Temu und Shein liefern täglich 460.000 Pakete nach Deutschland – und reißen dabei ein Milliardenloch in die deutsche Wirtschaft. Eine neue Studie von IW Consult im Auftrag des Handelsverbandes Deutschland (HDE) legt erstmals die volkswirtschaftlichen Schäden in konkreten Zahlen vor. Das Ergebnis ist: Wer in Deutschland Handel treibt und Steuern zahlt, subventioniert mit seinem Marktanteilsverlust den Regelbruch chinesischer Plattformen.
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2,4 Milliarden Euro – der Preis des unfairen Wettbewerbs
Der HDE hat IW Consult beauftragt, den wirtschaftlichen Schaden durch Temu und Shein zu quantifizieren. Das Ergebnis: Der deutschen Wirtschaft entgehen jährlich 2,4 Milliarden Euro Wertschöpfung. Davon entfallen 1,3 Milliarden Euro allein auf den deutschen Einzelhandel.
Grundlage der Berechnungen ist eine repräsentative Bevölkerungsbefragung mit 4.000 Teilnehmern (Februar 2026, CAWI -Methode). 53 Prozent der Ausgaben auf chinesischen Plattformen würden laut Befragung ohne diese Angebote auf deutschen Online-Shops oder im stationären Handel getätigt. Daraus ergibt sich ein direkter Umsatzverlust von 2,5 Milliarden Euro für den hiesigen Handel – zuzüglich indirekter und induzierter Effekte aus wegfallenden Vorleistungen und geringeren Konsumausgaben summiert sich der Gesamtschaden auf 5 Milliarden Euro an entgangenen Unternehmensumsätzen.
HDE-Präsident Alexander von Preen bringt es auf den Punkt: Temu und Shein halten sich oft nicht an rechtliche und regulatorische Vorgaben, liefern teils gesundheitsgefährdende Ware – und bringen viele heimische Händler an den Rand des Ruins. Denn anders als die chinesischen Plattformen werden hiesige Händler streng kontrolliert und halten sich an alle Gesetze und Steuersätze.
40.000 Stellen weg – und die Politik schaut zu
Der Jobverlust ist massiv: Über 40.600 Arbeitsplätze entfallen in Deutschland durch den Verdrängungswettbewerb von Temu und Shein. 28.300 davon direkt im Einzelhandel. Weitere 8.875 Stellen gehen in Vorleistungsbranchen verloren, 3.355 durch induzierte Konsumrückgänge.
Zum Vergleich: Das entspricht in etwa der gesamten Belegschaft eines mittelgroßen deutschen Konzerns – vernichtet durch systematischen Regelbruch.
68 Prozent der getesteten Temu- und Shein-Produkte erfüllen laut Studie nicht die EU-Sicherheitsanforderungen. Ein Beispiel: Cadmium in Schmuck mit dem 8.500-fachen des zulässigen Grenzwerts. Gleichzeitig tragen deutsche Händler die vollen Compliance-Kosten nach VerpackG, DSGVO, ElektroG und Produktsicherheitsrecht.
429 Millionen Euro Steuerausfall: Bund, Länder und Kommunen verlieren
Der fiskalische Schaden trifft alle staatlichen Ebenen. Bund und Länder entgehen jeweils über 160 Millionen Euro Steuereinnahmen jährlich, Kommunen zusätzlich 101 Millionen Euro – zusammen 429 Millionen Euro, die dem Staatshaushalt fehlen.
Den größten Anteil bei Bund und Ländern macht die Lohnsteuer aus – direkte Folge der wegfallenden Arbeitsplätze. Bei den Kommunen dominiert die Gewerbesteuer. Berücksichtigt man zusätzlich Schätzungen zu Steuerhinterziehungen durch die Plattformen, kämen nochmals 114 Millionen Euro Umsatzsteuer hinzu, die bei fairen Wettbewerbsbedingungen in heimischen Kassen landen würden.
Was Regulierung bisher nicht leistet – und was jetzt kommen muss
Der regulatorische Rahmen ist komplex, aber bisher weitgehend zahnlos. Im Überblick: Die EU-Zollfreigrenze für Sendungen unter 150 Euro wurde im Dezember 2025 abgeschafft. Ab Juli 2026 gilt eine Pauschale von 3 Euro je Warenart und Sendung, ab November 2026 kommt eine Bearbeitungsgebühr dazu. Das vollständige Zollsystem über den EU Customs Data Hub greift erst ab Juli 2028.
Im DSA-Verfahren gegen Temu (eröffnet Oktober 2024) wurde im Juli 2025 ein vorläufiger Verstoß gegen Art. 34 DSA festgestellt – unzureichende Risikobewertung. Gegen Shein läuft seit Februar 2026 ein eigenes Verfahren. Drohende Geldbuße: bis zu 6 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Wann und ob diese tatsächlich verhängt und vollstreckt wird, ist offen.
Das Bundeskartellamt hat seit Oktober 2025 ein Verfahren gegen Whaleco Technology Ltd. (Temu) laufen. Prüfgegenstand ist die Preisdeckelungspraxis – Temu soll Händler auf seiner Plattform zwingen, maximal 85 Prozent des Konkurrenzpreises zu verlangen. Das hätte Präzedenzcharakter für alle C2M-Plattformen in der EU.
Ohne Vollstreckung ist jede Regel wertlos
Der HDE fordert konkrete Maßnahmen – und die gehen über Lippenbekenntnisse hinaus. Erstens: Der Zoll soll, ähnlich wie in Frankreich, bei der Paketeinfuhr massive Schwerpunktkontrollen durchführen und den Kontrolldruck spürbar erhöhen. Täglich rollen 460.000 Pakete allein von Temu und Shein durch den deutschen Zoll – das ist kein Nischenphänomen mehr.
Wortfilter fordert, dass jeder Drittstaatenhändler und jede Drittstaatsplattform, die in der EU verkauft, einen solventen und tatsächlich erreichbaren Repräsentanten im jeweiligen EU-Verkaufsland vorhalten muss. Dieser Repräsentant muss im Streitfall real haftbar sein – nicht nur auf dem Papier.
Das bedeutet in der Praxis: Zugriff auf Zahlungskonten, eine echte Rücksendeadresse innerhalb der EU und die Möglichkeit, Urteile ohne jahrelange Rechtshilfeverfahren gegen China zu vollstrecken. Wer in Deutschland Kunden beliefert, muss in Deutschland auch verklagbar sein – und Urteile müssen vollstreckbar sein, ohne dass Händler jahrelang auf ihr Recht warten.
Von Preen bringt es direkt auf den Punkt: Wenn sonst nichts hilft, muss bei solch massiven Regelverstößen der Stecker gezogen werden. Wettbewerb ist gut – aber er muss fair sein. (Quelle: u.a. Pressemitteilung HDE )





