Der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland e.V . (bevh) meldet einen Lichtblick für den deutschen Onlinehandel. Erstmals seit 2021 ist der Bruttoumsatz im E-Commerce mit Waren in allen Quartalen eines Jahres gestiegen. Nach den jetzt vorgestellten Zahlen erreichte der Onlinehandel mit Endkunden 2025 einen Umsatz von 83,1 Milliarden Euro, nach 80,6 Milliarden Euro im Vorjahr. Das entspricht einem Wachstum von 3,2 Prozent und liegt damit deutlich über der Prognose von 2,5 Prozent.
Quelle der Zahlen ist die aktuelle bevh-Studie „Interaktiver Handel in Deutschland “, vorgestellt am 22. Januar 2026 im Rahmen einer Pressekonferenz des Verbands.
Inhaltsverzeichnis
- Fast 100 Milliarden Euro Umsatz – inklusive Dienstleistungen
- Konsumlaune verhalten – Onlinehandel setzt dennoch Impulse
- Gewinner und Verlierer bei den Warengruppen
- Marktplätze treiben das Wachstum – China-Plattformen mit starkem Effekt
- Re-Commerce boomt
- KI-Shopping: großes Thema, geringe Akzeptanz
- Einordnung: Wachstum ja – aber ungleich verteilt
- Fazit
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Fast 100 Milliarden Euro Umsatz – inklusive Dienstleistungen
Neben dem Warenhandel legten auch die digitalen Dienstleistungen deutlich zu. Sie wuchsen um 7,3 Prozent auf 14,4 Milliarden Euro. Zusammen mit dem Warenhandel erreichte der Gesamtumsatz aus Waren und Dienstleistungen damit 98,6 Milliarden Euro. Die Branche nähert sich erneut der viel zitierten „magischen“ 100-Milliarden-Euro-Grenze.
Der bevh weist darauf hin, dass der Onlinehandel damit weiterhin deutlich besser performt als der stationäre Einzelhandel. Für 2026 erwartet der Verband gemeinsam mit dem EHI Retail Institute ein weiteres Wachstum im E-Commerce mit Waren von 3,8 Prozent, trotz geopolitischer Unsicherheiten und schwacher Konjunktur.
Konsumlaune verhalten – Onlinehandel setzt dennoch Impulse
Trotz insgesamt schwacher Konsumstimmung konnte der Onlinehandel 2025 wichtige Kaufimpulse setzen. Der Anteil der sogenannten Viel-Käufer blieb stabil: 34,2 Prozent der Kunden in Deutschland bestellten durchschnittlich zweimal pro Woche oder häufiger online.
Auch der durchschnittliche Bestellwert stieg leicht von 144,12 Euro im Jahr 2024 auf 146,19 Euro. Die Kundenzufriedenheit bleibt mit 96,2 Prozent auf sehr hohem Niveau (2024: 96,0 Prozent). Gleichzeitig ist der Anteil der Kunden, die ihre Ausgaben im Onlinehandel reduzieren wollen, mit 24,6 Prozent so niedrig wie seit vier Jahren nicht mehr.
Gewinner und Verlierer bei den Warengruppen
Das Wachstum verteilt sich jedoch sehr unterschiedlich auf die einzelnen Warengruppen. Zu den größten Gewinnern zählen:
- Medikamente: +6,0 Prozent (1,807 Mrd. Euro)
- Lebensmittel: +5,5 Prozent (4,121 Mrd. Euro)
- Tierbedarf: +5,0 Prozent (1,971 Mrd. Euro)
Auch andere große Segmente entwickelten sich besser als im Vorjahr:
- Mode: +3,5 Prozent (15,127 Mrd. Euro)
- Haushaltswaren & -geräte: +4,8 Prozent (7,198 Mrd. Euro)
- Möbel, Lampen & Dekoration: +3,3 Prozent (5,597 Mrd. Euro)
Deutlich schwächer wuchs dagegen der Bereich Elektronik und Telekommunikation mit nur +1,4 Prozent (12,246 Mrd. Euro), nachdem dieses Segment im Vorjahr noch ein Minus verzeichnet hatte. Auto- und Motorrad-Zubehör stagnierte nahezu und verzeichnete sogar ein leichtes Minus von -0,3 Prozent.
Marktplätze treiben das Wachstum – China-Plattformen mit starkem Effekt
Besonders dynamisch entwickelten sich die Online-Marktplätze. Ihre Umsätze stiegen um 4,9 Prozent auf 46,2 Milliarden Euro. Damit werden inzwischen 56 Prozent des gesamten Onlinehandels über Marktplätze abgewickelt.
Auffällig ist dabei der Beitrag chinesischer Plattformen wie Shein, Temu und AliExpress. Zwar ist ihr Umsatzanteil am Gesamtmarkt vergleichsweise gering, doch ihr Wachstum ist enorm:
- +27,2 Prozent Wachstum
- 3,7 Milliarden Euro Umsatz
- Jede 15. Online-Bestellung entfällt inzwischen auf eine dieser Plattformen
Von den 2,6 Milliarden Euro, um die der E-Commerce mit Waren insgesamt gewachsen ist, entfallen 30 Prozent allein auf diese chinesischen Plattformen.
