Das Nürnberg Institut für Marktentscheidungen meldet für Mai 2026 einen Konsumklima-Wert von -29,8 Punkten – ein Plus von 3,3 Punkten gegenüber dem revidierten Vormonatswert von -33,1. Der monatelange Sinkflug ist damit zunächst beendet, der Indikator bleibt aber tief im negativen Bereich. Treiber der Erholung sind verbesserte Einkommenserwartungen und eine leicht rückläufige Sparneigung. Die Anschaffungsneigung steigt nur minimal. Onlinehändler stehen damit weiter vor Kunden, die größere Käufe aufschieben.

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Einkommenserwartungen springen um 11,4 Punkte nach oben

Die Einkommenserwartungen erholen sich auf -13,0 Punkte. Im April lagen sie noch bei -24,4 Punkten, nachdem sie zu Beginn des Irankrieges abgestürzt waren. Das aktuelle Plus von 11,4 Punkten ist der deutlichste Einzelschritt nach oben seit Monaten. Das NIM begründet den Anstieg damit, dass der Nahost-Konflikt bislang nicht weiter eskaliert ist und ein Teil der geopolitischen Unsicherheit bereits eingepreist wurde. Zusätzlich rechnen Verbraucher offenbar mit politischen Entlastungsmaßnahmen.

Im Vorjahresvergleich bleibt die Lücke groß: Im Mai 2025 stand der Indikator noch bei +10,4 Punkten. Aktuell trennen 23,4 Punkte den Mai-Wert 2026 vom Mai-Wert 2025.

Anschaffungsneigung dümpelt bei -13,2 – Kauflust kommt nicht zurück

Die Anschaffungsneigung steigt um 1,2 Punkte auf -13,2. Damit bleibt sie deutlich im Minus und signalisiert weiter zurückhaltende Konsumenten. Größere Anschaffungen – Möbel, Haushaltsgroßgeräte, Unterhaltungselektronik – werden aufgeschoben. Vor einem Jahr lag der Wert bei -6,4 Punkten, also gut sieben Punkte höher.

Für den Onlinehandel ist das die zentrale Größe. Während Einkommenserwartung und Konjunkturerwartung Stimmungen abbilden, misst die Anschaffungsneigung am direktesten, wie nah Verbraucher am Kaufknopf sind. Ein Wert von -13,2 zeigt: noch nicht nah genug.

Sparneigung sinkt zum dritten Mal in Folge – und bleibt hoch

Die Sparneigung gibt um 2,2 Punkte nach und liegt bei 13,9 Punkten. Es ist der dritte Rückgang in Folge. Trotzdem ist der Wert im langfristigen Vergleich sehr hoch und liegt fast vier Punkte über dem Vorjahr (10,0). Die Verbraucher halten Sparen also weiterhin für angeraten, etwas weniger entschieden als zu Jahresbeginn.

Eine sinkende Sparneigung bei gleichzeitig steigender Einkommenserwartung wäre die Konstellation, auf die der Handel wartet. Aktuell bewegen sich beide Indikatoren in diese Richtung, aber das Niveau bleibt belastet.

Konjunkturerwartung erholt sich – Preisangst lässt nach

Die Konjunkturerwartung verbessert sich um 2,5 Punkte auf -11,2. Die Mehrheit der Verbraucher rechnet weiterhin mit einer schlechteren Wirtschaftslage in den kommenden zwölf Monaten, der Pessimismus wird aber etwas geringer. Im Mai 2025 stand der Indikator bei +13,1 Punkten – die Differenz beträgt 24,3 Punkte.

Auch die Preiserwartung fällt deutlich: um 5,4 Punkte auf -0,4 Punkte. Das NIM führt den Rückgang auf die Senkung der Energiesteuer auf Diesel und Benzin zurück. Parallel stieg die Inflationsrate in Deutschland im April laut Statistischem Bundesamt auf 2,9 Prozent , einen Prozentpunkt über dem Februarwert.

Was die Zahlen für den Onlinehandel bedeuten

Der Stopp des Sinkflugs ist eine Stabilisierung auf niedrigem Niveau, keine Wende. Das Konsumklima ist ein Frühindikator für den privaten Konsum – und signalisiert weiterhin Kaufzurückhaltung. Der Einzelhandel macht je nach Abgrenzung rund 35 Prozent der privaten Konsumausgaben aus, der reine Onlinehandel ist Teilmenge davon.

Drei Punkte sind für die kommenden Wochen relevant: Erstens reagieren die Indikatoren stark auf den Nahost-Konflikt. Eine erneute Eskalation würde die Einkommenserwartung sofort wieder eintrüben. Zweitens wirkt die Energiesteuer-Senkung psychologisch stärker als die Inflationsrate, weil Verbraucher Tankstellenpreise direkt wahrnehmen. Und drittens bleibt die Sparneigung der Bremsklotz – solange Haushalte Sparen für ratsam halten, fehlt dem Handel Liquidität an der Kasse.

Nächste Veröffentlichung: 25. Juni 2026

Das nächste Update des NIM Konsumklimas powered by GfK erscheint am Donnerstag, 25. Juni 2026, um 8.00 Uhr. Die Erhebung basiert auf rund 2.000 Verbraucherinterviews im Auftrag der EU-Kommission. Befragungszeitraum für die aktuelle Analyse war der 30. April bis 11. Mai 2026.

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