Am 17. März 2026 hat Rossmann als eines der ersten Unternehmen in Europa einen humanoiden Roboter des Typs UBTech Walker S2 in Empfang genommen. Der Drogeriemarkt-Riese testet die Maschine ein Jahr lang in seinem Logistikzentrum in Burgwedel – und will dabei herausfinden, was Humanoid-Robotik im Alltag wirklich leistet und wo die Grenzen liegen.

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Was steckt hinter dem Pilotprojekt?

Das Pilotprojekt läuft über das gesamte Jahr 2026 und ist in mehrere Phasen unterteilt: von ersten Use-Case-Szenarien über den schrittweisen Einsatz in der Praxis bis hin zur Bewertung einer möglichen Ausweitung. Rossmann will konkret messen, wie der Walker S2 in bestehende Logistikprozesse integriert werden kann – und welche IT-Infrastruktur dafür nötig ist.

Der Fokus liegt auf repetitiven und körperlich unergonomischen Tätigkeiten. Der Roboter soll die Mitarbeitenden entlasten, nicht ersetzen. Logistik-Geschäftsleitungsmitglied Hendrik van Duuren formuliert es offen: „Uns ist bewusst, dass rund um humanoide Robotik derzeit viel Hype entsteht – gerade deshalb wollen wir frühzeitig und auf Basis eigener Erfahrungen herausfinden, was im Alltag tatsächlich funktioniert.“

Geliefert wurde der Walker S2 von Terra Robotics aus Löhne, einem jungen Unternehmen der Wortmann Gruppe. Terra Robotics ist offizieller UBTECH-Distributor für Deutschland und die Schweiz und übernimmt bei Rossmann auch die technische Implementierung.

Der UBTech Walker S2: Technik im Detail

Der Walker S2 ist kein Forschungsprototyp, sondern ein für den industriellen Dauerbetrieb entwickelter Humanoid-Roboter des chinesischen Herstellers UBTECH Robotics . Seit November 2025 befindet er sich in Serienproduktion – und gilt als einer der ersten Humanoiden weltweit, der tatsächlich in Fabriken und Lagern im Einsatz ist.

Kernspezifikationen

  • Höhe: ca. 1,76 m
  • Gewicht: ca. 70–73 kg
  • Freiheitsgrade (DOF): 52 – davon 12 allein in den Händen
  • Nutzlast: bis 15 kg
  • Gehgeschwindigkeit: bis 2,0 m/s
  • Taillendrehung: ±162°
  • Recheneinheit: Intel Core i7-1185G7 (Echtzeit-OS) + NVIDIA Jetson AGX Orin mit 275 TOPS (KI/Vision)
  • Sensorik: Binokulare RGB-Stereokameras, LiDAR, 6-Achsen-IMU

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Das entscheidende Feature: autonomer Akkuwechsel

Der Walker S2 kann seinen Akku selbstständig wechseln – in unter drei Minuten, ohne menschliche Hilfe. Das Dual-Batterie-System ermöglicht nahezu unterbrechungsfreien 24/7-Betrieb: Der Roboter fährt eigenständig zur Ladestation, tauscht den leeren Akku gegen einen vollen aus und setzt seine Arbeit fort. Laut Hersteller sinken die Betriebskosten dadurch im Vergleich zu konventioneller Automatisierung um bis zu 50 Prozent.

KI-Stack: BrainNet 2.0 und Co-Agent

Die Software-Seite ist mindestens genauso bemerkenswert wie die Hardware. Der Walker S2 läuft auf UBTECHs proprietärem KI-System: BrainNet 2.0 koordiniert mehrere Roboter gleichzeitig im Schwarm und ermöglicht den Austausch von Umgebungsdaten zwischen Einheiten. Co-Agent ist das dazugehörige Agentensystem – es übernimmt Aufgabenplanung, Fehlerbehandlung und autonome Entscheidungen in Echtzeit. UBTECH bezeichnet Co-Agent als weltweit ersten industriellen Agenten für Humanoid-Roboter.

Wo wird der Walker S2 bereits eingesetzt?

Vor dem Rossmann-Einsatz hat UBTECH den Walker S2 bereits bei namhaften Industriekunden erprobt: BYD, Geely Auto, FAW-Volkswagen, Audi FAW, Foxconn und SF Express nutzen den Roboter für Qualitätskontrolle, Montagetätigkeiten und Materialtransport. Auch Airbus testete ihn in einer Simulationsumgebung für die Flugzeugmontage. Bis Ende 2025 hatte UBTECH Aufträge im Wert von über 800 Millionen chinesischen Yuan (ca. 112 Millionen US-Dollar) für den Walker S2 eingesammelt.

