KI im B2B Handel ist 2026 angekommen – aber nicht da, wo viele Onlinehändler sie erwarten würden. Das aktuelle B2BEST Barometer von ECC KÖLN, synaigy und VTEX zeigt: 54 Prozent der Großhändler und Hersteller halten KI heute schon für sehr oder äußerst relevant, in fünf Jahren rechnen 85 Prozent damit zu arbeiten. Der Einsatz steigt – die Hürden bleiben aber dieselben wie 2024. Und genau das wird zum Problem.
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Fasse den Artikel im Bullet-Stil zusammen.
Was Händler bei KI im B2B Großhandel wirklich einsetzen
Die Top 3 der KI-Lösungen in B2B-Unternehmen sind 2026 deutlich verschoben: Chatbots und virtuelle Assistenten kommen auf 48 Prozent (2024: 39 Prozent), automatisierte Dokumentenerstellung auf 45 Prozent (2024: 36 Prozent), die automatische Verbuchung von Zahlungseingängen auf 44 Prozent. 41 Prozent setzen KI für Produktbeschreibungen und Content ein, 39 Prozent für interne Workflows, 37 Prozent für PIM-Datenanreicherung.
78 Prozent der Befragten erwarten, Kundenanfragen schneller bearbeiten zu können. 77 Prozent sehen präzisere Entscheidungsprozesse. Und 74 Prozent rechnen mit zusätzlichen Umsätzen durch datenbasierte Produkte. Das ist die Theorie. In der Praxis sieht es anders aus.
Die 44-Prozent-Hürde: Warum so viele KI-Projekte stecken bleiben
Die Integration in bestehende Systeme ist für 44 Prozent der größte Bremsklotz – 2024 waren es 43 Prozent. Datenschutz und Sicherheitsrisiken nennen 37 Prozent (2024: 39 Prozent), die hohe technische Abhängigkeit 30 Prozent (2024: 34 Prozent). Übersetzt: In zwei Jahren hat sich an den Schmerzpunkten nichts bewegt. Wer ChatGPT, Copilot oder Gemini im Büro nutzt, hat KI noch nicht in der Wertschöpfung verankert. Das ist aber der Haken, an dem sich Unternehmen in den nächsten Jahren auseinanderdividieren werden.

Dr. Kai Hudetz vom IFH KÖLN bringt es auf den Punkt: Generative KI wird breit eingesetzt, aber selten messbar. Synaigy-Geschäftsführer Joubin Rahimi ergänzt, dass viele Unternehmen KI als Insellösung behandeln, ohne den Erfolg zu messen. Damit fehlt die Basis, den tatsächlichen Mehrwert zu bewerten.
EU AI Act: 56 Prozent schauen einfach zu
Ab August 2026 gilt der EU AI Act vollständig – das weltweit erste umfassende KI-Gesetz. 56 Prozent der B2B-Unternehmen beobachten die Regulierung, ohne aktiv zu handeln. Bei kleineren Unternehmen sehen 25 Prozent gar keinen Handlungsbedarf. Das ist riskant: Der AI Act teilt KI-Systeme nach Risiko in Kategorien ein und schreibt Transparenz, Risikomanagement und menschliche Aufsicht vor. Wer im August unvorbereitet erwischt wird, hat ein Compliance-Problem – und keine Übergangsfrist mehr.
Konjunktur stabil – aber das Ganztoll-Hoch ist vorbei
69 Prozent der Hersteller und Großhändler bewerten die wirtschaftliche Lage weiterhin als sehr gut oder gut. Im vierten Quartal 2025 stuften aber noch 28 Prozent die Lage als sehr gut ein – jetzt ist es nur noch jedes fünfte Unternehmen. Die Spitzen brechen weg, der Boden hält. Vorerst.
Was Onlinehändler jetzt aus dem B2BEST Barometer mitnehmen sollten
Die Studie liefert eine unbequeme Diagnose: Großer Glaube, kleine Umsetzung. Wer KI im B2B Großhandel ernst meint, braucht keinen weiteren ChatGPT-Account, sondern einen Piloten mit klarer KPI. Ein konkreter Use Case entlang der eigenen Wertschöpfung – Produktdaten-Anreicherung, Reklamationsbearbeitung, Angebotskalkulation – schlägt jeden strategischen Workshop. Wer bis August nichts dokumentiert hat, fliegt beim AI Act blind.
Quelle: IFH KÖLN





