Der kalifornische Generalstaatsanwalt Rob Bonta hat am 20. April 2026 bisher unter Verschluss gehaltene Beweisdokumente aus dem laufenden Kartellverfahren gegen Amazon veröffentlicht. Die Unterlagen zeigen im Detail, wie Amazon Lieferanten und Konkurrenten systematisch zu Preiserhöhungen gedrängt hat – auf Kosten der Verbraucher. Die offizielle Pressemitteilung ist auf oag.ca.gov abrufbar.
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Hintergrund: Klage seit 2022
Kalifornien klagt seit 2022 gegen Amazon wegen wettbewerbswidriger Preispraktiken. Im Februar 2026 stellte Generalstaatsanwalt Bonta einen Antrag auf einstweilige Verfügung, um Amazons Verhalten während des laufenden Verfahrens zu stoppen. Die dazugehörigen Beweisdokumente waren bis dato weitgehend geschwärzt. Auf Betreiben der Behörde veröffentlichte das San Francisco Superior Court nun eine weitgehend ungeschwärzte Fassung. Der Verhandlungstermin zur einstweiligen Verfügung ist für den 23. Juli 2026 angesetzt. Das Hauptverfahren soll im Januar 2027 beginnen.
Drei Mechanismen zur Preissteuerung
Laut den veröffentlichten Dokumenten nutzt Amazon drei Methoden, um Preise auf Drittplattformen nach oben zu treiben:
Methode 1: Amazon oder ein Wettbewerber einigen sich über einen gemeinsamen Lieferanten darauf, den Preis anzuheben oder ein Produkt vorübergehend vom Markt zu nehmen. Der jeweils andere Händler passt den Preis anschließend nach oben an.
Methode 2: Ein Konkurrent bietet ein Produkt günstiger an als Amazon. Amazon fordert – über den Lieferanten – eine Preiserhöhung beim Konkurrenten. Danach erhöht Amazon den eigenen Preis.
Methode 3: Der Lieferant zieht ein Produkt von einem günstigeren Konkurrenten zurück. Das niedrigere Preisangebot verschwindet vom Markt. Amazon hebt daraufhin den eigenen Preis an.
Die Beweise im Detail: Levi’s, Chewy, Target, Walmart
Die Dokumente enthalten konkrete Schriftverkehre zwischen Amazon und seinen Lieferanten sowie den Wettbewerbern. Einige dokumentierte Fälle:
Levi’s / Walmart – Khakihosen: Amazon meldete Levi’s, dass Khakihosen auf Walmart.com für 25,47 bis 26,99 Dollar angeboten wurden – günstiger als bei Amazon. Levi’s sprach daraufhin mit Walmart. Das Ergebnis: Walmart erhöhte den Preis auf 29,99 Dollar. Amazon bestätigte die Anpassung und zog den eigenen Preis nach.
GlobalOne / Chewy – Hundefutter: In einem E-Mail-Austausch koordinierten Amazon und der Lieferant GlobalOne die Preiserhöhung für Tiersnacks der Marke Canine Naturals. GlobalOne sollte Chewy informieren, dass Amazon die Preise anhebe, und Chewy bitten, nachzuziehen. Der Plan funktionierte: Chewy erhöhte die Preise für mehr als zehn Produkte.
Hanes / Target: Amazon schickte Hanes Links zu günstigeren Preisen bei Target und Walmart. Hanes bestätigte, beide Händler kontaktiert und zur Preiserhöhung aufgefordert zu haben.
Allergan / Walmart – Augentropfen: Amazon sperrte vorübergehend Augentropfen des Herstellers Allergan, weil Walmart sie für 13,59 Dollar anbot. Nachdem Walmart den Preis auf 16,99 Dollar angehoben hatte, entsperrte Amazon das Produkt wieder.
Agrothrive / Home Depot – Pflanzendünger: Amazon beschwerte sich beim Hersteller Agrothrive über günstigere Preise bei Home Depot. Agrothrive meldete zurück: „Ich war gerade in einem Meeting mit der Home Depot-Managerin. Sie hat zugestimmt, die Preise diesmal zu erhöhen.“
Songmic / Wayfair – Mülleimer: Amazon kritisierte, dass Wayfair einen Mülleimer des Herstellers Songmic günstiger anbot. Songmic bat Wayfair daraufhin dringend, keine Aktionspreise mehr anzubieten.
Amazon-Mitarbeiter im Wortlaut
Die veröffentlichten Dokumente enthalten interne Formulierungen von Amazon-Mitarbeitern. In einem Fall schrieb ein Amazon-Mitarbeiter an einen Lieferanten: „Ich bin sehr entschlossen, euch dabei zu helfen, die Störer im Markt zu jagen.“ In einem anderen Fall drohte Amazon mit Produktablistung, falls das günstigere Konkurrenzangebot nicht bis Ende der Woche beseitigt sei.
Was das für Onlinehändler bedeutet
Die Dokumente betreffen nicht nur Amazons Marktmacht gegenüber Verbrauchern, sondern auch das Verhältnis zu Onlinehändlern, die auf Marktplätzen wie Amazon, Walmart oder Chewy verkaufen. Wer als Händler Preise unterhalb von Amazon anbietet, riskiert demnach, dass Amazon beim gemeinsamen Lieferanten Druck aufbaut – und das günstigere Angebot verschwindet. Das Preissystem auf Amazon ist damit kein neutraler Marktmechanismus, sondern kann aktiv durch Amazon beeinflusst werden, wenn es dem eigenen Margenziel widerspricht.
Einordnung
Das Verfahren in Kalifornien ist eines der weitreichendsten kartellrechtlichen Verfahren gegen Amazon in den USA. Die jetzt öffentlichen Beweise machen im Detail sichtbar, wie Amazon die Preisgestaltung auf Drittplattformen steuert, durch Druck auf Lieferanten, die als Vermittler zu Wettbewerbern fungieren. Ob das San Francisco Superior Court die einstweilige Verfügung erlässt, entscheidet sich am 23. Juli 2026. Das Urteil im Hauptverfahren wird frühestens 2027 erwartet. Die vollständigen Beweisdokumente hat das kalifornische Justizministerium auf seiner Website veröffentlicht .
Meinung
𝗔𝗺𝗮𝘇𝗼𝗻, ihr verarscht Kunden und Händler. Viel mehr gibt es dazu eigentlich gar nicht zu sagen.
Die jetzt veröffentlichten Dokumente sind ein extrem sensibler – und vor allem peinlicher – Einblick in Amazons Geschäftsgebaren. Und sie zeigen ziemlich deutlich, wie hier gearbeitet wird.
Die spannende Frage ist doch: Kostet diese Veröffentlichung Amazon am Ende mehr als der Reibach, den sie mit diesen illegalen Preisabsprachen gemacht haben?
Wobei „Preisabsprache“ fast schon zu harmlos klingt. Eigentlich ist es ein Preisdiktat. Eine konsequente Ausnutzung von Marktmacht.
Und dann will diese Bude ernsthaft noch von partnerschaftlichem Verhalten sprechen? Wer’s glaubt, wird selig.
Auf der anderen Seite: Wenn man so fett im Geschäft ist wie Amazon, dann sind die Versuchungen eben da, noch tiefer in den Honigtopf zu greifen.
Das geht so lange gut – bis Oma kommt und einem den Hintern versohlt. Und das hoffentlich kräftig.





