JD.com baut seinen Einfluss in Europa massiv aus – und dreht dabei das Spiel um. Der chinesische E-Commerce-Riese kommt nicht mehr nur als Importeur, sondern als Türöffner. Wer als europäische Marke nach China will, bekommt von JD.com die komplette Infrastruktur geliefert.
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Der Plan: 1.000 neue Marken in drei Jahren
Im Mittelpunkt steht der „10 Billion GigaGrowth Plan“ . Das Ziel: 1.000 internationale Marken bis 2028 auf den chinesischen Markt bringen und dabei einen kumulierten Umsatz von 10 Milliarden Renminbi – rund 1,4 Milliarden US-Dollar – erzielen.
Das Vehikel dafür ist JINGDONG Cross-border, JDs Cross-Border-Import-Plattform. Sie übernimmt für Marken ohne chinesische Niederlassung den kompletten Markteintritt: Logistik, Zollabwicklung, Marketing, Verbraucheranalysen – alles aus einer Hand. Über 700 Millionen aktive Kunden auf der JD-Plattform warten am anderen Ende.
Barcelona als Bühne: Spanische Marken im Visier
Auf der Alimentaria Barcelona – der 50. Ausgabe der weltweit wichtigsten Lebensmittelmesse – trat JD.com erstmals als aktiver Recruiter auf. Vor Ort unterzeichnete das Unternehmen eine Partnerschaft mit BayMar, einem spanischen Premium-Meeresfrüchte-Hersteller.
BayMar-Direktor Javier Coll bringt den Reiz des Deals auf den Punkt: JD.coms Logistiknetz stelle sicher, dass Produkte die chinesischen Kunden in derselben Qualität erreichten wie in Spanien. Begleitend startete JD.com zeitgleich ein „Spanish Food & Drinks Festival“ auf seiner Plattform – mit Sonderangeboten und kuratierten Geschenksets spanischer Weine und Spezialitäten. Der kommerzielle Botschaftsrat Spaniens in China, Ernesto Negredo Pascual, bestätigte das Potenzial: JD.com biete spanischen Marken eine echte Chance auf Sichtbarkeit im chinesischen Markt.
DHL bringt deutsche Marken nach China
Einen Monat zuvor hatte JD.com bereits ein Memorandum of Understanding mit DHL unterzeichnet. Ziel: deutschen Marken den Einstieg in den chinesischen Markt erleichtern.
Das Modell ist dasselbe wie bei Alimentaria: DHL bringt die deutschen Marken mit, JD.com übernimmt den Rest – Plattformzugang, Fulfillment, Marketing, Consumer Insights. Für die Marken entfällt die Notwendigkeit einer physischen Präsenz oder juristischen Person in China. Dazu profitieren sie von einem Vorzugszollschema für direkte B2C-Sendungen, was die Importkosten gegenüber klassischen Einfuhrwegen erheblich senkt.
DHL-CEO Tobias Meyer nannte das Ergebnis eine einzigartige Kombination: globale Logistikstärke, Plattformreichweite, Vorzugszölle und China-Fulfillment in einem Paket. JD.com-CEO Sandy Xu ergänzte: Viele deutsche Unternehmen hätten starke Produkte – ihnen fehle bislang der richtige Kanal, um chinesische Verbraucher direkt zu erreichen.
Joybuy: JD.com greift Europas Marktplätze an
Die zweite Stoßrichtung zielt auf Europa selbst. Unter dem Namen Joybuy betreibt JD.com inzwischen eine eigene Online-Handelsplattform in sechs Ländern: Großbritannien, Deutschland, Niederlande, Frankreich, Belgien und Luxemburg.
Joybuy ist noch in der Beta-Phase, soll aber 2026 vollständig launchen – mit über 100.000 Markenprodukten aus eigenen Lagern in UK und Europa. Der eigene Lieferdienst JoyExpress verspricht in ausgewählten Städten Same-Day-Delivery: Bestellung bis 11 Uhr, Lieferung vor 23 Uhr.
Erste Markenpartnerschaften laufen bereits: Im Februar 2026 kooperierte Joybuy mit The Pink Stuff, einer britischen Haushaltsmarke mit treuer Fangemeinde. Ein Signal, dass JD.com den europäischen Markt nicht nur als Sprungbrett nach China versteht, sondern als eigenständiges Geschäftsfeld ernst nimmt.
JD.com greift Amazon von zwei Seiten an
Was JD.com hier aufbaut, ist kein klassisches China-Expansionsprojekt. Es ist ein bidirektionales Handelsmodell: europäische Qualitätsmarken bekommen Zugang zum chinesischen Massenmarkt – und chinesische Einkaufskompetenz trifft auf europäische Verbraucher.
Für Online-Händler in Europa ist das eine Entwicklung, die man im Blick behalten sollte. Joybuy ist noch klein. Aber JD.com ist Chinas größter Händler nach Umsatz, steht auf Platz 44 der Fortune Global 500 – und hat bewiesen, dass es Märkte nicht langsam, sondern mit voller Infrastruktur betritt.





