Pickroboter Logistik wird im neuen Logistikzentrum von The Quality Group in Elsdorf zur Schau gestellt: 90.000 Pakete am Tag, 4.000 Bestellungen pro Stunde, 360 Mitarbeiter in drei Schichten. Hinter den Marken More Nutrition und ESN steckt ein Apparat, der mit US-Robotern der Marke Locus arbeitet – und der ab und zu kollektiv stehen bleibt, wenn sich die Geräte gegenseitig im Weg stehen. Onlinehändler bekommen hier Anschauungsunterricht, wie Marken-Skalierung in der Logistik aussieht.
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Vom 5.000-m²-Lager zur 50.000-m²-Halle in sechs Jahren
2019 verschickte der spätere Konzern The Quality Group aus einem 5.000 Quadratmeter großen Lager in Elmshorn rund 3.000 Pakete pro Tag, mit 30 Mitarbeitern. Nach dem Proteinhype reichten zwei Hallen in Kaltenkirchen mit 20.000 Paketen pro Tag nicht mehr. Vor 16 Monaten zog das Unternehmen in den Login-Park Elsdorf, Landkreis Rotenburg, und fährt seitdem auf 50.000 Quadratmetern.
Auf der Fläche lagern rund 2.500 Produkte der Marken ESN und More Nutrition – Proteinpulver, Riegel, Geschmackspulver, zuckerloser Sirup. 360 Mitarbeiter arbeiten 24 Stunden an sechs Tagen pro Woche. Das ist die Skalierungskurve einer Marke, die fast ausschließlich D2C verkauft.
4.000 Bestellungen pro Stunde – wie funktioniert das?
Der Durchsatz steht im Mittelpunkt: 90.000 Pakete am Tag, 4.000 Bestellungen pro Stunde. Der Schlüssel sind die Locus-Roboter. Die Geräte sehen aus wie leuchtende Saugroboter mit aufgesetztem Regalfach und Tablet. Sie fahren autonom durch die Hallen, Mitarbeiter – die Picker – stehen an festen Stationen und befüllen die transportierten Kartons.

Pro Roboter laufen vier Bestellungen parallel im sogenannten Multiorder-Pick. Statt für jede Order einzeln durch die Halle zu fahren, sammelt der Roboter Artikel für mehrere Aufträge auf einer Tour. Das spart Strecke und Zeit. Die Bestellungen werden per Barcode den Kartons zugewiesen, der Roboter ruft die Position des Pickers ab und steuert sie an.
70 Sprachen am Tablet – Personalmangel als Treiber
Die Roboter sprechen 70 Sprachen. Welche Sprache der Roboter verwendet, erkennt er an einem Tag, das jeder Mitarbeiter trägt. In den Hallen arbeiten 38 Nationalitäten – fehlende Deutschkenntnisse sind kein Ausschlusskriterium. Picker verdienen 2.600 Euro brutto. Das Unternehmen sucht weiterhin Personal.

Das Standortproblem: fehlender Wohnraum. Pendler kommen aus Bremen, Hamburg, Neuenkirchen, sogar Kaltenkirchen. ÖPNV-Anbindung fehlt, ein Shuttle existiert nur ab Hamburg-Harburg. Für Onlinehändler, die ähnliche Skalierungsphasen vor sich haben, ist das wichtig: Standort entscheidet über Personalverfügbarkeit.
Wenn die Roboter sich gegenseitig blockieren – der Locus-Dance
Lasersensoren auf Knöchelhöhe verhindern Zusammenstöße. Bei zu schnellen Bewegungen versagen die Sensoren allerdings. Das Resultat: Zehn Roboter gefangen zwischen Regalen, sie ruckeln vor und zurück, drehen Kreise, blockieren sich gegenseitig. Vizepräsident Logistik Gerit Offenhauser nennt das den „Locus-Dance“. Die schnellste Lösung: bei ein bis zwei Robotern den Notaus-Knopf drücken und sie aus dem Weg schieben.

Für sehr kleine oder sehr große Bestellungen – unter 2 oder über 20 Liter – fahren die Roboter Plastikboxen statt Kartons. Diese landen an einer manuellen Packstation. Die ist auch der Stromausfall-Backup: Ohne Strom lassen sich noch rund 40 Prozent der Bestellungsmenge händisch abarbeiten.
Was Onlinehändler aus Elsdorf mitnehmen
The Quality Group zeigt, was D2C-Skalierung in der Lebensmittelergänzung praktisch bedeutet. Wer von 3.000 Paketen pro Tag im Jahr 2019 auf 90.000 Pakete im Jahr 2026 wachsen will, kommt ohne Robotik nicht aus – die Wegezeiten der Picker werden sonst zur Bremse. Gleichzeitig zeigt der Locus-Dance, dass auch durchautomatisierte Logistik fehleranfällig bleibt. Die manuelle Packstation als Backup ist kein Schmuckwerk, sondern operative Pflicht.
Für Marken, die schnell wachsen, ist das Logistikzentrum auch ein Recruiting-Lehrstück. 360 Stellen lassen sich nicht aus der unmittelbaren Region besetzen. Mehrsprachige Roboter und Shuttle-Verkehr werden zur Voraussetzung – nicht zur Kür. (Quelle: Kreiszeitung )





