Die Inflationsrate in Deutschland steigt im März 2026 voraussichtlich auf 2,7 Prozent – nach 1,9 Prozent im Februar. Der Treiber ist diesmal keine ausufernde Nachfrage, sondern eine scharfe Kehrtwende bei den Energiepreisen. Für den Onlinehandel ist das eine schlechte Nachricht zur falschen Zeit.
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Energie: Jahrelang günstig – jetzt der Schwenk
Laut Statistischem Bundesamt stiegen die Energiepreise im März 2026 gegenüber dem Vorjahresmonat um 7,2 Prozent – der erste Preisanstieg bei Energie seit Dezember 2023.
Was dabei kaum Beachtung findet: Seit Anfang 2024 lagen die Jahresvergleichswerte für Energie durchgehend im Minus. Im Februar 2026 noch bei −1,9 Prozent. Diese dauerhafte Entlastung kam im öffentlichen Bewusstsein nie an – die Kaufkraft-Debatte hatte sich auf Mieten und Dienstleistungen verlagert.
Jetzt dreht der Trend scharf. Auslöser ist die Destabilisierung der globalen Rohstoffmärkte durch den Angriffskrieg gegen den Iran. Öl- und Gaspreise reagieren. Eine schnelle Normalisierung ist nicht zu erwarten.
Die Zahlen im Überblick
Das Statistische Bundesamt veröffentlichte heute folgende Veränderungsraten des Verbraucherpreisindex gegenüber dem jeweiligen Vorjahresmonat (vorläufige Werte für März 2026):
| Gütergruppe | Gewichtung (‰) | Dez 2025 | Jan 2026 | Feb 2026 | Mär 2026 (vorl.) |
|---|---|---|---|---|---|
| Gesamtindex | 1.000 | +1,8 % | +2,1 % | +1,9 % | +2,7 % |
| Kerninflation (ohne Energie & Nahrung) | 821,41 | +2,4 % | +2,5 % | +2,5 % | +2,5 % |
| Dienstleistungen | 503,36 | +3,5 % | +3,2 % | +3,2 % | +3,2 % |
| Waren | 496,64 | +0,4 % | +1,0 % | +0,8 % | +2,3 % |
| Energie | 73,90 | −1,3 % | −1,7 % | −1,9 % | +7,2 % |
| Nahrungsmittel | 104,69 | +0,8 % | +2,1 % | +1,1 % | +0,9 % |
Die Kerninflation bleibt konstant bei 2,5 Prozent. Der März-Sprung im Gesamtindex kommt damit fast ausschließlich aus der Energie – kein breiter Nachfrageauftrieb, sondern ein externer Schock.
Rund um den Verbraucherpreisindex, den harmonisierten Index und die Kerninflation
Verbraucherpreisindex (VPI)
Der nationale VPI misst die durchschnittliche Preisentwicklung aller Waren und Dienstleistungen, die private Haushalte in Deutschland konsumieren. Er bildet den typischen deutschen Warenkorb ab und ist das Referenzmaß für die nationale Inflationsrate. Die Gewichtung der Gütergruppen wird regelmäßig an das tatsächliche Ausgabeverhalten angepasst.
Harmonisierter Verbraucherpreisindex (HVPI)
Der HVPI ist das EU-weit einheitliche Pendant zum nationalen VPI. Er wird nach gemeinsamer europäischer Methodik berechnet und ermöglicht direkte Ländervergleiche. Die Europäische Zentralbank (EZB) nutzt ihn als zentrales Maß für Preisstabilität und richtet ihr 2-%-Inflationsziel daran aus. VPI und HVPI weichen aufgrund unterschiedlicher Erfassungsbereiche und Gewichtungen leicht voneinander ab – im März 2026: VPI +2,7 %, HVPI +2,8 %.
Kerninflation
Die Kerninflation misst die Preisentwicklung ohne Energie und Nahrungsmittel. Sie gilt als stabilerer Indikator für strukturellen Preisdruck, weil kurzfristige externe Schocks herausgerechnet werden. Notenbanken beobachten sie genau: Eine hartnäckig hohe Kerninflation signalisiert tief verankerten Preisauftrieb, der schwerer zu bekämpfen ist als rein energie- oder rohstoffgetriebene Inflation.
Was das für den Onlinehandel bedeutet
Energiekosten schlagen direkt auf die Zustelllogistik durch. Die Kraftstoffzuschläge von DHL, DPD, UPS und GLS orientieren sich an Kraftstoffindizes, die Energiepreisschwankungen zeitnah abbilden. Steigen die Energiepreise dauerhaft, verteuern sich Zustell- und Fulfillment-Kosten – mit oder ohne Rahmenvertrag.
Auf der Nachfrageseite reagieren Verbraucher auf steigende Energiekosten mit Kaufzurückhaltung. Heizkosten, Stromrechnung, Tankquittung – diese Posten sind sichtbar und lösen Sparreflexe aus. Online-Shopping ist dabei einer der Bereiche, in dem Haushalte kürzen.
Eine schnelle Entspannung ist nicht realistisch. Historische Präzedenzfälle – der Angriff auf die Ukraine 2022, der erste Golfkrieg – zeigen: Geopolitisch getriebene Energieschocks dauern Quartale. Wer davon ausgeht, dass die Krisensituation das gesamte Jahr 2026 prägen wird, liegt damit näher an der Wirklichkeit als jemand, der auf eine schnelle Normalisierung hofft.
Für den Onlinehandel ergibt sich daraus ein doppelter Gegenwind: steigende Kosten auf der Logistikseite, kaufzurückhaltende Verbraucher auf der Nachfrageseite. Wer seine Kalkulation noch nicht angepasst hat, sollte das jetzt tun. Die endgültigen März-Zahlen veröffentlicht Destatis am 10. April 2026.





