Das Konsumklima stürzt im April auf -33,3 Punkte und damit auf den niedrigsten Wert seit Februar 2023. Für den Mai 2026 erwartet das NIM eine weitere Eintrübung: Die Einkommenserwartungen brechen ein, die Anschaffungsneigung fällt auf ein Zwei-Jahres-Tief. Für Onlinehändler heißt das: weniger Kaufbereitschaft, mehr Preissensibilität, härterer Wettbewerb um schrumpfende Warenkörbe.
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Iran-Krieg drückt die Stimmung in den Keller
Der Konsumklima-Indikator des NIM Konsumklimas powered by GfK gibt für Mai 2026 nochmals deutlich nach. Mit -33,3 Punkten liegt er 5,2 Zähler unter dem revidierten Vormonatswert von -28,1 Punkten. Auslöser ist laut NIM der anhaltende Iran-Krieg, der Energiepreise treibt und die Inflation im März von 1,9 auf 2,7 Prozent gehoben hat.
Die folgende Tabelle zeigt die Werte der Indikatoren im April 2026 im Vergleich zum Vormonat und Vorjahr:
Einkommenserwartungen brechen um 18,1 Punkte ein
Die Einkommenserwartungen geben um 18,1 Punkte nach und liegen bei -24,4 Punkten. Vor einem Jahr standen sie noch bei +4,3 Punkten. Verbraucher rechnen mit weiter steigenden Preisen und dämpfen ihre Einkommensaussichten entsprechend ab. Eine NIM-Langfristanalyse zeigt: Inflationserwartungen und Einkommenserwartungen sind eng verkoppelt. Steigt die erwartete Inflation, fällt die Einkommensstimmung – fast eins zu eins.

Rolf Bürkl, Head of Consumer Climate beim NIM, ordnet die Lage so ein: „Die Verbraucherstimmung gibt nochmal deutlicher stärker nach als im Vormonat und liegt nun bei -33,3 Punkten. Dies ist der niedrigste Wert seit Februar 2023.“ Die Einkommenserwartungen brächen „infolge der gestiegenen Inflation regelrecht ein“.
Zwei-Jahres-Tief: Onlinehändler verlieren Anschaffungsneigung
Die Anschaffungsneigung sinkt um 3,5 Punkte auf -14,4 Punkte – das ist der schwächste Wert seit zwei Jahren. Die Bereitschaft, größere Anschaffungen zu tätigen, schwindet sichtbar. Das trifft alle Onlinehändler, die langlebige Gebrauchsgüter verkaufen: Möbel, Haushaltsgroßgeräte, Unterhaltungselektronik, E-Bikes, Smartphones im oberen Preissegment. Wer hier auf einen Mai-Aufschwung gehofft hat, kann ihn aus der Planung streichen.
Die Sparneigung gibt zwar leicht um 2,4 Punkte nach, bleibt mit 16,1 Punkten aber auf hohem Niveau. Heißt: Verbraucher legen weiter zurück, statt zu konsumieren. Geld ist da – es fließt nur nicht in den Handel.
Konjunkturerwartungen wie zu Beginn des Ukraine-Kriegs
Die Konjunkturerwartungen verlieren weitere 6,8 Zähler und fallen auf -13,7 Punkte. Das ist ein ähnliches Niveau wie im April 2022, als der Ukraine-Krieg begann. Der vorsichtige Aufschwung der deutschen Wirtschaft droht ins Stocken zu geraten, falls der Iran-Konflikt anhält und politische Maßnahmen nicht greifen.
Die Verlaufsgrafik des NIM macht den Absturz sichtbar – seit Anfang 2026 zeigt die Kurve klar nach unten:
Was Onlinehändler jetzt aus den Zahlen ziehen
Drei Punkte sind operativ relevant. Erstens: Höherpreisige Sortimente werden im Mai schwerer abverkauft. Wer auf Margen-Hebel über Premium setzt, sollte Forecasts nach unten korrigieren und Lagerbestände prüfen, bevor Cashflow-Probleme entstehen.
Zweitens: Die Preissensibilität steigt. Aktionen, Bundles und Finanzierungsangebote (0%-Raten, Klarna, „Jetzt kaufen, später zahlen“) bekommen mehr Gewicht. Wer Preisarchitektur und Promo-Mechanik jetzt überarbeitet, geht besser durch das zweite Quartal.

Drittens: Die Sparneigung von 16,1 Punkten zeigt, dass Geld vorhanden ist – es muss nur freigesetzt werden. Vertrauen, klare Kommunikation und ein konkreter Mehrwert pro Euro entscheiden mehr denn je. Generische Rabattschlachten verbrennen Marge, ohne den Hebel zu liefern.
Mai 2026 wird kein Erholungsmonat
Das Konsumklima ist ein Frühindikator – die jetzt gemessenen -33,3 Punkte zeigen, was im Mai im Konsum ankommt. Solange der Iran-Krieg läuft, die Energiepreise hoch bleiben und die Inflation oben anzieht, dreht die Stimmung nicht. Onlinehändler, die in den Sommer mit realistischen Zahlen gehen wollen, planen das zweite Quartal vorsichtiger – und halten Liquidität für den Herbst zurück.
Die nächste Veröffentlichung des NIM Konsumklimas ist für Freitag, den 22. Mai 2026 um 8.00 Uhr angekündigt. Quelle der Daten: Nürnberg Institut für Marktentscheidungen e. V. (NIM) , Erhebungszeitraum 2. bis 13. April 2026, rund 2.000 Verbraucherinterviews.