Fachbegriffe: Humanoid-Robotik & UBTech Walker S2

Humanoid-Roboter
Roboter mit menschenähnlicher Körperstruktur: zwei Beine, zwei Arme, ein Kopf. Kann in Umgebungen arbeiten, die für Menschen gebaut wurden – z. B. Regale, Türen, Treppen – ohne dass die Infrastruktur umgebaut werden muss.
Freiheitsgrade (DOF – Degrees of Freedom)
Gibt an, wie viele unabhängige Bewegungsrichtungen ein Roboter ausführen kann. Der Walker S2 hat 52 DOF – je mehr, desto menschenähnlicher und flexibler die Bewegungen. Ein menschliches Handgelenk hat z. B. 3 DOF.
Nutzlast
Das maximale Gewicht, das ein Roboter tragen oder heben kann. Der Walker S2 schafft bis zu 15 kg – vergleichbar mit einem mittelgroßen Karton im Lager.
Autonomer Akkuwechsel (Hot-Swap)
Der Roboter fährt selbstständig zur Ladestation und tauscht seinen leeren Akku gegen einen vollen aus – ohne menschliche Hilfe, in unter 3 Minuten. Ermöglicht nahezu unterbrechungsfreien 24/7-Betrieb.
BrainNet 2.0
UBTECHs KI-Plattform für Schwarm-Intelligenz: Mehrere Walker-S2-Einheiten können gleichzeitig Umgebungsdaten austauschen und Aufgaben koordinieren – ähnlich wie ein vernetztes Team.
Co-Agent
UBTECHs proprietäres KI-Agentensystem. Es übernimmt Aufgabenplanung, erkennt Fehler eigenständig und trifft autonome Entscheidungen in Echtzeit – ohne dass jede Situation vorprogrammiert sein muss.
V-SLAM (Visual Simultaneous Localization and Mapping)
Navigationstechnologie: Der Roboter erstellt anhand von Kamerabildern gleichzeitig eine Karte seiner Umgebung und bestimmt seine eigene Position darin – ohne GPS, allein durch visuelle Wahrnehmung.
Binokulare Stereo-Vision
Zwei Kameras im Roboterkopf funktionieren wie menschliche Augen: Durch den leichten Versatz beider Bilder errechnet der Roboter Tiefeninformationen und erkennt, wie weit Objekte entfernt sind.
LiDAR
Sensor, der mit Laserpulsen die Umgebung dreidimensional vermisst. Ermöglicht präzise Hinderniserkennung und Navigation auch bei schlechten Lichtverhältnissen.
TOPS (Tera Operations Per Second)
Maßeinheit für die KI-Rechenleistung eines Chips. Der NVIDIA Jetson AGX Orin im Walker S2 leistet 275 TOPS – genug für Echtzeit-Bildverarbeitung, Navigation und KI-Entscheidungen gleichzeitig.
RaaS (Robotics as a Service)
Mietmodell für Roboter: Statt Kaufpreis zahlt das Unternehmen eine monatliche Gebühr – ähnlich wie SaaS bei Software. Senkt die Einstiegshürde und verschiebt Wartungsverantwortung zum Anbieter.
Pilotprojekt / Proof of Concept
Kontrollierter Testlauf unter realen Bedingungen, bevor eine Technologie breit ausgerollt wird. Rossmanns Jahrestest soll zeigen, ob und wie der Walker S2 skalierbar eingesetzt werden kann.
Skalierung / Rollout
Ausweitung einer Technologie von einem Piloten auf viele Standorte. Rossmann prüft nach dem Test, ob ein flächendeckender Einsatz des Walker S2 in weiteren Logistikzentren sinnvoll ist.
Terra Robotics / Wortmann Gruppe
Terra Robotics ist der offizielle UBTECH-Distributor für Deutschland und die Schweiz – ein Unternehmen der Wortmann Gruppe aus Löhne (NRW), die seit über 35 Jahren im IT-Bereich tätig ist.

Was kostet ein Walker S2?

Offizielle Listenpreise veröffentlicht UBTECH nicht. Verschiedene Quellen nennen für Früh-Adoptoren rund 90.000 US-Dollar pro Einheit (ca. 82.000 Euro). Ein US-amerikanischer Händler listet den Direktkauf bei 180.000 US-Dollar inkl. Erstintegration – alternativ als Robotics-as-a-Service (RaaS) für rund 5.000 US-Dollar pro Monat. In Deutschland vertreibt Terra Robotics den Walker S2 und kommuniziert konkrete Preise auf Anfrage.

Humanoid-Robotik verlässt das Labor

UBTECH hat im November 2025 als erstes Unternehmen weltweit Hunderte vollformatige industrielle Humanoide in Serie ausgeliefert. Die meisten Mitbewerber – darunter Figure, 1X oder Agility Robotics – befinden sich noch in frühen Deployment-Phasen. Dass Rossmann zu den ersten Unternehmen in Europa gehört, die einen Walker S2 erhalten haben, unterstreicht den aktuellen Stand: Humanoid-Roboter in der Logistik sind 2026 kein Science-Fiction-Szenario mehr – aber noch weit davon entfernt, Standardtechnologie zu sein.

Rossmanns Ansatz ist nüchtern – und deshalb glaubwürdig

Was an Rossmanns Vorgehen auffällt: Das Unternehmen gibt keine vollmundigen Versprechen ab. Der Pilot ist als Lernprojekt angelegt – mit klar definierten Phasen, Fragestellungen und dem Ziel, den Hype zu hinterfragen. Das steht im Kontrast zu vielen PR-Kampagnen der Branche, die jede Roboter-Demo als Revolution verkaufen. Am Ende des Jahrestests will Rossmann ein belastbares, skalierbares Einsatzkonzept entwickelt haben – oder eben nicht. Beides wäre ein valides Ergebnis.

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