Amazon hebt die Gebühren für die Selling Partner API auf. Das ist eine gute Nachricht für Händler und Amazon Service Provider
Das gab Geschrei, als Amazon im vergangenen Jahr ankündigte, seine Selling Partner API (SP-API) künftig kostenpflichtig zu machen. Für viele Anbieter von Händler-Tools hätte das erhebliche Mehrkosten bedeutet. Am Ende wären diese Kosten bei den Händlern selbst gelandet. Also eine verdeckte Gebührenerhöhung.
Nun rudert Amazon überraschend zurück. Wie Wortfilter aus Kreisen von Lösungsanbietern erfahren hat, hat Amazon gestern eine Nachricht an seine Solution Provider verschickt. Darin teilt das Unternehmen mit, dass die geplante Gebührenstruktur vorerst ausgesetzt wird. Der Schritt kommt nicht ganz überraschend – denn die Kritik aus der Branche war in den vergangenen Monaten deutlich lauter geworden.
Inhaltsverzeichnis
- Amazon hebt die Gebühren für die Selling Partner API auf. Das ist eine gute Nachricht für Händler und Amazon Service Provider
- Was die Amazon SP-API eigentlich ist
- Die geplante Gebührenstruktur
- Die Folgen für Händler
- Amazons Gebührenpolitik wäre konterkariert worden
- Wortfilter hatte die Problematik früh angesprochen
- Amazon reagiert auf Kritik
- Gute Nachricht für Händler
- Auswirkungen auf aktuelle Preiserhöhungen
- Fazit
Fasse den Artikel im Bullet-Stil zusammen.
Was die Amazon SP-API eigentlich ist
Um zu verstehen, warum diese Entscheidung so wichtig ist, muss man zunächst wissen, was hinter der SP-API steckt.
Die Selling Partner API ist die zentrale technische Schnittstelle von Amazon für Händler-Software. Über diese API greifen zahlreiche Programme auf Amazon-Daten zu oder steuern Funktionen im Seller-Account.
Typische Beispiele:
- ERP-Systeme holen Bestellungen automatisch ab
- Repricer passen Preise im Sekunden-Takt an
- Analyse-Tools lesen Verkaufsdaten aus
- Versandsoftware überträgt Trackingnummern
Ohne diese Schnittstelle wäre der moderne Marktplatzhandel kaum denkbar. Viele Händler nutzen mehrere Tools gleichzeitig, die alle über diese API mit Amazon kommunizieren.
Zu den bekannten Softwarelösungen gehören etwa:
- ERP-Systeme wie JTL
- Repricing-Tools
- Analyseplattformen wie Amalyze oder Helium10
- Marktplatz-Integrationen und Multichannel-Tools
Die API ist damit eine zentrale Infrastruktur für das gesamte Amazon-Ökosystem.
„Guten Tag!
Seit wir am 3. November 2025 unsere SP-API-Preisstruktur angekündigt und die erweiterte Stufe am 11. Februar 2026 eingeführt haben, wurden wir wiederholt von Lösungsanbietern auf die Komplexität dieser Gebührenstruktur für Ihre Geschäftsplanung und Prognose hingewiesen.
Es ist uns wichtig, Sie bei Wachstum und Innovation und beim Erstellen qualitativ hochwertiger Lösungen für Amazon Verkäufer zu unterstützen. Wir verstehen Ihre Bedenken und werten Ihr Feedback fortlaufend aus. Daher schieben wir die Gebühreneinführung auf und werden Ihnen im Herbst aktualisierte Zeitpläne mitteilen.
Vielen Dank für Ihre kontinuierliche Zusammenarbeit und dafür, dass Sie erstklassige Lösungen für Verkaufspartner entwickeln.
Das Team für Amazon Solution Provider Services“, so die originale Amazon Benachrichtigung an die 3Ps.
Die geplante Gebührenstruktur
Im November 2025 hatte Amazon angekündigt , für die Nutzung der SP-API künftig Gebühren zu verlangen.
Das neue Modell bestand im Kern aus zwei Komponenten:
- Jährliche Grundgebühr für Lösungsanbieter
- zusätzliche Kosten für hohe API-Nutzung
Je mehr Daten ein Tool über die Schnittstelle abrief, desto teurer wäre es geworden. Für große Anbieter mit tausenden angebundenen Händlerkonten hätte das schnell erhebliche Kosten verursacht. Denn jedes Tool führt täglich Millionen von API-Abfragen aus – etwa um Preise zu aktualisieren oder Bestellungen abzurufen. Gerade datenintensive Anwendungen wären besonders betroffen gewesen.