bevh-Zahlen zum deutschen E-Commerce 2025 (Quelle: bevh)
- E-Commerce-Umsatz mit Waren 2025: 83,1 Mrd. €
- E-Commerce-Umsatz mit Waren 2024: 80,6 Mrd. €
- Wachstum Waren-E-Commerce: +3,2 %
- Prognose Wachstum Waren-E-Commerce 2026: +3,8 %
- Digitale Dienstleistungen 2025: 14,4 Mrd. €
- Wachstum digitale Dienstleistungen: +7,3 %
- Gesamtumsatz Waren & Dienstleistungen 2025: 98,6 Mrd. €
- Anteil Viel-Käufer (≥ 2 Bestellungen/Woche): 34,2 %
- Durchschnittlicher Bestellwert 2024: 144,12 €
- Durchschnittlicher Bestellwert 2025: 146,19 €
- Kundenzufriedenheit E-Commerce: 96,2 %
- Kunden mit geringerer Ausgabenabsicht: 24,6 %
Wachstum nach Warengruppen (Auswahl)
- Medikamente: +6,0 % (1,807 Mrd. €)
- Lebensmittel: +5,5 % (4,121 Mrd. €)
- Tierbedarf: +5,0 % (1,971 Mrd. €)
- Mode gesamt: +3,5 % (15,127 Mrd. €)
- Haushaltswaren & -geräte: +4,8 % (7,198 Mrd. €)
- Möbel, Lampen & Deko: +3,3 % (5,597 Mrd. €)
- Elektronik & Telekommunikation: +1,4 % (12,246 Mrd. €)
- Auto & Motorrad-Zubehör: -0,3 % (1,303 Mrd. €)
Marktplätze & Plattformen
- Marktplatzumsatz gesamt: 46,2 Mrd. €
- Anteil Marktplätze am Onlinehandel: 56 %
- Wachstum Marktplätze: +4,9 %
- China-Plattformen (Shein, Temu, AliExpress): 3,7 Mrd. €
- Wachstum China-Plattformen: +27,2 %
- Anteil am Gesamtwachstum: 30 %
- Anteil an Online-Bestellungen: jede 15. Bestellung
Re-Commerce & KI-Shopping
- Re-Commerce-Umsatz 2025: 1,96 Mrd. €
- Re-Commerce-Wachstum: +21,8 %
- KI-Shopping vollständig genutzt: 6,3 %
- Ablehnung von Shopping-KIs: 91,7 %
Re-Commerce boomt
Ein weiteres stark wachsendes Segment ist der Handel mit gebrauchten Waren. Der gewerbliche Re-Commerce legte um 21,8 Prozent zu und erreichte 1,96 Milliarden Euro (2024: 1,61 Mrd. Euro). Der bevh sieht hier erhebliches weiteres Potenzial, mahnt aber an, dass der Gesetzgeber bei Regulierung und Nachhaltigkeitszielen die Besonderheiten dieses Marktes berücksichtigen müsse.
KI-Shopping: großes Thema, geringe Akzeptanz
Auch das Thema KI-basiertes Shopping spielte auf der Pressekonferenz eine Rolle. Zwar sieht der bevh den E-Commerce an der Schwelle zu einer neuen technologischen Phase, doch die Akzeptanz bei Verbrauchern ist bislang gering.
Nur 6,3 Prozent der Onlinekunden geben an, ihre Einkäufe vollständig über KI abzuwickeln. 91,7 Prozent lehnen Shopping-KIs derzeit noch ab. Hauptgrund ist fehlendes Vertrauen. Der Verband fordert daher klare Regeln, Transparenz bei Kaufempfehlungen und ein Level-Playing-Field, um neue marktbeherrschende Gatekeeper zu verhindern. (Kommentar: Das war nicht anders zu erwarten. Denn die großen Plattformen haben die Hosen gestrichen voll, dass KI ihnen das Werbegeschäft kaputt macht)
Einordnung: Wachstum ja – aber ungleich verteilt
Möchte man den Zahlen glauben schenken, dann wächst der E-Commerce – allerdings sehr ungleich verteilt. Viele Händler berichten weiterhin von schwierigen Geschäften. Aus Gesprächen mit Dienstleistern wird deutlich, dass sich Zahlungsfristen verlängert haben und immer mehr Händler ausfallen.
Zudem erfasst der ausgewiesene Branchenumsatz nicht nur den Handel mit Waren, sondern auch Dienstleistungen. Das ist problematisch, weil dadurch kein klarer Rückschluss auf den tatsächlichen Handelsumsatz möglich ist – genau dieser wäre jedoch entscheidend, um das reale Wachstum im Onlinehandel sauber einzuordnen.
Ein erheblicher Teil des Wachstums stammt zudem von China-Plattformen. Das liefert einen plausiblen Erklärungsansatz dafür, warum bei vielen deutschen Händlern vom Wachstum wenig ankommt. Subjektiv – und gestützt durch Rückmeldungen aus der Praxis – scheinen die Wachstumsimpulse an kleinen und mittleren Händlern vorbeizugehen.
Diese Entwicklung trifft inzwischen auch die Dienstleisterbranche spürbar. Wenn Händler weniger investieren, Projekte verschieben oder ganz vom Markt verschwinden, schlägt sich das zeitverzögert bei Agenturen, Softwareanbietern und Servicepartnern nieder.
Fazit
Der Onlinehandel in Deutschland wächst wieder – daran lassen die Zahlen des bevh wenig Zweifel. Während Marktplätze und insbesondere chinesische Plattformen stark profitieren, bleibt die Lage für viele deutsche Händler angespannt.
Der Blick auf die aggregierten Umsätze allein reicht nicht aus. Entscheidend ist, wo das Wachstum entsteht – und bei wem es ankommt. Hier zeigt sich eine zunehmende Schieflage, die den Markt auch 2026 weiter beschäftigen dürfte.





