JTL hat mit Version 2.0.0 eine Software in die Händlerschaft geschmissen, die nach Aussage eines eigenen Servicepartners „hunderte schwere Bugs“ enthält. Was in jeder anderen Branche ein Skandal wäre, wird in der JTL-Welt achselzuckend hingenommen. Wie demütig und erduldend doch die JTL-Software Kunden sind.
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Fasse den Artikel im Bullet-Stil zusammen.
Was passiert ist
Onlinehändler Torge Baumbach hat über die Ostertage auf JTL WMS 2.0.0 aktualisiert – und stand danach vor einem leeren Bildschirm. Das WMS zeigte keine Lager mehr an, obwohl die Wawi die Lager korrekt anzeigte, der FFN-Abgleich lief und alle Lizenzen aktualisiert waren. Ein Fehler, der nach einem Update nicht passieren darf.
Baumbach wandte sich an die offizielle JTL-Facebook-Gruppe. Was er dort bekam, war keine Lösung – sondern ein Geständnis und Schuld zugesprochen.
Robert Wall (T4DT GmbH) sagt es selbst
Robert Wall, Geschäftsführer der T4DT GmbH und offizieller JTL-Servicepartner, kommentierte in dem Thread unverblümt:
„Warum macht man an einem Feiertag ein Update? Kein Support ist verfügbar. Die Version hat hunderte schwere Bugs. Und spätestens Ende April kommt eine stabile Variante raus.“
Wall richtete seinen Kommentar explizit an die „geneigten Mitleser“, um sie davor zu warnen, es Baumbach gleichzutun. Das hat was: Ein offizieller JTL-Servicepartner warnt öffentlich vor der aktuellen Stable-Version – in der offiziellen JTL-Gruppe. Und JTL? Schweigt.
Wall räumt außerdem ein, dass er die Version „außerhalb vom Labor“ nicht am Feiertag updaten würde. Ein Servicepartner, der seinen eigenen Kunden die aktuelle Stable-Version nur im Testbetrieb anfasst. Das sagt alles über den Zustand dieser Software.

Kaltschmidt zeigt die typische Reaktion
Auch René Kaltschmidt, ebenfalls JTL-Servicepartner, meldete sich zu Wort – nicht mit Kritik an JTL, sondern mit einem Kommentar über Baumbach persönlich:
„Das nenne ich mal Leben am Limit… also wenn deine Frau im öffentlichen Dienst arbeitet und du von deinen eigenen Umsätzen nicht abhängig bist, kann man das machen, aber sonst 🤦♂️“
Mit anderen Worten: Schuld ist der Händler, der das Update eingespielt hat. Nicht JTL, das eine fehlerhafte Software als „Stable Release“ deklariert hat.
Das eigentliche Problem: niemand benennt es
Markus Kießling brachte im Thread den entscheidenden Punkt:
„Bei jeder anderen Software die ich kenne, laufen Updates ohne großen Zauber und der Erwartung den Kundendienst zu benötigen problemlos durch. Nur diejenigen, die in der JTL-Blase stecken sehen ‚hundert schwere Bugs‘ als normal an.“
Genau das ist der Kern. In der JTL-Welt hat sich eine Kultur etabliert, in der fehlerhafte Releases als gottgegeben hingenommen werden. Die Diskussion dreht sich nicht um die Frage, warum JTL Software mit hunderten Bugs als stabil klassifiziert – sondern darum, ob Baumbach den falschen Zeitpunkt für sein Update gewählt hat.
Das ist die falsche Frage. Die richtige lautet: Warum darf ein Softwareanbieter eine Version mit hunderten schweren Bugs unter „Stable Releases“ veröffentlichen – und niemand im Ökosystem nimmt ihn dafür in die Pflicht?
Was das für Händler bedeutet
JTL ist das Herz in den Händlerfirmen. Es steuert Lager, Kommissionierung, Versandprozesse. Ein Ausfall im laufenden Betrieb kostet echtes Geld – pro Stunde, pro Fehler, pro nicht ausgelieferter Bestellung. Wenn eine „stabile“ Version im Wortsinn nicht stabil ist, ist das kein Kavaliersdelikt. Es ist ein Geschäftsschaden, den JTL mit dem Release verursacht.
JTL ist für diesen Schaden verantwortlich.
Stattdessen erklärt man Händlern, sie sollen mit Updates warten. Oder nur dann updaten, wenn niemand arbeitet. Oder – wie Kaltschmidt – dankbar sein, dass ihre Frau ein geregeltes Einkommen hat.
JTL muss in die Pflicht genommen werden
Das Problem ist nicht Torge Baumbach, der ein Update eingespielt hat. Das Problem ist ein Softwareanbieter, der Releases als stabil kennzeichnet, die es nicht sind – und ein Ökosystem aus Servicepartnern, das diese Praxis deckt statt benennt.
Hunderte schwere Bugs in einer Warenwirtschaft sind kein Naturereignis. Sie sind das Ergebnis von schlechter Arbeit. Solange niemand – auch nicht die Servicepartner, die täglich mit JTL ihr Geld verdienen – klar ausspricht, was hier passiert, ändert sich nichts. Robert Wall hat wenigstens gewarnt. Das ist mehr als JTL selbst getan hat.





