Der bevh bekommt eine neue Hauptgeschäftsführerin. Alien Mulyk übernimmt zum 1. Juli 2026 die Spitze des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel und folgt damit auf Christoph Wenk-Fischer. Der Vorstand wählte sie einstimmig. Die Wahl markiert den größten personellen Wechsel in der Verbandsführung seit 17 Jahren.
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Brüsseler Stallgeruch trifft Berliner Politikbetrieb
Mulyk ist im Verband bereits seit 2019 aktiv. Zuletzt verantwortete sie als Mitglied der Geschäftsführung den Bereich Public Affairs Europa und Internationales. Ihre politische Sozialisation begann allerdings nicht in Berlin, sondern in Brüssel: nach dem Studium European Studies als Trainee bei der Europäischen Kommission und dem Europäischen Parlament.
Es folgte eine Station als Politikreferentin bei der EMOTA, dem damaligen europäischen Verband für E-Commerce und Omni-Channel-Handel. EMOTA ist inzwischen mit Ecommerce Europe zum heutigen Dachverband verschmolzen. Diese europäische Perspektive dürfte bei den anstehenden Brüsseler Dossiers – DSA, GPSR, EU-Zollreform – an Gewicht gewinnen.
Was der Wechsel für Onlinehändler konkret bedeutet
Mulyk bildet künftig zusammen mit dem stellvertretenden Hauptgeschäftsführer Martin Groß-Albenhausen die Doppelspitze. Das ist die operative Ansage: politische Lobbyarbeit auf zwei Ebenen – Berlin und Brüssel – wird intern enger verzahnt. Für Onlinehändler heißt das: kürzere Wege zwischen den Regulierungsschauplätzen, an denen aktuell die meisten Vorgaben für den Versandhandel entstehen.
Verbandspräsident Gero Furchheim spricht von einem „weithin bekannten Gesicht des Verbands“. Das ist mehr als Pflichtprosa: Mulyk hat in den letzten Jahren regelmäßig die bevh-Positionen zu Themen wie Retouren, Plattformregulierung und Verbraucherschutz nach außen vertreten. Händler, die sich mit Verbandsarbeit beschäftigen, kennen ihren Namen.
17 Jahre Wenk-Fischer enden im Januar 2027
Christoph Wenk-Fischer verlässt den bevh nach 17 Jahren Ende Januar 2027 in den Ruhestand. Damit endet eine Ära, in der sich der Verband vom klassischen Versandhandelslobby zur Stimme einer Branche entwickelt hat, die heute Marktplätze, D2C-Geschäft und stationäre Multichannel-Strukturen umfasst. Die Übergabephase von Juli bis Januar ist bewusst lang angelegt.
Furchheim bedankt sich öffentlich „auch für die verantwortungsvoll eingeleitete Übergabe des Amts in neue Hände“. Diese Formulierung deutet auf eine geordnete Stabsübergabe statt eines harten Schnitts hin – relevant für laufende Verbandsdossiers, die nicht abreißen dürfen.
Persönliche Anmerkung des Wortfilter-Herausgebers
An dieser Stelle eine persönliche Anmerkung: Ich freue mich für Alien. Bereits 2023 durfte ich sie im Wortfilter Wissenstalk gemeinsam mit Malte Karstan begrüßen. Thema damals: die bevh-Retourenstudie. Mulyk hat das Datenmaterial außerordentlich fachkompetent erklärt – ohne den verbandstypischen Lobby-Filter, sondern mit Substanz. Wer dort zuhörte, ahnte schon damals, dass diese Position früher oder später kommen würde.
Was jetzt zu erwarten ist
Die ersten 100 Tage werden zeigen, ob Mulyk den Brüssel-Schwerpunkt weiter ausbaut oder den Verband stärker auf nationale Themen ausrichtet. Aktuell drücken EU-Zollreform, Plattformregulierung und die Umsetzung der Produktsicherheitsverordnung auf die Agenda. Die Doppelspitze mit Groß-Albenhausen lässt eine Aufgabenteilung erwarten: Mulyk politisch, Groß-Albenhausen operativ.
Für Mitglieder des bevh ändert sich kurzfristig nichts. Mittelfristig wird der Stilwechsel an der Spitze aber spürbar werden. Wer mit dem Verband zusammenarbeitet oder gegen Verbandspositionen lobbyiert, sollte sich auf eine andere Tonalität einstellen.





