GameStop bereitet ein Übernahmeangebot für eBay vor und hat dafür im Hintergrund bereits eine Beteiligung am Marktplatz aufgebaut. Das berichtet das Wall Street Journal unter Berufung auf eingeweihte Personen, das manager magazin hat den Vorgang für den deutschsprachigen Raum aufgegriffen. Der Plan: Ryan Cohen will den Börsenwert von GameStop mehr als verzehnfachen. Das Angebot könnte noch im Mai vorgelegt werden. Wenn das eBay-Management ablehnt, geht Cohen direkt an die Aktionäre. Für Onlinehändler ist das mehr als eine Wallstreet-Story – es entscheidet darüber, wem die Plattform künftig gehört.
Inhaltsverzeichnis
Fasse den Artikel im Bullet-Stil zusammen.
Aus Meme-Aktie wird Marktplatz-Käufer
GameStop ist börsennotiert (NYSE: GME), Sitz in Grapevine, Texas. Das Unternehmen ist nach dem Rückzug aus Deutschland und massiven Filialschließungen kein klassischer Videospielehändler mehr, sondern ein Vehikel für Ryan Cohens E-Commerce-Umbau.
Größter Einzelaktionär ist Cohen selbst über RC Ventures LLC mit rund 8,6 Prozent. Daneben halten Vanguard etwa 5,9 Prozent, BlackRock rund 5,1 Prozent. State Street und Geode Capital sind ebenfalls signifikant beteiligt. Ein großer Teil der restlichen Aktien liegt seit dem Short Squeeze 2021 bei Kleinanlegern, die sich über Reddit organisierten – darunter Keith Gill alias „Roaring Kitty“. Cohen ist nicht nur Ankerinvestor, sondern auch CEO und Chairman.
eBay sieht anders aus. Gründer Pierre Omidyar hält noch Anteile, der Streubesitz ist aber dominant. Mehrheitlich sitzen institutionelle Investoren wie BlackRock und Vanguard auf den Aktien. Es gibt keinen Eigentümer, der langfristig die Richtung vorgibt – die Plattform gehört faktisch ihren Quartalszahlen.
13 Milliarden Dollar zurück an Aktionäre statt in die Plattform
Wer verstehen will, warum sich an eBay seit Jahren wenig bewegt, schaut auf die Kapitalrückflüsse. eBay hat in den letzten Geschäftsjahren konsequent Milliarden in Aktienrückkäufe gesteckt – Geld, das nicht in die Plattform, nicht in Händlertools und nicht in Wachstum geflossen ist. Sondern in die Taschen der Shareholder. Dividenden wurden gut bezahlt.
| Jahr | Aktienrückkäufe | Dividenden | Gesamt an Aktionäre |
|---|---|---|---|
| 2020 | 5,1 Mrd. USD | 447 Mio. USD | ~5,5 Mrd. USD |
| 2021 | 7,0 Mrd. USD | 466 Mio. USD | ~7,5 Mrd. USD |
| 2023 | 1,4 Mrd. USD | 528 Mio. USD | 1,9 Mrd. USD |
| 2024 | 3,1 Mrd. USD | 533 Mio. USD | 3,7 Mrd. USD |
Allein im Dezember 2024 hat der Verwaltungsrat das Rückkaufprogramm um weitere 3 Milliarden Dollar aufgestockt. Im ersten Quartal 2026 hat eBay 639 Millionen Dollar an Aktionäre zurückgeführt – Aktienrückkäufe und Dividenden zusammen. Die Logik ist: Cash raus, Aktienkurs hoch, Quartal gut.
Was ein Anker-Investor ändern würde
Genau hier liegt der Hebel. GameStop hat mit Cohen einen Eigentümer, der durchregieren kann. Wer zu rund 90 Prozent im Streubesitz ist – wie eBay heute – muss jedes Quartal liefern. Wer einen Ankerinvestor mit Dauer-Mandat hat, kann anders planen.
Jeff Bezos hat Amazon über Jahre auf Verlust und Investition fahren lassen, weil er als Großaktionär den Druck der Quartalszahlen abfedern konnte. Cohen kann bei eBay einen ähnlichen Weg gehen. Statt 3 Milliarden Dollar pro Jahr in Buybacks zu pumpen, ließe sich das Geld in Suche, KI, Versand, Bezahlung, Vertrauen und Händlersoftware investieren. Genau das, was Onlinehändler seit Jahren von eBay einfordern.
Die Erfolgsaussichten sind besser, als die Schlagzeilen suggerieren. BlackRock und Vanguard sind bei beiden Unternehmen unter den größten Aktionären. Cohen muss also nicht Fremde überzeugen, sondern dieselben Fonds, die ohnehin schon investiert sind. Das macht den Weg über die Aktionäre – falls das Management blockiert – realistisch.
Strategiewechsel: eBay könnte „gamestopisiert“ werden
Cohen denkt nicht wie ein klassischer Marktplatzbetreiber. GameStop ist heute näher an Collectibles, Trading Cards und Gaming-Community als am Filialgeschäft. Diese Logik wird Cohen auf eBay übertragen.
Erwartbare Richtung: stärkerer Fokus auf Collectibles, Trading Cards, Gaming und Nerd-Kultur. Mehr Community und Social Commerce. Möglicherweise Gamification des Kaufprozesses – also Mechaniken aus dem Gaming-Bereich, die Kauf, Bieten und Sammeln verzahnen. eBay hat die Käufer dafür längst, und mit den Trading-Card- und Sneaker-Authentifizierungsservices gibt es bereits Andockpunkte.
Für dich als Onlinehändler bedeutet das eine Statusverschiebung. eBay ist heute eine reine Plattform – der Betreiber verkauft nicht selbst. Genau diesen Status kann eBay verlieren. GameStop bringt eigenen Warenbestand, eigene Marken, eigene Community-Reichweite mit. Wer GameStop kauft, kauft sich einen eigenen Vertriebskanal innerhalb von eBay. Im Klartext: GameStop wird sehr wahrscheinlich auf eBay intensiv verkaufen – und dabei nicht wie irgendein Drittanbieter behandelt. Der bisher saubere Trennstrich zwischen Marktplatz und Marktteilnehmer ist dann weg.
Krischs Alibaba-Wette ist damit vom Tisch
Jochen Krisch hatte 2014 in einer Exciting-Commerce-Folge mit Marcel Weiß spekuliert, ob sich Alibaba „über kurz oder lang“ eBay schnappt. Diese Wette geht nicht mehr auf. Mit dem GameStop-Vorstoß ist eBay strategisch belegt. Und selbst wenn Cohen scheitern würde: Eine chinesische Übernahme einer US-Handelsplattform hätte spätestens unter der aktuellen US-Administration politisch keine Chance. CFIUS-Prüfung, nationale Sicherheit, Daten – das wäre durchgewunken nicht.
Was das jetzt für Onlinehändler heißt
Ein paar Punkte sind unmittelbar relevant. Erstens: eBay ist seit Freitag im Übernahmemodus – die Aktie ist nachbörslich um zweistellige Prozentsätze gestiegen, das ändert die Verhandlungslogik. Zweitens: Sollte der Deal kommen, gibt es einen Eigentümer, der Geduld hat – und einen, der sehr genau weiß, wie E-Commerce funktioniert. Cohen hat Chewy gegründet und an PetSmart für 3,35 Milliarden Dollar verkauft. Das ist ein anderes Kaliber als die bisherige eBay-Führung.
Wahrscheinlich ist das gut für die Plattform. Und damit gut für dich.