Die Folgen für Händler
Offiziell hätte Amazon die Gebühren nur von Softwareanbietern verlangt. In der Praxis wäre die Rechnung jedoch bei den Händlern angekommen. Denn die Anbieter von Händler-Software hätten diese Kosten zwangsläufig weitergeben müssen. Betroffen wären unter anderem:
- ERP-Systeme
- Repricer
- Recherche- und Analyse-Tools
- Multichannel-Software
Für viele Anbieter hätte sich die Kostenstruktur drastisch verändert. Die logische Folge wäre gewesen: Preiserhöhungen für Händler-Tools. Damit wäre aus einer technischen Infrastrukturmaßnahme am Ende eine indirekte Gebührenerhöhung für Amazon-Seller geworden.
Amazons Gebührenpolitik wäre konterkariert worden
Das ist brisant, weil Amazon gleichzeitig an anderer Stelle Gebühren gesenkt hatte. Wortfilter hatte bereits darüber berichtet , dass Amazon seine Verkaufsgebühren für Händler teilweise reduziert hat. Die geplante API-Gebühr hätte diesen Effekt jedoch faktisch wieder aufgehoben. Denn wenn Händler künftig mehr für Tools zahlen müssen, steigt ihre operative Kostenstruktur. Unterm Strich hätte sich die angekündigte Entlastung damit in Luft aufgelöst.
Wortfilter hatte die Problematik früh angesprochen
Wortfilter hatte bereits vor einigen Wochen auf dieses Problem hingewiesen und die Auswirkungen der geplanten Gebührenstruktur bei Amazon adressiert. Viele Lösungsanbieter berichteten, dass die neue Struktur ihre Geschäftsplanung erheblich erschweren würde. Insbesondere die prognostizierbaren Kosten wären schwer kalkulierbar gewesen – ein Problem für Softwareunternehmen, die langfristige Preismodelle für ihre Kunden anbieten müssen.
Amazon reagiert auf Kritik
Nun scheint Amazon die Signale aus dem Markt ernst genommen zu haben. In der internen Nachricht an Solution Provider heißt es:
„Seit wir am 3. November 2025 unsere SP-API-Preisstruktur angekündigt und die erweiterte Stufe am 11. Februar 2026 eingeführt haben, wurden wir wiederholt von Lösungsanbietern auf die Komplexität dieser Gebührenstruktur für ihre Geschäftsplanung und Prognose hingewiesen.“
Weiter schreibt Amazon:
„Wir verstehen Ihre Bedenken und werten Ihr Feedback fortlaufend aus. Daher schieben wir die Gebühreneinführung auf und werden Ihnen im Herbst aktualisierte Zeitpläne mitteilen.“
Mit anderen Worten: Die Einführung der Gebühren wird auf unbestimmte Zeit verschoben.
Gute Nachricht für Händler
Für Händler ist diese Entscheidung eine gute Nachricht. Denn sie verhindert eine Kostenlawine im Hintergrund. Wären die Gebühren wie geplant umgesetzt worden, hätten praktisch alle größeren Softwareanbieter ihre Preise anpassen müssen. Die Folge wäre ein Dominoeffekt gewesen:
Amazon erhöht API-Kosten →
Toolanbieter erhöhen Preise →
Händler zahlen mehr für ihre Infrastruktur. Dass dieser Prozess nun gestoppt wurde, verschafft der Branche zumindest vorerst Luft.
Auswirkungen auf aktuelle Preiserhöhungen
In den vergangenen Wochen hatten mehrere Anbieter ihre Preise erhöht oder entsprechende Anpassungen angekündigt. Darunter auch bekannte Anbieter aus dem ERP-Umfeld, wie z.B. die JTL Software GmbH . Ein Teil dieser Preisanpassungen wurde mit steigenden Infrastrukturkosten begründet. Wenn die Gebühren nun ausgesetzt werden, dürfte sich die Situation verändern. Es ist daher durchaus möglich, dass einige Anbieter ihre Preiserhöhungen noch einmal überprüfen oder teilweise zurücknehmen. Die Hoffnung jedenfalls stirbt zuletzt.
Fazit
Die geplanten Gebühren für die Amazon-SP-API hätten eine Kettenreaktion ausgelöst, die am Ende vor allem Händler getroffen hätte. Mit der Entscheidung, die Einführung zunächst zu verschieben, verhindert Amazon eine mögliche Kostenexplosion im Händler-Ökosystem. Wie es im Herbst weitergeht, steht in den Sternen. Denn Amazon hat die Gebühren nicht endgültig gestrichen – sondern lediglich aufgeschoben. Die Diskussion über die Monetarisierung der Amazon-Infrastruktur dürfte damit noch lange nicht beendet sein.





