Am 31.3.2016, am späten Nachmittag, platzte die Bombe: Real übernimmt das Kölner Shoppingportal Hitmeister. 2007 von Dr. Gerald Schönbucher gegründet, ist Hitmeister jetzt ein Marktplatz mit über 2,5 Millionen Kunden und über 10000 Produkten in 5000 Kategorien. Das GMV lag im vergangenen Jahr bei knapp 50 Millionen €. Das Geschäft bedarf jedoch noch der Zustimmung der zuständigen Wettbewerbsbehörden.

Real ist eine SB-Warenhauskette, die zum Metrokonzern gehört. Ganz am Ende der Nahrungskette des Konzerns steht die Familie Haniel. Metro selbst betreibt mehrere Abholmärkte, ist aber im Wesentlichen im B2B-Geschäft tätig. Zur Konzerngruppe gehören auch (noch) die Media Saturn und Redcoon.

Warum mich das so freut?

Hitmeister ist ein feines Unternehmen, mit einem ehrlichen und seriösen Geschäftsmodell. Leise und trotzdem wahrgenommen, schafft es der Gründer und CEO Gerald Schönbucher dieses Jahr in die schwarzen Zahlen. Man kann es auch recht knapp sagen: Qualität setzt sich durch! Genauso ist es auch! Gerald hat an sein Geschäftsmodell geglaubt und konsequent, qualitätsbewusst und ehrlich an Weiterentwicklung und Verbesserung von Hitmeister gearbeitet. Dass er und sein Team nun die Früchte dafür ernten und mit Real einen starken Partner im Hintergrund bekommen, ist wohl verdient!

Ein Erfolg für Gerald und sein Team!

Gerald ist ein großartiger Mensch und hat es verstanden, ein fantastisches Team zu bilden. Ganz ehrlich: Ich habe ganz selten solch motivierte und glückliche Mitarbeiter in einem Unternehmen wahrgenommen. Und wie es im negativen Sinne so heißt: Der Fisch stinkt vom Kopf an, so ist es auch im positiven Sinne so, dass Gerald mit eigenem „Spirit und Enthusiasmus“ sein Team dauerhaft angesteckt hat. Hitmeister ist in meinen Augen mit das sympathischste Unternehmen, das ich in der Branche bisher gesehen habe. Umso mehr gönne ich Gerald und seinem großartigen Team diesen tollen Erfolg und freue mich für sie mit.

Ist das jetzt gut für Hitmeister und die Händler?

Was am Ende des Tages passieren wird, steht mit Sicherheit in Sternen, beziehungsweise: Ich weiß es schlicht nicht. Aber ich kann ja mal vermuten: Stefan Meixner von Neuhandeln.de berichtete im März 2015, dass sich Real für Handelspartner öffnet. Das bedeutet, Real ist schon jetzt eine Art „Marktplatz“. In diesem Kontext macht es auch Sinn, Hitmeister zu betrachten. Für ein Unternehmen, welches ein paar eigene Sortimentslücken hat, ist es natürlich enorm wertvoll, dass andere Handelspartner diese Lücken füllen und gegebenenfalls schneller auf Trends und Veränderungen reagieren, als Real es selber könnte.

Das kann für beide der Beginn einer grandiosen Partnerschaft sein!

Mit über 2,5 Millionen Kunden, über 10000 Produkten und 5000 Rubriken ist Hitmeister hier natürlich eine Topergänzung, für die eigene Strategie.

„Kommt der Hund nicht zum Knochen, dann kommt der Knochen halt zum Hund“

Das bedeutet nichts anderes, als dass Real zu seinen Kunden geht. Und zwar, indem Real mit dem eigenen Angebot den eigenen Marktplatz bespielt und um die Sortimente von Drittanbietern ergänzt. Im Vordergrund wird wohl Hitmeisters Sortiment und Kategorisierung stehen. Wenn man beide Dinge miteinander verbindet, den alten Real-Shop und den Hitmeister-Marktplatz, wird ein Schuh draus.

Unterm Strich sollte Hitmeister von der Stärke der Metro-Gruppe und Real deutlich profitieren. Den Händlern sollten die Reichweiten von Hitmeister und Real deutliche Vorteile bringen, zumal ich davon ausgehe, dass Hitmeister sein Tempo nun noch einmal anziehen kann.

In Stefan Meixners (Neuhandeln.de) aktueller Bewertung des Deals, führt Stefan noch die Gründe an, dass das von Hitmeister entwickelte Produktinformationssystem und die geschickte Content Marketing Strategie gleichfalls für Real wertvoll sein könnte. Damit folgen Stefan und ich offensichtlich einer ähnlichen Einschätzung.

Marktplätze sind also gut!

Interessant ist ja auch, wie Real, besser die Metro-Gruppe, Marktplätze an und für sich bewertet. Mit ihrer (demnächst abgespaltenen) Media Saturn sind sie ja bereits aktiv auf eBay zu Gange. Das zeigt deutlich, für wie wichtig der Konzern Marktplätze hält. Sowohl Zalando, wie auch Plus, bieten ihre Plattform Drittanbietern an. Wer also denkt, Marktplätze seien ein überholtes Modell oder nicht mehr „in“, der liegt offensichtlich völlig daneben.