessenen Wert seit November 2024. Optimismus und Ungewissheit gehen gleichzeitig zurück.

Fazit: Zwei Risiken, eine erschöpfte Konsumentenbasis

Die deutsche Konsumentenbasis ist emotional erschöpft. Vier Jahre Preisschocks, Krisen und enttäuschter Hoffnung auf Normalisierung haben eine Verärgerung aufgebaut, die sich nicht durch moderatere Preissteigerungen auflöst.

Der Krieg im Iran geht in den zweiten Monat – länger als geplant. Die wirtschaftlichen Auswirkungen treffen Europa direkt. Die Privathaushalte hadern nach wie vor mit der starken Inflation der Jahre 2022 und 2023 – und jetzt droht eine neue Inflationswelle, wenn die Teuerung bei der Energieversorgung und die Knappheit bei wichtigen Rohstoffen auf Warenbeschaffung, Produktion und Logistik durchschlägt.

An der Tankstelle bekommen sie eine Vorstellung davon, wie es in den nächsten Monaten kommen könnte. Sie haben es schließlich schon einmal erlebt. Für den stationären und digitalen Handel bedeutet das: Preiserhöhungen werden 2026 noch schneller und noch schärfer abgestraft als je zuvor. Die Spielräume werden kleiner. Die Geduld der Kunden ist am Ende.

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